Hallo Staffingpreneur:in,

herzlich willkommen zur Februar-Ausgabe der Marktlage des Staffingpreneurs.

Nach einem wirtschaftlich zähen Jahr 2025 zeigen sich zum Jahresauftakt 2026 erstmals leichte Aufhellungstendenzen in der deutschen Konjunktur. 

Makroökonomischer Überblick: Erste Aufhellung, aber kein Selbstläufer 

Wir sehen einen Übergang von Stagnation zu vorsichtiger Stabilisierung aber noch keinen klaren Aufschwung.

💶 Wirtschaftspolitik: Expansiv geplant, verzögert wirksam 

Der vorläufige Abschluss des Bundeshaushalts 2025 zeigt, dass die Investitionsausgaben gegenüber 2024 um mehr als 12 Mrd. EUR bzw. 17 % gestiegen sind. Gleichzeitig blieb der tatsächliche Mittelabfluss deutlich unter Plan. Die Nettokreditaufnahme lag mit 66,9 Mrd. EUR rund 15 Mrd. EUR niedriger als ursprünglich vorgesehen – ein klares Indiz dafür, dass politische Beschlüsse zeitlich verzögert in der Realwirtschaft ankommen. 

Für 2026 plant der Bund Ausgaben von rund 525 Mrd. EUR, verbunden mit einer Neuverschuldung von ca. 180 Mrd. EUR, davon rund 98 Mrd. EUR aus dem Kernhaushalt. Seit dem 1. Januar ist zudem das neue Rentenpaket inklusive Aktivrente in Kraft. Ergänzt wird dies durch steuerliche Entlastungen, unter anderem die Ausweitung der Pendlerpauschale sowie die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie von 19 % auf 7 %. 

Gleichzeitig wurde der gesetzliche Mindestlohn zum Jahresbeginn von 12,82 EUR auf 13,90 EUR angehoben – ein Plus von 8,4 %, das vor allem den privaten Konsum stützen dürfte, aber auch die Kostenbasis vieler Unternehmen erhöht und von Wirtschaftsforschern eher kritisch gesehen wird. 

Auch der Exportbereich hellt sich nur vorsichtig auf. Die ifo Exporterwartungen verbesserten sich im Januar leicht auf –1,2 Punkte (nach –3,0 Punkten im Dezember). Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber weiterhin im negativen Bereich. Das ifo Institut betont zudem, dass für Q1 2026 noch keine klaren Signale für einen Aufwärtstrend vorliegen. 

📊 Stimmung besser, Fundament noch fragil 

Die ersten Stimmungsindikatoren zum Jahresbeginn senden positive Signale. Die ZEW-Konjunkturerwartungen stiegen im Januar auf 59,6 Punkte und erreichten damit den höchsten Stand seit Juli 2021. Auch die Lagebeurteilung verbesserte sich – wenn auch von einem weiterhin niedrigen Niveau. 

Der Einkaufsmanagerindex (PMI) überraschte ebenfalls positiv und stieg auf 52,5 Punkte, womit er klar über der Expansionsschwelle liegt. Besonders auffällig ist die Entwicklung im Dienstleistungssektor, dessen PMI mit 53,3 Punkten bereits deutlich Wachstum signalisiert. Das Verarbeitende Gewerbe holt langsam auf (47,9 Punkte), bleibt aber noch unter der Wachstumsschwelle. 

Das ifo-Geschäftsklima dürfte die Stimmungsaufhellung untermauern, ebenso die GfK-Konsumklimaprognose für Februar. Die Schnellmeldung zum BIP im Q4 2025 könnte erstmals wieder ein leichtes Wachstum von 0,2 % gegenüber dem Vorquartal ausweisen. 

Ausblick: Fiskalischer Rückenwind – mit Reibungsverlusten 

Für 2026 erwarten wir eine spürbare konjunkturelle Erholung mit einem prognostizierten Wirtschaftswachstum von rund 1,0% (Bundesregierung) und -1,5% (Deutsche Bank). Haupttreiber ist die nun klar expansive Fiskalpolitik, deren volle Wirkung sich im laufenden Jahr entfalten dürfte. Die staatlichen Ausgaben, kombiniert mit großzügigen degressiven Sonderabschreibungen und Instrumenten wie dem Deutschlandfonds, sollten private Investitionen stimulieren. Der private Konsum erhält Rückenwind durch den höheren Mindestlohn, geplante Rentenanpassungen und die nachlassende Inflation. 

Gleichzeitig bleiben die bekannten Bremsfaktoren bestehen: Langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren, branchenspezifischer Fachkräftemangel sowie geopolitische Unsicherheiten könnten die Wirkung der fiskalischen Impulse verzögern. 

Nachteil ist, das gesamtwirtschaftliche Defizit könnte dabei aber auf etwa 3,5 % steigen. Damit istDeutschland im europäischen Durchschnitt angekommen. 

Fazit für die Staffing-Branche: 

Die deutsche Wirtschaft steht Anfang 2026 fester als noch im Herbst 2025, aber noch nicht stabil. Die Richtung stimmt, der Weg bleibt holprig. Für die Staffing-Branche bedeutet das: Chancen entstehen selektiv – nicht flächendeckend.Das stimmt uns positiv. Denn der Arbeitsmarkt hängt natürlich eng von der wirtschaftlichen Entwicklung ab – und die Staffing-Branche wiederum direkt vom Arbeitsmarkt. Wenn also das BIP wächst oder schrumpft, reagiert unsere Branche wie ein Verstärker. 

Die rote Linie zeigt das BIP-Wachstum – also die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Die blaue Linie zeigt das Wachstum des Staffing-Marktes. Und man erkennt sofort: Schon kleine Ausschläge beim BIP führen zu großen Bewegungen im Staffing-Markt. 

Wenn das BIP um 2 % wächst, kann der Staffing-Markt um 5 % oder mehr zulegen. Die Jahre 2014, 2017 und vor allem 2021/2022 waren echte Boomjahre – da lief die Wirtschaft stabil, und die Nachfrage nach Staffing-Dienstleistungen ist explodiert. Die 1,5 % in den Jahren 2026 und 2027 könnten also ein Wachstum von 4 % pro Jahr für die Staffing-Branche bedeuten. 

Aber genauso stark reagiert er im Abschwung. Im Jahr 2020, im Corona-Jahr, und jetzt wieder 2024/2025 sehen wir, wie sensibel die Branche auf wirtschaftliche Schwäche reagiert. Ein kleines Minus beim BIP kann sofort große Einbrüche im Staffing auslösen. Wenn die Wirtschaft wächst, wächst 
Staffing überproportional. Und wenn die Wirtschaft schrumpft, dann tut dies der Staffing-Markt meist noch schneller. Aber die Staffing-Branche besteht ja aus unterschiedlichen Geschäftsbereichen (Perm, Temp, Contract). Und die wiederum reagieren ebenfalls unterschiedlich. 

Staffing Markt Volumen vs. BIP Wachstum - staffingpreneur.de

Wir haben vor drei Jahren auf der STAFFINGpro mit Lünendonk eine Metastudie gemacht, bei der wir die Umsätze in den Vertragsarten verglichen haben. Die Ergebnisse habe ich auf das BIP-Wachstum gelegt. Die Balken zeigen das Marktvolumen: Blau steht für Permanent Placement, also Festanstellungen, Orange für Temporary Staffing, also Zeitarbeit. Die blaue Linie beschreibt das BIP-Wachstum im gleichen Zeitraum. 

Es wird deutlich: Temp outperformt Perm in schlechten Zeiten. Perm agiert massiv auf Wirtschaftswachstum. Dann gewinnen Unternehmen an Vertrauen und stellen wieder langfristig ein. Z. B. im Jahr 2021: Starkes Wirtschaftswachstum, und das Perm-Volumen schießt nach oben. Während wir normalerweise nur 20  % der Stellen im Perm besetzen, haben wir 2021 fast 50 % der Stellen besetzt.  

Und wenn die Konjunktur kippt? Dann wird zuerst das Perm-Geschäft gebremst – Neueinstellungen werden gestoppt. Dafür steigt häufig das Temp-Geschäft, weil Unternehmen flexibler reagieren wollen. Ein gutes Beispiel ist 2020: das BIP fällt stark, aber Temp bleibt relativ stabil. Perm und Temp reagieren unterschiedlich auf die Wirtschaft – aber beide sind eng mit ihr verbunden. Perm profitiert überproportional in Aufschwungphasen, Temp federt ab, wenn es konjunkturell schwieriger wird. Oft ist ein Anstieg im Temp ein Vorbote für einen Anstieg im Perm.

Arbeitsmarkt zeigt eine schwächere Dynamik 

Die Lage am deutschen Arbeitsmarkt hat sich zu Jahresbeginn weiter eingetrübt. Im Januar überschritt die Zahl der Arbeitslosen erneut die Schwelle von drei Millionen. Insgesamt waren 3,085 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet – das sind 177.000 mehr als im Vormonat. Gegenüber Januar 2025 stieg die Zahl der Arbeitslosen um 92.000 Personen, wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilte. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich im Monatsvergleich um 0,4 Prozentpunkte auf 6,6 %. Es handelt sich um den höchsten Januar-Wert seit 2014. 

Nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit gibt es aktuell nur wenig Dynamik am Arbeitsmarkt. Der saisonal bedingte Anstieg zum Jahresbeginn fiel deutlich aus und hat die Arbeitslosenzahl erneut über die Drei-Millionen-Marke gehoben. Zuletzt war diese Schwelle bereits im August 2025 überschritten worden, nachdem sie zuvor über mehr als zehn Jahre hinweg unterschritten blieb. 

Parallel dazu wird die Jobsuche spürbar schwieriger. Die Zahl der bei den Arbeitsagenturen gemeldeten offenen Stellen sank auf 598.000 – rund 34.000 weniger als vor einem Jahr. Dies deutet auf eine abnehmende Einstellungsbereitschaft vieler Unternehmen hin, insbesondere außerhalb der wachstumsstarken Dienstleistungssegmente. Im Januar bezogen 1,142 Millionen Menschen Arbeitslosengeld, während 3,826 Millionen Personen Bürgergeld erhielten. In dieser Zahl sind auch Erwerbstätige enthalten, die trotz Arbeit auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Insgesamt unterstreicht diese Entwicklung, dass sich der Arbeitsmarkt zwar strukturell stabil zeigt, kurzfristig jedoch unter zunehmendem Anpassungsdruck steht. 

Damit bewegt sich die Beveridge-Kurve, welche ich hier immer wieder anzeige, nach einer Konsolidierungsphase am Arbeitsmarkt in Richtung  Arbeitsmarktkrise.  

Beveridge-Kurve - staffingpreneur.de -

Der orangene Pfeil zeigt wo wir 2026 starten. Sollte dieser Trend sich verstärken, haben wir negative Impulse für die Staffingbranche zu erwarten. 

Die Lage in der Staffing-Branche

Die Konjunkturindizes der Staffing-Branche sind zwischen der leichten Erholung der Wirtschaft, aber den unter Druck geratenen Arbeitsmarkt hin und hergerissen. 

Konjunkturindizes der Staffing Branche - staffingpreneur.de

Das Tief aus HY1 ist definitiv überwunden. Seitdem befinden wir uns auf einer Seitwärtsbewegung.  

Trotzdem zeigen sich klare Gemeinsamkeiten bei den großen börsennotierten Staffing-Firmen: 

  • Sequenzielle Verbesserung: Q4 besser als Q3, Q3 besser als Q2 

  • Das Contract Order Book ist zentral für Stabilität 

  • Wachstum konzentriert sich auf sechs gut laufende Branchen 

Daraus folgt eine klare Einordnung: 

👉 2026 wird kein klassisches Erholungsjahr. 
👉 2026 wird ein Verteilungsjahr. 

Das Marktvolumen wächst kaum – oder nur in den sechs Wachstumssegmenten. Wer darauf wartet, dass „der Markt zurückkommt“, wird enttäuscht. Am Kuchenbuffet stehen sechs Torten. Wer dorthin fokussieren kann, wird in PERM, TEMP und CONTRACT wachsen. 

2026: Der Kampf ums Kuchenbuffet ist eröffnet - staffingpreneur.de

Q4 2025 zeigt sehr klar: Sinkende Headcounts, steigende Produktivität, leicht bessere Run Rates. 

➡️ Der Output pro Kopf steigt wieder. 

Das ist der entscheidende Hebel für die nächsten 12–24 Monate: Wer jetzt auf Fokus, Spezialisierung und Effizienz setzt und seine freiwerdenden Ressourcen richtig investiert, der wird der Gewinner im Jahr 2026.

Freiberuflichkeit - zarte Stabilisierung in Sicht: 

Die folgenden Daten stützen sich auf die Datenlage von freelance.de, die meiner Meinung nach richtungsweisenden Charakter besitzt (Stand: 04.02.2026).  

Gesamte Anzahl (Im Monat Januar 2026): 

Anzahl Freelancer-Projekte auf freelance.de

Die Gesamtzahl der Projekte im Januar: 4.700. Dazu im Vergleich: 2025: 5.000 | 2024: 6.200 | 2023: 7.400). Wir sind also im Bereich Freelance im Jahresvergleich leicht schwächer als in 2025 gestartet. 

Kategorien (Im Monat Januar 2026): 

Freelance-Projekte nach Kategorien - freelance.de

In der Tabelle wird deutlich, dass es zum Jahresende immer einen kleinen Einbruch gibt, weil die Anzeigen auf der Plattform ablaufen oder runtergenommen werden. Die Daten vom Januar knüpfen aber nahtlos an die von Oktober und November an.  

IT-Projekte liegen im Januar 2026 bei 1.600. Damit ist IT gegenüber Oktober 2025 wieder gestiegen erreicht aber nicht das Niveau von Jan 2025 (1.900 | -15,8 %) bzw. Jan 2024 (2.600 | -38,5 %) und Jan 2023 (3.400 | -52,9 %). 

Ingenieurwesen wirkt deutlich robuster als IT und verliert über das Jahr 2025 weniger stark. Auch hier ist eine Anknüpfung an Oktober zu sehen. Zusammen machen IT + Ingenieurwesen 48,9 % aus, also nahezu die Hälfte des gesamten Marktes. 

Gleichzeitig wächst die Kategorie „Sonstiges“: Obwohl die Gesamtprojektzahl sinkt, verschiebt sich die Nachfrage in die Breite, weg von rein „klassischen“ IT-/Verwaltungsprojekten hin zu mehr Diversifikation.  

Weitere Kategorien bleiben im Verlauf weitgehend stabil: Neben IT, Ingenieurwesen und „Sonstiges“ zeigen die übrigen Kategorien im Vergleich nur minimale Veränderungen und bewegen sich insgesamt auf einem relativ konstanten Niveau (z. B. Verwaltung, Finanzen, Administration/Kundenbetreuung). 

Fazit: Der Projektmarkt auf freelance.de zeigt eine zarte Stabilisierung. Insgesamt ist Januar 2026 kein Boom, sondern eher ein Signal für weniger Volumen, aber stabilere Struktur. Und sicherlich ein frischer Start ins Jahr mit einem stabilen Januar. 

Arbeitnehmerüberlassung / Ist ein Tiefpunkt in Sicht? 

Die Zeitarbeit bleibt zum Jahresstart 2026 klar unter Druck. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Arbeitnehmerüberlassung ist erneut gesunken und liegt deutlich unter Vorjahresniveau. Der Abwärtstrend hat sich saisonbereinigt zuletzt sogar wieder beschleunigt. Damit bestätigt sich: 2025 brachte keine Trendwende für die Zeitarbeit. 

Die Nachfrageseite bleibt schwach: Die gemeldeten Stellen aus der Zeitarbeit erreichten im Dezember 2025 einen der niedrigsten Werte des Jahres. Besonders rückläufig sind einfache Tätigkeiten, während der Bedarf an Spezialisten und Experten punktuell steigt – ein weiteres Indiz für zunehmende Selektivität im Markt. 

Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei Zeitarbeitsunternehmen laut Bundesagentur für Arbeit - personaldienstleister.de (GVP)

Für 2026 gilt daher: Eine Stabilisierung der Zeitarbeitskräftezahl ist möglich, setzt aber eine anziehende gesamtwirtschaftliche Nachfrage voraus. Führende Institute erwarten zwar ein moderates Wirtschaftswachstum, dieses dürfte jedoch zunächst nicht ausreichen, um eine schnelle Erholung der Zeitarbeit auszulösen. Der Markt bleibt abhängig von staatlichen Investitionen (insbesondere Infrastruktur und Verteidigung) und strukturellen Reformen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. 

Kurz gesagt: Die Arbeitnehmerüberlassung hat den stärksten Teil des Abschwungs vermutlich hinter sich, bewegt sich aber weiterhin auf niedrigem Niveau. 2026 wird kein Wachstumsjahr, sondern ein Jahr der Bodenbildung – mit Chancen vor allem dort, wo Qualifikation, Spezialisierung und Nachfrage zusammenkommen. Oder, wenn die Industrieproduktion und damit die Nachfrage nach niedrigeren Entgeltgruppen anzieht. 

Festanstellung in Deutschland – stabiler Seitwärtstrend 

Der Festanstellungsmarkt ist weiterhin ein Abbild der Wirtschaftsentwicklung, also seitwärts. Die abnehmende Anzahl offener Stellen zum Anfang des Jahres sind oft dem Jahresendgeschäft geschuldet. Eine wirkliche Entwicklung werden wir erst im Februar und März sehen.  

Die Nachfrage nach Fachkräften in Deutschland ist 2025 massiv eingebrochen. Der anhaltende Rückgang – auch gegenüber dem Vorquartal – spiegelt einen klaren konjunkturellen Abschwung wider, geprägt von Unsicherheit, Investitionszurückhaltung und eingefrorenen Neueinstellungen. 

Fachkräftenachfrage - Indeed.de

Der Festanstellungsmarkt bildet diese wirtschaftliche Entwicklung nahezu eins zu eins ab und bewegt sich aktuell seitwärts. Die rückläufige Zahl offener Stellen zu Jahresbeginn ist dabei teilweise saisonal durch das schwache Jahresendgeschäft erklärbar. Eine belastbare Aussage über eine mögliche Trendwende oder weitere Abschwächung wird sich erst im Februar und März zeigen, wenn sich die konjunkturellen Effekte vom reinen Saisoneffekt trennen lassen. 

Fachkräftenachfrage Engineering - Indeed.de

Die Engineering-nahen Positionen zeigten im Verlauf der zweiten Jahreshälfte 2025 zunächst eine leichte Belebung, dieser Trend hat jedoch zum Jahreswechsel ein vorläufiges Ende gefunden. Insgesamt bleibt Engineering klar unter Druck. Die konjunkturelle Schwäche der Industrie schlägt unmittelbar auf die Nachfrage durch. 

Besonders betroffen sind Maschinenbau, Anlagenbau und die Automobilindustrie, wo Investitionszurückhaltung und Projektverschiebungen zu einem deutlichen Rückgang führen. Entsprechend geraten vor allem Entwicklungs-, Mechatronik- und Antriebskompetenzen unter Druck. Die Nachfrage nach klassischen Innovations- und Vorentwicklungsrollen wird zurückgestellt, solange Industrieunternehmen ihre Investitionen priorisieren und absichern. 

Fachkräftenachfrage Finance & Accounting - Indeed.de

Die Skills im Bereich Finance & Accounting haben im Jahr 2025 vergleichsweise stark performt und sind solide in 2026 gestartet, zeigen jedoch zuletzt eine Abkühlung im Jahresvergleich. Insgesamt liegt die Nachfrage zwar unter dem Vorjahresniveau, einzelne Rollen entwickeln sich jedoch gegen den Trend. Wirtschaftsprüfer und Finanzanalysten verzeichnen leichte Zuwächse – ein klares Signal dafür, dass Unternehmen aktuell vor allem Transparenz, Kontrolle, Risikomanagement und belastbare Entscheidungsgrundlagen priorisieren. 

Der Legal-Bereich präsentiert sich kurzfristig stabiler als viele andere Funktionen, getragen von regulatorischem Druck, Compliance-Anforderungen und Krisenberatung. Langfristig steht Legal jedoch unter strukturellem Druck, da Effizienzprogramme, Standardisierung und Legal-Tech-Lösungen klassische juristische Tätigkeiten zunehmend substituieren. 

Fachkräftenachfrage IT - Indeed.de

Der IT-Bereich – zeigt aktuell ein sehr differenziertes Bild. In der klassischen Softwareentwicklung ist es zu einem massiven Einbruch gekommen: Software Developer liegen rund 40 % unter dem Vor-Corona-Niveau. Getrieben wird dieser Absturz vor allem durch Automatisierung sowie KI/AI, die einfache Entwicklungsleistungen substituieren und Projekte selektiver machen. Auch Data-Rollen, die zuvor stark zugelegt hatten, sind nach dem Boom deutlich zurückgefallen. System- und Solution-orientierte Profile können sich hingegen noch stabil behaupten, allerdings ebenfalls ohne Wachstumsdynamik. 

Gleichzeitig zeigt sich die IT-Nachfrage im Gesamtmarkt resilienter als andere Funktionsbereiche. Zwar ist auch hier ein Rückgang zu verzeichnen, doch bleibt IT strukturell unverzichtbar. Unternehmen verzichten nicht auf kritische Kompetenzen, sondern fokussieren ihre Investitionen stärker. Besonders gefragt bleiben IT-Architektur, SAP, Automatisierung sowie ausgewählte KI- und Data-Kompetenzen. 

Fachkräftenachfrage “Corporate Functions” - Indeed.de

Die Sammelkategorie „Corporate Functions“ zählt aktuell zu den zweitschwächsten Bereichen im Markt. Besonders Human Resources bestätigt erneut seine Rolle als Frühindikator der Krise: Der HR-Index ist auf nur noch 15 % gefallen und liegt damit wieder auf Vor-Corona-Niveau. HR-Business-Partner, HR-Manager und Personalberater sind besonders stark betroffen. Einstellungsstopps und eingefrorene Personalplanungen führen dazu, dass strategische HR-Arbeit massiv zurückgefahren wird. 

Auch Marketing steht unter Druck. Der Bereich wird zunehmend durch Automatisierung und generative KI (z. B. ChatGPT) substituiert, was sich direkt in einer schwachen Nachfrage widerspiegelt. 

Ein differenziertes Bild zeigen hingegen Sales- und Management-Funktionen. Während unterstützende Corporate-Rollen abbauen, ziehen vertriebsnahe und führungsrelevante Positionen wieder an – ein klares Signal dafür, dass Unternehmen ihren Fokus von internen Strukturen auf Umsatzsicherung, Effizienz und Steuerung verlagern. 

Kurzzusammenfassung Hays Fachkräfte-Index Q4/2025: 

Einmal im Quartal habe ich die Chance, die Indeed-Zahlen mit denen des HAYS-Fachkräfteindexes abzugleichen: 

Hays-Fachkräfte-Index - Deutschland - hays.de

Die Referenzdauerdes HAYS Fachkräfteindexes umfasst die letzten 10 Jahre. Wenn wir aber die Werte von Q1-2020 mit Q4-2025 vergleichen, dann sind wir bei einer ähnlichen Tendenz wie Indeed: 

  • IT: 4% Anstieg 

  • Finance: 30 % Anstieg 

  • Gesamt-Index: -2 % Abnahme 

  • HR: -45 % Abnahme 

  • Engineering: -12 % Abnahme 

Damit liegen die Gesamtwerte sehr nahe an den Indeed Daten und bestätigen die starke Zahlenlage von Indeed. 

Zusammenfassung & Fazit: Digitalisierung, Daten & der Mensch im Mittelpunkt  

Mein Fazit aus dem letzten Newsletter hat sich nicht verändert: 

2026 wird das Jahr, in dem sich entscheidet, wer den Wandel aktiv gestaltet und wer ihm nur hinterherläuft. Wer Technologien klug einsetzt, Kompetenzen in den Mittelpunkt rückt und gleichzeitig Haltung und Menschlichkeit bewahrt, wird zu den Gewinnern zählen. So wird 2026 kein Jahr des Umbruchs allein – sondern eines echten Aufbruchs für unsere Branche. Wenn wir im Jahr 2030 zurückschauen, dann werden wir 2025/2026 als großen Umbruchszeitraum im Staffing sehen. Ähnlich wie 2021.  

Konkrete Empfehlungen für 2026: 

  • Q4-Run-Rate als Planungsbasis nutzen 

  • FY-Durchschnitte sind zu pessimistisch – Q4 zeigt die operative Realität. 

  • PERM nicht als Wachstumstreiber einplanen. Contract & Temp bleiben strukturell stabiler. 

  • Produktivität zur Kernkennzahl machen. Gross Profit/Net Fees pro Fee Earner. Dabei aber nicht die Zukunftsfähigkeit aus den Augen verlieren. 

  • Regionale/Branchenspezifische-Fakten akzeptieren und reagieren 

  • DACH plant defensiv. International expandieren? Trau dich. 

2026 ist kein Jahr für „alles für alle“, sondern für die Mutigen und Schlauen. 

Hast du noch weitere Fragen? Ich helfe dir gerne mit meinen Marktanalysen, die richtigen Trends zu erkennen und dich zukunftsfähig aufzustellen oder einen Blick auf deine Firma zu werfen. Komm einfach auf mich zu. Ich unterstütze dich dabei, Potenziale zu erkennen und strukturiert anzugehen.  

Dein Staffingpreneur

Thomas André Sola 

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