Hallo Staffingpreneur:in,
der freie Fall ist vorbei. Das ist die gute Nachricht aus den Quartalszahlen der großen Staffingfirmen. Adecco wächst organisch um 5,6%, ManpowerGroup um 5,8%, Randstad um 1,9%. Die schlechte Nachricht ist: Der Rohertrag hat in Q2 noch nicht Schritt gehalten. Bei Randstad sank er sogar, trotz mehr Umsatz.
Im Mai hatte ich die Erholung nach Q1 als eingefroren beschrieben. Q2 zeigt: Sie taut auf, aber nur beim Volumen. Der Umsatz kann wieder wachsen, während die Qualität des Geschäfts unter Druck bleibt. Größe allein hilft dabei wenig. Vorne liegen die Staffingfirmen, die regionale Stärke, das richtige Geschäftsmodell und harte Kostensteuerung zusammenbringen. Genau das meinte ich im Januar mit dem Verteilungsjahr 2026. Die letzte Marktlage zeigt dass in Q3 wir in eine Jahresendrally übergehen.
Elf Staffingfirmen im Vergleich
Für diesen Staffing-Check habe ich die Q2-Zahlen von elf börsennotierten Staffingfirmen ausgewertet. Die Berichtsperioden sind nicht identisch: Hays berichtet das Quartal April bis Juni als Q4 seines Geschäftsjahres, SThree sein Halbjahr bis Ende Mai, Korn Ferry das Quartal bis Ende Juli. Deshalb vergleiche ich keine scheinbar einheitliche Kennzahl, sondern Richtung, Qualität des Wachstums und Profitabilität.
Staffingfirma | Umsatz | Wachstum | Rohertrag / Net Fees | Wachstum RE | Bruttomarge | EBITA / Ergebnis |
|---|---|---|---|---|---|---|
Adecco | 5.997 Mio. € | +5,6% org. | 1.113 Mio. € | +4% org. | 18,6% (−30 bp) | 165 Mio. € (2,8%) |
Randstad | 5.897 Mio. € | +1,9% org. | 1.071 Mio. € | −2% org. | 18,2% (−70 bp) | 182 Mio. € (3,1%) |
ManpowerGroup | 4.860 Mio. $ | +5,8% kW | 780 Mio. $ | +0,7% kW | 16,1% (~−85 bp) | ber. EBITA 103 Mio. $ |
Robert Half | 1.336 Mio. $ | −3% ber. | – | – | – | – |
Korn Ferry (Mai–Jul) | 756,5 Mio. $ Fee Rev. | +7% | – | – | – | ber. EBITDA 128 Mio. $ (17,0%) |
Brunel | 297,7 Mio. € | −2% org. | 51,6 Mio. € | −1% org. | 17,3% (stabil) | ber. EBIT 6,2 Mio. € |
PageGroup | – | – | 197,6 Mio. £ | −0,2% kW | – | H1: 9,7 Mio. £ |
Hays (Apr–Jun) | – | – | – | −5% LFL | – | FY: 48,6 Mio. £ |
Robert Walters | – | – | 69,4 Mio. £ | −4% kW | – | H1: −4,5 Mio. £ |
SThree (H1 Dez–Mai) | 598,8 Mio. £ | −8% | 147,7 Mio. £ | −7% | – | PBT 2,7 Mio. £ |
Amadeus Fire | 82,3 Mio. € | −6,9% | H1: 85,9 Mio. € | H1: −10,8% | H1: 50,0% | H1: 3,5 Mio. € (2,0%) |
org. = organisch, kW = konstante Währung, LFL = like-for-like, ber. = bereinigt. Definitionen sind unternehmensspezifisch und nicht gleichzusetzen.
Die Erholung ist real, aber sie beginnt im Umsatz
Randstad, Adecco und ManpowerGroup wachsen wieder. Das ist ein wichtiges Signal. Kundenvolumen und Aktivität kommen in Teilen des Marktes zurück, vor allem in den USA und Südeuropa. Manpower US legt um 16% zu, Iberien bei Randstad um 11%.
Nur: Bei allen drei wächst der Rohertrag schwächer als der Umsatz. Randstad verliert 70 Basispunkte Bruttomarge, ManpowerGroup rund 85, Adecco 30. Bei Manpower steht 5,8% Umsatzwachstum ein Rohertragsplus von 0,7% gegenüber. Randstad macht mehr Umsatz und weniger Rohertrag (−2%).
Das ist die wirtschaftliche Kernbotschaft des Quartals. Die Großen kaufen Volumen über den Preis, vor allem bei Großkunden und in der Logistik. Dazu fehlt der margenstarke Perm-Anteil. Die Ergebnisse steigen trotzdem, weil die Kosten schneller fallen: Randstad senkt die Opex um 3%, Manpower die SG&A um 6%, Adecco steigert die Produktivität um 6%. Randstads EBITA legt organisch um 8% zu. Dieses Plus kommt aus der Kostenbasis. Der T-Rex ist schlanker geworden, nicht hungriger.
PageGroup bestätigt das Bild aus einer anderen Richtung. Berichtet steigt der Rohertrag um 1,3%, in konstanter Währung fällt er um 0,2%. Aber als Permfirma sind hier die positiven Signale schnell spürbar und deswegen will Page wohl auch 100 Mitarbeitende in Deutschlan einstellen. Wie PageGroup in Nordeuropa tickt, hat mir Goran Barić schon 2024 im STPR-Podcast erzählt.
Contract stabilisiert, Permanent bleibt der Schwachpunkt
Das Muster aus den Vorquartalen hält: Perm ist schwächer als Temp und Contract. Aber die Lücke wird kleiner. Hays verliert im Quartal April bis Juni in Temp & Contracting 3%, in Permanent 7%. Randstads Perm-Fees fallen um 5%, nach −10% im Q1. Bei Adecco ist der Perm-Rohertrag fast stabil (−1%, nach −7%). Robert Half meldet für Juni erstmals wieder ein Perm-Plus von 4%. Wie Robert Half den Markt in Zentral- und Südeuropa sieht, hat Sven Hennige im Podcast #27 erzählt.
SThree zeigt, was ein hoher Contract-Anteil wert ist. 85% der Net Fees kommen aus Contract. Der Rückgang dort verbessert sich von −10% im Q1 auf −6% im Q2, der Contractor Order Book wächst um 3% auf 157,2 Mio. £. Im Q3-Update vom 22. September liegt Contract nur noch bei −1%. SThree-CEO Timo Lehne war einer meiner ersten Konzern-Gäste im STPR-Podcast.
Für Dich als Staffingunternehmer heißt das: Contract und Temp schützen nicht vor jeder Schwäche. Aber sie liefern Sichtbarkeit, Verlängerungen und wiederkehrende Erträge. Perm reagiert schneller auf Unsicherheit, Budgetstopps und verschobene Entscheidungen. Und Perm ist ein Spätzykliker. Die ersten Erholungssignale kommen aus den USA und Asien. Nicht aus Deutschland. Wer jetzt reflexartig in Perm flüchtet, sollte vorher „Mache Perm heute – und stirb morgen“ lesen.
Deutschland: Das Volumen dreht, die Qualität nicht
Der deutsche Markt ist 2025 laut SIA um 2% auf 32,4 Mrd. € geschrumpft. 67 der 75 größten Staffingfirmen haben Umsatz verloren. Und die Größe hat nicht geschützt: Die Top 10 verloren 7,1%, der Rest der Top 75 5,8%.
In Q2 2026 zerfällt das Bild in zwei Hälften. Die gewerbliche Zeitarbeit dreht ins Plus. Randstad wächst in Deutschland um 4%, im operativen Segment sogar um 8%, und die deutsche EBITA-Marge springt von −0,6% auf 2,3%. Adecco meldet für DACH +3%, getragen von Logistik, Luftfahrt und Verteidigung. Brunel wächst in DACH organisch um 12%, mit Verteidigung, Netzen und Energie. Das sind genau die Branchen aus meinen Wachstumsbranchen 2026 und dem Defence-Deepdive. Langt Dir dieser Deep-Dive nicht? Willst Du die vollständige Auswertung zu allen Branchen und Skills die – Kennzahlen, Einordnung und Vergleichscharts gebündelt? Das liefert der STPR-Arbeitsmarktkompass.
Vermittlung, Professional und Engineering bleiben dagegen im Minus. Randstad Professional in Deutschland −2% (wie Randstad Professional aufgestellt ist, hat Robert Bhuiyan im Podcast erzählt). Hays Deutschland −7%, Perm −12%. PageGroup −4%. SThree im Halbjahr −14% und laut Q3-Update weiter „herausfordernd“. Akkodis Deutschland −3%, im Automotive-Geschäft −19%, weil zwei große OEMs Projekte gestoppt haben. Und Amadeus Fire, der einzige reine DACH-Player im Feld, verliert im Staffing-Segment im Halbjahr 17,6% Umsatz, die Vermittlung hat die Erwartungen im Q2 „klar verfehlt“. Die Prognose wurde gesenkt.
Staffingfirma | DE-Umsatz 2025 | Δ 2025 | Marktanteil DE | Deutschland-Signal Q2 2026 |
|---|---|---|---|---|
Hays | 1.992 Mio. € | −6,6% | 6,1% | Net Fees −7% (Perm −12%); FY-Conversion DE 14,2% (VJ 16,9%) |
Adecco | 1.623 Mio. € | −7,1% | 5,0% | DACH +3%; Akkodis DE −3%, Automotive −19% |
Randstad | 1.362 Mio. € | −8,9% | 4,2% | +4% (Operational +8%, Professional −2%); EBITA-Marge 2,3% (VJ −0,6%) |
Tempton (privat) | 462 Mio. € | +12,3% | 1,4% | Wachstum über Zukäufe, u. a. meteor (2026) |
ManpowerGroup | 418 Mio. € | −19,6% | 1,3% | nicht separat ausgewiesen |
SThree | 394 Mio. € | −15,3% | 1,2% | H1 (Dez–Mai) −14%; Q3 „herausfordernd“ |
PageGroup | 260 Mio. € | −13,7% | 0,8% | Rohertrag −4% kW |
Amadeus Fire | 174 Mio. € | −25,3% | 0,5% | Umsatz −6,9%; Staffing-Segment H1 −17,6% |
Brunel | 171 Mio. € | −18,1% | 0,5% | DACH (inkl. CZ) +12% org., EBIT wieder positiv |
Deutschland-Umsatz 2025, Veränderung und Marktanteil: SIA „Largest Staffing Firms in Germany 2026“ (teils SIA-Schätzungen). Q2-Signale: Unternehmensberichte. Perioden abweichend: Hays April–Juni, SThree Dezember–Mai.
Meine Lesart: Das Plus in der Zeitarbeit ist eine Stabilisierung auf sehr niedrigem Niveau. Wer gegen diese Basis wächst, hat noch keinen Aufschwung bewiesen. Und die Margen zeigen, wie hart der Wettbewerb ist: Randstad verdient in Deutschland 2,3% EBITA-Marge, in Italien und Iberien sind es 5,7 bis 5,9%. Die Schweiz liefert gar kein Wachstum: Randstad +1%, Hays −5%. Warum die Zeitarbeit als Erste reagiert und die Vermittlung als Letzte, erklärt das STPR-Staffing-Transmissionsmodell.
Wie Hays den deutschen Markt sieht, hat Marc Lutz im Mai im STPR-Podcast erzählt:

STAFFINGPRENEUR
STPR-PODCAST mit Marc Lutz - Hays
Produktivität macht den Unterschied zwischen Stabilisierung und Ergebnis
Die Staffingfirmen reagieren sichtbar auf die lange Schwächephase. PageGroup steigert den Rohertrag je Fee Earner um 5%, das operative Ergebnis steigt im Halbjahr von 2,1 auf 9,7 Mio. £. Robert Walters baut 11% Headcount ab und erreicht +6% Net Fees je Fee Earner. Hays meldet in Deutschland 9% mehr Produktivität je Berater.
Hays zeigt auch den Preis dafür. Im Geschäftsjahr bis Juni fallen die Net Fees um 8% (LFL) auf 905,5 Mio. £, Perm −12%, Temp & Contracting −5%. Der operative Gewinn vor Sondereffekten steigt trotzdem um 3% (LFL) auf 48,6 Mio. £, dank rund 50 Mio. £ annualisierter Einsparungen, drei Jahre früher als geplant. Statutarisch steht wegen Restrukturierung und Portfolio-Exits ein Vorsteuerverlust von 54,5 Mio. £. Die Dividende sinkt von 1,24p auf 0,44p.
SThree geht denselben Weg. 2,7 Mio. £ Vorsteuergewinn im Halbjahr, 75% weniger, inklusive 6,4 Mio. £ Einmalkosten für das Optimierungsprogramm. Im Q3-Update hebt SThree die Ergebnisprognose auf mindestens 12 Mio. £. Das ist der Übergang in ein schlankeres Modell. Der Ergebnisbeweis aus Nachfrage steht noch aus.
Adecco setzt noch einen drauf: 50% des Umsatzes laufen bereits über KI-Agenten, 25 bis 35% Produktivitätsgewinn in der Recruiter-Zeit. Das ist System Scaling, kein AI Washing. Wer als Mittelständler diesen Kostenvorsprung ignoriert, verliert nicht heute. Aber in zwei Jahren.
Korn Ferry ist der Gegenpol im Vergleich. Fee Revenue +7%, sechstes Wachstumsquartal in Folge, Search +10%, Workforce Solutions +11%, Vertragsbestand +14% auf rund 1,9 Mrd. $. Das bestätigt, was ich in der Workforce-Solution-Revolution beschrieben habe: Diversifizierte, beratungsnahe und vertraglich abgesicherte Erträge schaffen in einem ungleichmäßigen Markt mehr Stabilität.
Die Börse wettet schon auf die Wende
Kursentwicklung der grossen Staffingfirmen in 2026

Selbst erstellt mit Hilfe von Claude. Kein Anspruch auf Gewähr.
Im August habe ich in „Staffing-Aktien explodieren“ argumentiert: Der Markt bewertet Ergebnis pro Kopf, nicht Umsatzwachstum. Die Q2-Zahlen bestätigen das. Bis Juni haben die Anleger Staffing abverkauft. Hays lag Mitte Mai 45% unter dem Jahresanfang, PageGroup im Juni 54%, Adecco 36%. Dann kam die Q2-Berichtssaison. ManpowerGroup sprang am Tag der Zahlen um über 30%. Von den Tiefpunkten aus haben sich Hays und PageGroup mehr als verdoppelt, Adecco und Randstad liegen gut 60% höher.
Kursentwicklung der Staffingfirmen 2026 in Prozent

Selbst erstellt mit Hilfe von Claude. Kein Anspruch auf Gewähr.
Seit Jahresbeginn steht ManpowerGroup bei +91%. ManpowerGroup sprang am Tag der Zahlen um rund 27%. Der Grund war nicht Wachstum, sondern die Wende: Aus einem Nettoverlust von 67 Mio. $ im Vorjahresquartal wurde ein Gewinn von 54 Mio. $, das bereinigte EPS lag 27% über Vorjahr und über den Erwartungen. Dazu sprach CEO Jonas Prising erstmals nicht mehr von Stabilisierung, sondern von Erholung, getragen von den USA (+8%), Lateinamerika und Spanien. Aber schau genau hin: Der Rohertrag wuchs nur um 0,7%. Die Börse hat Kostendisziplin bezahlt, nicht Margenqualität. Zieht der Rohertrag im Q3 nicht nach, fehlt der Rallye der zweite Fuß.
SThree bei +63% (mit Übernahmefantasie), Hays bei +17%, Randstad bei +11%, Adecco bei +5%. Und dann ist da Amadeus Fire: −60%, Jahrestief in dieser Woche. Die einzige rein deutsche Staffingfirma im Feld nimmt an der Erholung nicht teil. Was gesagt werden muss: Der Kapitalmarkt preist eine globale Wende ein. Deutschland preist er nicht ein.
Einschränkung: Aktienkurse handeln Erwartungen, nicht Ergebnisse. Seit dem Hoch Ende August haben Hays 17% und Robert Half 19% wieder abgegeben. Ob die Wette aufgeht, zeigen die Q3-Zahlen: Hays am 12. Oktober, Randstad am 21. Oktober. Wenn dort der Rohertrag nicht mit dem Umsatz wächst, war der Sommer eine Rallye auf Kredit.
Konsolidierung: Der Markt ordnet sich neu, bevor die Nachfrage zurück ist
Parallel zu den Zahlen bewegt sich die Eigentümerstruktur. Und zwar in zwei Richtungen.
Die Großen bereinigen ihre Portfolios. Hays hat sechs europäische Länder an Meraki Capital verkauft und prüft den Ausstieg aus weiteren, darunter die Niederlande und Belgien. Die Hintergründe stehen in „Ballast-Länder bei Hays müssen gehen“. Randstad verkauft sein europäisches Tech-&-Consulting-Geschäft an LTM, für 160 Mio. € Unternehmenswert bei 469 Mio. € Umsatz. Das sind rund 0,34x Umsatz. ManpowerGroup verkauft Jefferson Wells USA für 100 Mio. $. Korn Ferry hat am 1. September die Übernahme von AMS abgeschlossen und kauft sich damit tiefer ins RPO-Geschäft ein.
Bei SThree hat Circle8 am 9. September ein vorläufiges, an viele Bedingungen geknüpftes Barangebot angekündigt. Das Board hat es am 11. September einstimmig abgelehnt. Ein verbindliches Angebot gibt es nicht. Circle8 muss bis 7. Oktober ein festes Angebot vorlegen oder sich zurückziehen. Abgeschlossen ist also nichts. Als Marktsignal taugt der Vorgang trotzdem: Spezialisiertes Contract- und STEM-Geschäft bleibt attraktiv, gerade wenn die Bewertungen nach einem langen Abschwung gedrückt sind. Genau diese Dynamik hatte ich im April mit dem „Heuschrecken“-Alarm beschrieben, und schon 2025 zeigte der Take-private von Heidrick & Struggles die Richtung.
Und im deutschen Mittelstand? Da kauft Tempton. Die Essener sind 2025 als eine der wenigen Top-10-Staffingfirmen gewachsen, um 12,3% auf 462 Mio. €, vor allem über Zukäufe. Tempton bleibt weiterhin auf M&A-Kurs in Deutschland: Im März 2026 hat Tempton den Betrieb von meteor Personaldienste aus Köln übernommen (rund 44,5 Mio. € Umsatz 2024, 9 Standorte), nach deren Insolvenz. Dazu kommen 2026 REHCURA im Gesundheitsbereich, Yakabuna aus Augsburg und der Zusammenschluss mit TRUECARE für die internationale Pflegekräftegewinnung. Das Modell ist klar: rund die Hälfte des Wachstums organisch, die Hälfte über Zukäufe, bevorzugt bei Wettbewerbern in Schieflage oder mit Nachfolgethema. Wie Tempton mit klarer Strategie auch im schwierigen Markt wächst, hat Oliver Hecker im STPR-Podcast erzählt:

STAFFINGPRENEUR
STPR-PODCAST mit Oliver Hecker - Tempton
Das ist die zweite Konsolidierungslogik. Die Konzerne ziehen sich auf Kernmärkte zurück. Die Mittelständler mit Kapital und M&A-Kompetenz sammeln Kunden, Standorte und Mitarbeitende aus der Krise ein. Der deutsche Markt ist dafür prädestiniert: Die Top 3 halten laut SIA nur 15% Marktanteil. In Frankreich sind es 35%.
Was Q2 für Staffingfirmen bedeutet
Rohertrag vor Umsatz steuern: Umsatzwachstum ohne Rohertragsqualität täuscht Aktivität vor, ohne die Marge zu verbessern. Genau das machen gerade die Großen, und sie können es sich leisten.
Contract- und Temp-Bestand schützen: Verlängerungen, Redeployment und Order Book sind aktuell mehr wert als die Hoffnung auf mehr Perm-Aufträge.
Kapazität granular führen: Headcount nicht pauschal kürzen, sondern nach Branche, Skill und Conversion an echter Nachfrage ausrichten. Verteidigung, Energie, Netze und Gesundheit wachsen. Automotive nicht.
Produktivität sichtbar machen: Rohertrag pro Fee Earner, Interviews-zu-Placement, Time-to-Submit und Redeployment gehören in die wöchentliche Steuerung.
Höhere Produktivität richtig investieren: Eine hohe Produktivität öffnet Staffingfirmen einen Entscheidungshorizont. Jetzt Hiring und/oder die Umsetzung der KI-Strategie in Angriff nehmen.
M&A-Fenster ernst nehmen: Auf beiden Seiten. Wer Kapital hat, findet gerade Ziele. Wer keine Nachfolge oder zu wenig Marge hat, wird selbst zum Ziel.
Fazit: Der Boden ist da. Die Breite fehlt noch.
Q2 2026 ist besser als die Quartale davor. Adecco, Randstad und ManpowerGroup wachsen, PageGroup bewegt sich um die Nulllinie, Hays und SThree verbessern zumindest ihre Dynamik. Gleichzeitig bleiben Deutschland, die Niederlande und Permanent Recruiting schwach. Und bei fast allen Großen hinkt der Rohertrag dem Umsatz hinterher.
Meine Einschätzung: Der Staffingmarkt ist nicht mehr im freien Fall. Die letzte Marktlage zeigt eine Verstärkung des Trends. Die bisherigen Q3-Zahlen im aus September zeigen dass Umsatz wächst und dir Produktivität auch in Deutschland ins Plus dreht. Die Börsenanalysten haben wohl den richtigen Riecher gehgabt.
Dein nächster Schritt
Welche Kennzahl zeigt bei Dir früher als der Umsatz, ob die Erholung trägt: Rohertrag pro Fee Earner, Conversion, Redeployment oder Order Book? Vergleich für die nächsten vier Wochen Umsatz, Rohertrag und produktive Kapazität je Markt, nicht nur den Gesamtumsatz. Und schreib mir, was Du siehst. Antworte direkt auf diese Mail, ich lese jede Antwort.
Wenn Du Deine eigenen Zahlen gegen diesen Benchmark legen willst: Marktlage 1:1 – Deine Zahlen. Meine Einschätzung.
Dein Staffingpreneur
Thomas André Sola
P.S. Die Staffingfirmen im Detail
Adecco (SIX) – Q2, veröffentlicht 6. August. Umsatz 5.997 Mio. € (+5,6% organisch), fünftes Wachstumsquartal in Folge. Rohertrag 1.113 Mio. € (+4% org.), Bruttomarge 18,6%. EBITA exkl. Einmaleffekte 165 Mio. € (+21%), Marge 2,8%. Adecco-Marke 4.949 Mio. € (+6,6%), Frankreich −1%, Iberien +22%, DACH +3%. Akkodis 743 Mio. € (+1% org.), Akkodis Deutschland −3%, Automotive −19%, weitere Restrukturierung. LHH stabil. Perm-Rohertrag −1% (Q1 −7%). Ausblick: leichte sequenzielle Margenverbesserung, rund 15 Mio. € Einmalkosten im Q3.
Randstad (Euronext) – Q2, veröffentlicht 22. Juli. Umsatz 5.897 Mio. € (+1,8% ber., +1,9% org.). Bereinigter Rohertrag 1.071 Mio. € (−2% org.), Bruttomarge 18,2% (−70 bp). Bereinigtes EBITA 182 Mio. € (+8% org., +6% ber.), Marge 3,1%. Opex −3% org. Perm −5% (Q1 −10%), RPO +7%. Deutschland 386 Mio. € (+4%), Operational +8%, Professional −2%, EBITA-Marge 2,3% (VJ −0,6%). Schweiz +1%, Niederlande −1%, Frankreich −2%, USA +5%. Verkauf von Tech & Consulting Europa/Australien an LTM (160 Mio. €). Q3-Zahlen am 21. Oktober.
ManpowerGroup (NYSE) – Q2, veröffentlicht 16. Juli. Umsatz 4.860 Mio. $ (+7,5% ber., +5,8% kW). Rohertrag 780 Mio. $ (+0,7% kW), Bruttomarge rund 16,1%. SG&A −6% kW, bereinigtes EBITA 103 Mio. $ (+15% kW). Manpower +8% (US +16%), Experis −2%, Talent Solutions stabil. Nordeuropa (inkl. Deutschland/Schweiz) +2% org., wieder profitabel. Verkauf Jefferson Wells USA (100 Mio. $). Ausblick Q3: +3% bis +7% kW.
Hays (LSE) – Q4 FY26 (April–Juni) und Gesamtjahr, veröffentlicht 20. August. Q4 Net Fees −5% LFL, T&C −3%, Perm −7%, Deutschland −7%, Schweiz −5%. FY: Net Fees 905,5 Mio. £ (−8% LFL, −7% ber.), Deutschland 289,5 Mio. £ (−9%), deutsche Conversion 14,2% (VJ 16,9%). Operativer Gewinn vor Sondereffekten 48,6 Mio. £ (+3% LFL, +7% ber.), Conversion 5,4%. Statutarischer Vorsteuerverlust 54,5 Mio. £. Dividende 0,44p (VJ 1,24p). 5.194 Berater. Q1-Update am 12. Oktober.
PageGroup (LSE) – Q2, veröffentlicht 13. Juli/6. August. Rohertrag 197,6 Mio. £ (+1,3% ber., −0,2% kW). Perm +0,2%, Temp −1,4%. Deutschland (12% des Konzerns) −4%, Frankreich −12%, USA +5%, Japan +18%. Fee Earner 4.914, Rohertrag je Fee Earner +5%. H1-Betriebsergebnis 9,7 Mio. £ (VJ 2,1 Mio. £), Interimsdividende 1,46p (VJ 5,36p). Ausblick FY: rund 28 Mio. £ Betriebsergebnis. Zum Vergleich ein Jahr zurück: Staffing-Check PageGroup & SThree.
SThree (LSE) – H1 FY26 (Dezember–Mai) und Q3-Update 22. September. H1 Net Fees 147,7 Mio. £ (−7%), Contract −8%, Perm −5%. Q2 −6% nach −8% im Q1. USA +12%, Deutschland −14%, Niederlande −24%, UK −19%. Order Book +3% auf 157,2 Mio. £. H1-PBT 2,7 Mio. £ inkl. 6,4 Mio. £ Einmalkosten. Q3: Net Fees −2%, Contract −1%, Perm −8%, Prognose PBT FY26 mindestens 12 Mio. £. Circle8-Angebot abgelehnt, Frist 7. Oktober.
Amadeus Fire (Prime Standard) – H1, veröffentlicht 3. August. Q2-Umsatz 82,3 Mio. € (−6,9%), H1 171,7 Mio. € (−8,0%). Operatives EBITA H1 3,5 Mio. € (−45,8%), Periodenergebnis −3,6 Mio. €. Staffing-Segment: Umsatz 90,4 Mio. € (−17,6%), Rohertrag −20,9%, EBITA-Marge 1,4% (VJ 5,2%). Vermittlung „klar verfehlt“, Zeitarbeit und Interim im Plan. Weiterbildung +5,9%. Prognose gesenkt: Umsatz 350–365 Mio. €, operatives EBITA 17–23 Mio. €.
Brunel (Euronext) – Q2, veröffentlicht 31. Juli. Umsatz 297,7 Mio. € (−2% org.), Bruttomarge 17,3%, bereinigtes EBIT 6,2 Mio. €. Perm +6%. DACH (inkl. Tschechien) 50,0 Mio. € (+12% org.), EBIT 0,8 Mio. € (VJ −0,3 Mio. €), getragen von Verteidigung, Netzen und Energie. Ausblick DACH: niedriges zweistelliges Wachstum.
Robert Half (NYSE) – Q2, veröffentlicht 23. Juli. Umsatz 1.336 Mio. $ (−3% ber.). Contract Talent 747 Mio. $, Perm 118 Mio. $, Protiviti 471 Mio. $. Perm im Juni +4%. Ausblick Q3: 1,31–1,41 Mrd. $.
Robert Walters (LSE) – Q2. Net Fees 69,4 Mio. £ (−4% kW), Juni +1%. Specialist Recruitment −7%, Recruitment Outsourcing +9%. Headcount −11%, Net Fees je Fee Earner +6%. H1-Betriebsverlust 4,5 Mio. £.
Korn Ferry (NYSE) – Q1 FY27 (Mai–Juli), veröffentlicht 9. September. Fee Revenue 756,5 Mio. $ (+7%), Search +10%, Workforce Solutions +11%, Vertragsbestand 1,9 Mrd. $ (+14%). Bereinigtes EBITDA 128,2 Mio. $ (17,0%). AMS-Übernahme am 1. September abgeschlossen.
P.P.S. Quellen & Methodik
Quellen & Methodik: Auswertung der offiziellen Investor-Relations-Veröffentlichungen von Adecco, Amadeus Fire, Brunel, Hays, Korn Ferry, ManpowerGroup, PageGroup, Randstad, Robert Half, Robert Walters und SThree, ergänzt um Earnings-Call-Transkripte und Staffing Industry Analysts (SIA). Deutschland-Ranking: SIA, „Largest Staffing Firms in Germany 2026“, 16. August 2026. Aktienkurse: Wochenschlusskurse in Lokalwährung (Yahoo Finance), 2. Januar bis 25. September 2026, eigene Berechnung. Informationsstand: 26. September 2026. Zielperiode ist das Kalenderquartal April bis Juni 2026. Abweichende Geschäftsjahre sind gekennzeichnet: Hays Q4 FY26 (April bis Juni), SThree H1 FY26 (Dezember bis Mai), Korn Ferry Q1 FY27 (Mai bis Juli). Berichtet, konstante Währung, LFL und organisch sind unternehmensspezifische Definitionen und werden nicht gleichgesetzt. Quartalswerte werden nicht aus Halbjahreswerten geschätzt.

