85 Millionen Pfund Gross Profit (Deckungsbeitrag). Kein Gewinn. Was der Hays-Rückzug aus vielen Ländern wirklich über die Zukunft der globalen Staffing-Konzerne verrät.

Bild erstellt mit ChatGPT
Hallo Staffingpreneur:in,
Am 16. Juni 2026 hat Hays den Verkauf von sechs Landesgesellschaften abgeschlossen. Tschechien, Dänemark, Ungarn, Luxemburg, Rumänien, Schweden. Käufer: Meraki Capital, ein Londoner Recruitment-Investor. Kaufpreis: netto rund 4 Mio. Pfund.
Für viele überraschend. Aber für Ex-Haysianer wie mich eigentlich überfällig. Zu lang war die Liste von unproduktiven Ländern. Dass Problem war schon immer vorhanden, aber in den Jahren 2021/2022 durch die guten Perm-Umsätze in diesen Ländern weniger deutlich.
Vier Millionen Pfund für sechs nationale Organisationen eines FTSE-250-Konzerns. Das zeigt, dass der Verkauf keine M&A-Randnotiz ist. Es ist das erste sichtbare Symptom einer Logik, die in den nächsten 18 Monaten die gesamte Branche umbauen wird. Internationale Präsenz war jahrelang ein Qualitätsmerkmal. Sie wird gerade zur Kostenfrage. Und Hays ist nicht das letzte Unternehmen, das diese Rechnung aufmacht.
Schauen wir uns das in drei Schritten an: Was ist passiert. Warum es passiert. Und was das für 2026 und darüber hinaus bedeutet.
1. Was ist passiert?
Der Deal
Hays plc (LSE: HAS, FTSE 250) hat am 16. Juni 2026 den Verkauf von sechs europäischen Landesgesellschaften an Meraki Capital vollzogen: Tschechien, Dänemark, Ungarn, Luxemburg, Rumänien und Schweden.
Der Netto-Cash-Erlös nach Transaktionskosten: rund 4 Mio. Pfund (etwa 5,4 Mio. US-Dollar). Aus dem Verkauf entsteht ein „moderater" nicht-zahlungswirksamer Verlust, der in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2026 verbucht wird.
Das ist die erste wichtige Information: Es ist kein Gewinnverkauf. Es ist ein Verlustverkauf.
Hays selbst beschreibt die sechs Gesellschaften als Anbieter, die „primär spezialisierte Recruitment-Services für lokale Kunden" lieferten. Also klassische Fachvermittlung, keine großen Enterprise-Contracting-Bücher, obschon manche Ländereinheiten auch Contracting anbieten.
Es geht nicht um sechs Länder. Es geht um dreizehn. Und vor allem um sechzehn.
Der Verkauf ist nur das sichtbare Stück eines größeren Umbaus. Parallel prüft Hays die Zukunft von sieben weiteren Ländern: Belgien, Brasilien, Greater China, Malaysia, Niederlande, Singapur und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Zielbild: Konzentration auf 16 Kernmärkte. Dort will Hays relevante Marktposition, operative Skalierung und nachhaltige Profitabilität verbinden. Alles, was nicht in dieses Bild passt, steht zur Disposition.
Die Zahl, die alles erklärt
Jetzt kommt der entscheidende Punkt — und es ist die Zahl, die in den meisten Berichten untergeht:
Die 13 Länder (sechs verkauft, sieben in Prüfung) liefern zusammen rund 85 Mio. Pfund Net Fees in den zwölf Monaten bis 30. Juni 2026. Und auf diese 85 Mio. Pfund Net Fees erwirtschaften sie zusammen ein operatives Ergebnis vor Sondereffekten von ungefähr null.
85 Millionen Pfund Net-Fees. Break-even. Kein Gewinn. Zur Einordnung. Bei 85 Mio. Pfund GP erwirtschaftet eine profitable Staffingfirma ein Gewinn von ca. 20% - d.h. ca. 15-20 Mio. Pfund EBIT. Je nachdem ob Perm oder Contract ist mit einem EBIT-Multiplikator von 3-6 zu rechnen. Also einen Unternehmenswert von 45 – 120 Mio. Pfund.
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Das ist nicht der Preis, der die Geschichte erzählt. Das ist der Beweis das ein Verkauf aus einer Schwächeposition war.
Der Käufer: ein Konsolidierer auf Einkaufstour
Meraki Capital ist kein Zufallskäufer. Der Londoner Investor ist auf Recruitment und Staffing spezialisiert und fährt eine klare Buy-and-Build-Strategie. Allein 2026 wurden bereits sieben Akquisitionen abgeschlossen, neun in den letzten zwei Jahren. Zuletzt im April der Logistik-Temp-Spezialist Rite People.
Gründer Nick Gordon nannte den Hays-Deal einen „hugely significant moment" für Meraki — Framing als Meilenstein einer Roll-up-Story.
Das ist relevant: Die sechs Länder verschwinden nicht vom Markt. Sie wandern in eine Konsolidierungsplattform. Aus Konzern-Töchtern werden PE-Beteiligungen, die eigenständiger geführt, restrukturiert und womöglich weiterverkauft werden. Management-Buy-outs eingeschlossen.
Es ist wichtig zu verstehen, welchen Background die Käufer haben. Nick Gordon hat in der Vergangenheit als Investment Direktor für Tristan Ramus den Inhaber von Twenty 20 gearbeitet. Tristan Ramus der wiederum durch “Dragons Den” (UK Equivalent zum Deutschen Höhle der Löwen) Ikone James Caan ausgebildet worden. Ich habe eine sehr starke Meinung bezüglich dem Geschäftsgebaren der beiden zuvor genannten, aber kann das hier nicht schreiben, weil ich wahrscheinlich ein Anwaltliches Schreiben erhalten würde. Tristan Ramus ist in Deutschland durch den Kauf von Austin Fraser durch die HALIAN Gruppe aufgefallen (darüber könnte ich einen eigenen Artikel schreiben). HALIAN ist wiederum vor Kurzen für einen 6er Multiplier für 40 Mio. an das erfolgreiche und etablierte Staffingunternehmen NES verkauft worden.
Der Mann, der den Umbau steuert
Der Umbau läuft unter neuer Führung. Seit dem 18. Mai 2026 ist Mark Dearnley fester CEO von Hays, interim bereits seit dem 27. Februar. Vorher war er Chief Digital and Technology Officer bei Hays, davor Group CDO bei Inchcape, CIO UK bei Vodafone, CDIO bei der britischen Steuerbehörde HMRC — und Partner bei Bain & Company.
Ein reiner Transformations- und Digitalmann. Kein klassischer Staffer.
Sein Vorgänger Dirk Hahn, 28 Jahre im Unternehmen, trat aus „persönlichen Gründen" zurück. Klar ist nur: Der Wechsel fiel in ein Jahr, in dem die Konzerngewinne um rund ein Viertel einbrachen. Der Gedanke, ineffiziente Länder zu verkaufen ist schon Jahre lang alt, wurde aber bisher nicht stringent umgesetzt.
Der Kontext: ein Konzern unter Druck
Die Rahmendaten machen klar, aus welcher Lage heraus entschieden wird.
Hays meldete für das Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 6,61 Mrd. Pfund — bei einem operativen Ergebnis von nur 45,6 Mio. Pfund und einem Nettoverlust von 7,8 Mio. Pfund. Ein Konzern mit über 10.000 Mitarbeitenden in 33 Ländern, der unterm Strich rote Zahlen schreibt.
Im Jahr bis Ende März wurde die Zahl der Consultants weltweit um 14 % reduziert, die Backoffice-Belegschaft um 7 %.
Die Marktreaktion
Die Hays-Aktie stieg am Tag der Ankündigung um rund 1,4–1,5 %, aber die Analysten lasen den niedrigen Verkaufsmultiple, als dass was er ist - als verspätete Aufgabe. Der Markt bewertete die Hays-Aktie diese Woche deutlich im Minus.

