Kurzfassung: Warum 2026 das Jahr der Wachstumsbranchen wird

Der Staffing-Markt muss sich dringend an die Veränderungen im Arbeitsmarkt anpassen.

In Deutschland stehen fünf Schlüsselbranchen vor einem erheblichen Wachstum:

Defence, öffentliche Hand, Energie & Anlagenbau, Semiconductor sowie Construction & Property.

Diese Märkte wachsen strukturell und bieten hohe Chancen für Staffing-Firmen.

Während britische Staffing-Agenturen schnell reagieren und Wachstumsmärkte frühzeitig besetzen, tun sich deutsche Anbieter schwer und verlieren Marktanteile.

Um erfolgreich zu sein, sollten Staffing-Firmen sich aus Schrumpfmärkten zurückziehen, auf Wachstumssektoren spezialisieren, ihre internen Prozesse flexibilisieren und datenbasierte Entscheidungen treffen.

Der Zeitraum von 2026 bis 2030 präsentiert sich als entscheidend für die Marktpositionierung im Staffing-Sektor.

1. Ein Arbeitsmarkt, der sich verschiebt und ein Staffing Markt, der nachziehen muss

Wir stehen Anfang 2026 an einem Punkt, an dem die Arbeitsmarktbewegungen klarer sind als die Konjunkturdaten. Die einen Branchen schrumpfen. Andere wachsen zweistellig. Und genau hier entsteht das Problem: Die meisten Staffing-Firmen richten ihre Organisation nach der Vergangenheit aus – nicht nach dem Arbeitsmarkt der Zukunft.

Ich sehe gerade fünf Märkte, die die Beschäftigung in Deutschland und Europa verändern werden:

1. Defence

2. Öffentliche Hand

3. Energieausbau & Anlagenbau

4. Semiconductor

5. Construction & Property

Alle fünf haben eines gemeinsam: Sie wachsen nicht „irgendwie“ – sie wachsen strukturell, arbeitsmarktgetrieben und über Jahre planbar. Und genau das macht sie so relevant für Staffing.

Denn Staffing ist nie stärker als der Markt, in dem wir spielen. Wächst der Arbeitsmarkt, wächst Staffing automatisch. Schrumpft der Arbeitsmarkt, limitiert Staffing seine eigene Skalierung.

2. Was UK Staffing Firmen anders machen – und warum sie uns wieder davonlaufen

Ich sage das seit Jahren: Englische Staffing-Firmen sind brutal gut darin, Wachstumsmärkte früh zu besetzen.

Das Muster ist immer dasselbe:

  • Sie schauen zuerst auf Makrozahlen.

  • Sie analysieren FTE-Wachstum und Hiring-Druck.

  • Sie treffen Entscheidungen innerhalb weniger Wochen.

  • Sie bauen Teams zu einem Zeitpunkt auf, an dem viele deutsche Anbieter noch eine Marktanalyse erstellen.

In Deutschland sehe ich dagegen ein völlig anderes Muster:

  • Diskussionen darüber, wem ein Markt „gehört“.

  • Regionale Zuständigkeiten, die Märkte künstlich klein schneiden.

  • Skill-Teams, die wichtiger sind als Makrotrends.

  • Ein Grundgedanke: „Wir beobachten erst einmal.“

Das ist ein strategisches Risiko. Märkte, die 15–30% pro Jahr wachsen, belohnen Geschwindigkeit nicht internen Konsens. Wenn wir in Deutschland weiter warten, verlieren wir nicht nur Marktanteile. Wir verlieren komplette Branchenzyklen.

3. Warum Wachstumsbranchen Staffing-Multiplikatoren sind

Meine Beobachtung aus über 15 Jahren Recruitment- und Staffing-Industrie ist eindeutig: Wachstumsbranchen hebeln Staffing nach oben. Schrumpfbranchen drücken Staffing nach unten.

Dafür gibt es drei strukturelle Gründe:

A) FTE-Wachstum erzeugt Hiring-Druck

Wenn Unternehmen 20–30% pro Jahr wachsen – wie wir es aktuell in Defence, Semiconductor und Energie sehen –, entsteht ein Volumen, das interne Recruiting-Teams nicht mehr auffangen können.

B) Wachstumsbranchen externalisieren stärker

Die deutsche Tempquote (Arbeitnehmerüberlassung am den gesamten Arbeitsplätzen) von 2–2,5% ist eine Durchschnittsgröße, die für Boommärkte keine Aussagekraft besitzt.

In Wachstumssektoren sehen wir real: - 8–15% externe Workforce - ein Vielfaches an Freelancern - massives SoW-Volumen - stark steigende MSP-Raten.

In Defence liegen reale Werte laut OEM- und MSP-Feedback sogar bei 15–20% externen Mitarbeitenden.

C) Schrumpfmärkte limitieren Staffing

Hiring-Freezes, interne Umverteilung, reduzierte MSP-Volumina – die klassische Schrumpfmarktmechanik. Man kann der beste Perm- oder Temp-Verkäufer der Welt sein: Wenn der Markt schrumpft, wächst man nicht.

4. Die fünf Wachstumsmärkte 2026 – nüchtern betrachtet

Die folgende Tabelle zeigt die Wachstumsmärkte 2026 samt Arbeitsmarktdynamik, Hiring-Druck und Staffing-Penetration.

Tabelle 1 – Wachstumsmärkte 2026 im Überblick

Wachstumsmärkte 2026 im Überblick

5. Case Study: Defence – ein Markt, der alle Staffing Mechanismen verstärkt

5.0 Struktur des Defence-Marktes: Top-10-Unternehmen und ihre Workforce

Die Größenordnung des Defence-Arbeitsmarktes wird besonders klar, wenn man die führenden Unternehmen in Deutschland betrachtet. Allein die Top-10 kommen zusammen auf über 104.000 FTE. Diese Konzentration erklärt, warum Wachstumseffekte im Staffing so stark durchschlagen.

Tabelle 2 – Top-10 Defence-Unternehmen in Deutschland (FTE)

Top-10 Defence-Unternehmen in Deutschland (FTE)

Diese Zahlen zeigen: Der Markt ist hoch konzentriert. Wachstumsimpulse einzelner OEMs haben unmittelbare Auswirkungen auf den gesamten Engineering-, IT- und Projektmarkt – und damit auf Staffing.

Keine Branche zeigt die Dynamik der nächsten Jahre so klar wie Defence.

5.1 Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

Mehrere Quellen bestätigen, dass die deutsche Defence-Industrie ihre Belegschaft in den Jahren 2024 deutlich ausgebaut hat. Ich persönlich denke dass die 2025 Zahlen einen grösseren Wachstum vorzeigen werden, als geplant.

Reuters berichtet sogar davon, dass der Pivot Richtung Verteidigung einer der wenigen echten wirtschaftlichen Impulse für den Standort Deutschland ist.

Technology.org beschreibt eine „kritische Workforce-Lücke“, die europäische Programme bereits jetzt ausbremst.

ESUT errechnet +75.000 bis +105.000 neue Stellen bis 2030.

Die Top-10-Unternehmen der Branche liegen bereits bei über 100.000 FTE.

5.2 Workforce-Entwicklung und Externalisation

Tabelle 3 – Temp-Billables Calculation 2025–2030 (Min/Max-Szenarien)

Diese Tabelle zeigt eine schnelle, konservative Marktpotenzialrechnung basierend auf 2–2,5% Tempquote – nützlich als Vergleich zu den realistischeren Externalisations-Szenarien.

Ich führe diese Zahl explizit an, weil viele Marktforschunginsitute, wenn Sie über den deutschen Staffingmarkt sprechen, immer nur die Zahlen der Agentur für Arbeit sehen und die Zahlen der Arbeitnehmerüberlassung anführen.

Dass ist aber zu klein definiert, denn Externe bestehen aus Arbeitnehmerüberlassung, Freiberuflern und externen Beratern.

Tabelle 4 – External Workforce Defence 2025–2030

External Workforce Defence 2025-2030

Diese Zahlen sind keine ambitionierten Szenarien. Sie sind ein realistischer Mittelweg aus Marktgesprächen, OEM-Daten und Wachstumsraten der letzten zwei Jahre. Ich persönlich sehe die Zahlen noch aggressiver.

5.3 Das englische Szenario

Wie sieht ein englischer/internationaler Anbieter diesen Wachstumsmarkt?

Tabelle 5 – Billables Defence

Billables Defence

Meine Beispielsrechnung: Ein spezialisierter Anbieter mit Clearance-Fähigkeiten, Delivery-Kapazität und MSP-Zugang kann sicher 600–1.000 Billables in einer Branche erreichen. Ein Branchenprimus wie HAYS, SThree etc. sicherlich ein vielfaches davon.

6. Was das für Staffing-Firmen bedeutet

1. Raus aus Schrumpfmärkten

  • Kapazitäten gehören dorthin, wo FTE wachsen.

2. Interne Setups flexibilisieren

  • Strukturen dürfen Markteintritt nicht verhindern.

3. Spezialisierung auf Wachstumsmärkte

  • Defence, Public, Energie, Semiconductor sind strukturelle Bewegungen.

4. Geschwindigkeit vor Perfektion

  • Wenn wir erst pivoten, wenn „alles vorliegt“, ist der Markt schon verteilt.

5. Daten vor Gefühl

  • FTE-Wachstum, Externalisation, Hiring Pressure – nicht Bauchgefühl.

7. Staffingpreneur Einschätzung

Wir erleben gerade einen der stärksten arbeitsmarktgetriebenen Wachstumszyklen im letzten Jahrzehnt. Die Staffing-Firmen, die jetzt pivoten, bauen ihre Marktpositionen bis 2030 nachhaltig aus. Wer wartet, optimiert in Märkten ohne Wachstum.

2026–2030 wird über Wachstumsbranchen entschieden.

Die Frage ist: Bewegen wir uns mit – oder gegen den Markt?

Dein
Thomas André Sola

Post Scriptum: Wenn du dies liest und denkst: „Ah, ich schaue mal in 2026 wie sich das alles entwickelt“ Bitte denke daran: Es wird niemals den perfekten Zeitpunkt geben, um eine Buy & Build Strategie (den Zukauf einer Staffingfirma mit Sicherheitsüberprüfung für einen schnellen Markteintritt) durchzuführen. Aus irgendeinem Grund glauben wir immer, dass wir in Zukunft weniger zu tun haben werden. Und wenn diese Zukunft dann kommt, stellen wir fest, dass wir immer noch genauso beschäftigt sind.

Also schieben wir es wieder auf. Und wieder. Und wieder. Bis wir schließlich Jahre später feststellen, dass wir nie damit angefangen haben.

Lass das nicht zu.


P.P.S. "Buy Side Mandate" im Staffing in Deutschland und der Schweiz ist der Fokus von unseren Partner HUCAI. Wenn Ihr also eine Staffingfirma kaufen wollt die schon in dem Markt ist, ist Hermann Bär ([email protected]) der richtige Ansprechpartner.

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