Die Staffingbranche in Deutschland ist keine 25 Milliarden Industrie. Sie ist auch keine 80 Milliarden Industrie.
Sie ist beides – je nachdem, wie falsch man sie definiert.
Hallo Staffingpreneur:in,
in der zweiten Osterwoche schreibe ich Dir heute mit einem Grundlagenartikel, der für alle weiteren Artikel dienlich ist und die Basis des Staffingpreneurs bildet. Also absolut lesenswert.
Wenn ich mit Banken, Investoren, Politikern oder auch Journalisten über unsere Branche spreche, kommt fast immer dieselbe Frage:
„Wie groß ist der Staffingmarkt in Deutschland eigentlich?“
Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, wen man fragt.
Die Spannweite der genannten Zahlen reicht von 25 bis 80 Milliarden Euro Umsatz. Das ist kein statistischer Rundungsfehler. Das ist ein strukturelles Problem. Und genau hier beginnt das eigentliche Thema dieses Artikels.
Denn wir haben kein Datenproblem. Wir haben ein Begriffsproblem.
Solange wir nicht sauber definieren, was wir unter Staffing verstehen, unterschätzen wir systematisch die wirtschaftliche Bedeutung unserer eigenen Industrie – nach innen wie nach außen. Und genau deshalb gibt es den Staffingpreneur.
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Viele Begriffe, kein gemeinsames Verständnis
Flexible Personalbeschaffung, Zeitarbeit, Personalvermittlung, Recruiting, Personaldienstleistung, Freelancing, Headhunting – im deutschen Markt werden diese Begriffe seit Jahren oft synonym verwendet. Mal aus Bequemlichkeit, mal aus Unwissen, häufig auch aus historischer Gewohnheit. Meist jedoch ohne ein klares Ordnungsmodell.
Das führt zu drei zentralen Problemen:
Marktgrößen werden systematisch verzerrt, weil immer nur Teilbereiche betrachtet werden
Geschäftsmodelle werden falsch verglichen, obwohl sie strukturell nichts miteinander zu tun haben
Die Branche erklärt sich selbst schlecht, insbesondere gegenüber Politik, Öffentlichkeit und Kapitalgebern
Ein besonders prägnantes Beispiel ist die amtliche Statistik in Deutschland. Diese bildet vor allem die Arbeitnehmerüberlassung sehr detailliert ab – nachvollziehbar, weil dieser Bereich stark reguliert ist und eine hohe politische Aufmerksamkeit genießt. Gleichzeitig entsteht dadurch ein fataler Effekt: Staffing wird von vielen (wie z.B. SIA) fast vollständig mit Zeitarbeit gleichgesetzt.
Alles andere – Festanstellungsvermittlung, Contracting, Freelancing, Interim Management – taucht entweder gar nicht oder nur fragmentiert auf. Die Folge ist ein massiver blinder Fleck in der öffentlichen Wahrnehmung und in vielen Marktstudien.
Recruitment Industry und Staffing Industry – zwei Ebenen, ein Kern
Um sinnvoll über Marktgrößen sprechen zu können, müssen wir eine Ebene höher ansetzen. Im englischsprachigen Raum ist diese Trennung seit Jahrzehnten etabliert.

Quelle: Steffen Hillebrecht & Thomas André Sola, 2025. "Staffing als Aufgabe und Branchenbezeichnung: zum Verhältnis von Zeitarbeit und externer Personalbeschaffung," Springer Books, in: Markus-Oliver Schwaab & Ariane Durian (ed.), Zeitarbeit und Personaldienstleistungen, edition 3, pages 341-358, Springer.
Dort spricht man von der Recruitment Industry als übergeordneter Marktlogik. Diese umfasst unter anderem:
Talent-Acquisition-Technologie (ATS, VMS, Jobplattformen, Human Clouds)
HR Services (z. B. Outplacement, Training, HR Consulting)
Outsourcing-Modelle (BPO, RPO, MSP)
Payrolling, EOR und Abrechnungsservices
Beratungs- und Analyseleistungen
Im Zentrum dieser Industry steht jedoch die externe Personalbeschaffung (“Staffing”).
Staffing ist kein Sammelbegriff für alles, was irgendwie mit HR zu tun hat. Staffing ist der operative Kern der externen Personalbeschaffung – dort, wo Arbeitskraft tatsächlich beim Kunden eingesetzt wird. Temporär oder dauerhaft. Flexibel oder fest.
Diese Differenzierung ist entscheidend. Denn Staffing ist kein Softwaremarkt, kein Payroll-Markt und kein reines Beratungsgeschäft. Staffing ist die organisierte, externe, kommerzielle Besetzung von Arbeitskraft beim Kunden.
Zwei Achsen erklären die gesamte Branche
In meinem Artikel in der “Zeitarbeit” habe ich es geschafft, die Staffingbranche erstaunlich klar zu strukturieren. Dass ist möglich, wenn man bereit ist, sich von traditionellen Schubladen zu lösen. Es braucht dafür lediglich zwei Achsen:

Quelle: Steffen Hillebrecht & Thomas André Sola, 2025. "Staffing als Aufgabe und Branchenbezeichnung: zum Verhältnis von Zeitarbeit und externer Personalbeschaffung," Springer Books, in: Markus-Oliver Schwaab & Ariane Durian (ed.), Zeitarbeit und Personaldienstleistungen, edition 3, pages 341-358, Springer.
1. Horizontale Achse beschreib die Vertragslogik: flexibel oder feste Position
Feste Personalbeschaffung:
Permanent Placement, Personalberatung, Executive SearchFlexible Personalbeschaffung:
Arbeitnehmerüberlassung, Contracting, Freelancing, Interim Management
2. Vertikale Achse beschreibt die Hierarchieebene der besetzten Position
C-Level und Top-Management
Manager, Professionals, Experten
Qualifizierte Fachkräfte und Sachbearbeitung
Gewerbliche und operative Tätigkeiten
Diese beiden Achsen erklären nahezu alle Geschäftsmodelle im Staffingmarkt. Und sie erklären auch, warum sich Margen, Risiken, Kapitalintensität, Skalierbarkeit und Produktivität so fundamental unterscheiden.
Ein Executive-Search-Mandat hat strukturell kaum etwas mit gewerblicher Zeitarbeit zu tun – außer, dass beides häufig unter dem Begriff „Personaldienstleistung“ subsumiert wird. Genau diese Vereinfachung ist einer der Hauptgründe für falsche Marktbetrachtungen.
Warum klassische Marktgrößen systematisch irreführend sind
Wenn über Marktgröße gesprochen wird, wird fast immer über Umsatz gesprochen. Das ist verständlich, aber im Staffingmarkt hochproblematisch.
Der Grund ist simpel:
In der Arbeitnehmerüberlassung ist der Umsatz hoch, weil Löhne und Gehälter nahezu vollständig durchgereicht werden (z.B. 0.3 NFI/GP zu 2.2 Umsatz)
Im Freiberuflichen Projektgeschäft ist die Differenz nicht ganz so hoch (z.B. 0.3 NFI/GP zu 1.3 Umsatz)
Die eigentliche Wertschöpfung – das Net Fee Income (NFI) oder auch Gross Profit (GP) – ist in den konkreten Bsp. Bei Temp 13% vom Umsatz im Contract 23% vom Umsatz, also vergleichsweise gering.
In der Festanstellungsvermittlung ist es genau umgekehrt: niedriger Umsatz, aber hohe Wertschöpfung und hohe Margen. Umsatz entspricht nahezu dem NFI (z.B. 0.99 NFI/GP zu 1.0 Umsatz)
Wer diese Unterschiede ignoriert, vergleicht nicht Äpfel mit Birnen, sondern Äpfel mit Gabelstaplern. Folgerichtig wäre es alle Vergleiche (wie z.B. Lünendonkliste) untereinander mit NFI/GP durchzuführen.
Deshalb ist es auch kein Wunder, dass Marktstudien zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen kommen – je nachdem, welchen Ausschnitt sie betrachten und welche Logik sie anwenden. Und erst recht, wenn von den Staffingfirmen uneinheitlich kommuniziert wird. Es wird z.B. seit Jahren gesagt, dass bei den Lünendonkstudien die grossen Player Contract und Temp Zahlen vermischen, um grösser zu erscheinen.
Annäherung an die Realität: Wie groß ist der Staffingmarkt wirklich?
Trotz aller methodischen Einschränkungen lässt sich auf Basis verfügbarer Studien, Verbandsdaten (u. a. BA, BAP, iGZ), internationaler Marktanalysen (z. B. SIA) und eigener Berechnungen eine fundierte Annäherung vornehmen. Richtungsweisend war die Metastudie welche APSCo Deutschland im Jahr 2023 an die Firma Lünendonk beauftragt hatte. Folgende Zahlen wurden dort für 2022 ermittelt:
Flexible Personalbeschaffung
Arbeitnehmerüberlassung / Zeitarbeit
ca. 34 Mrd. Euro Umsatz
davon ca. 5–7 Mrd. Euro Wertschöpfung (GP)
Freelance, Contracting, Interim Management
ca. 15–25 Mrd. Euro Umsatz
davon ca. 4–7 Mrd. Euro Wertschöpfung
Feste Personalbeschaffung
Personalvermittlung, Personalberatung, Executive Search
ca. 15–20 Mrd. Euro Umsatz
mit nahezu vergleichbarer Wertschöpfung
Schlussfolgerungen und Gesamtbild
Addiert man diese Segmente, ergibt sich für Deutschland in 2022 ein Staffingmarkt von:
➡️ 70–80 Milliarden Euro Umsatz
➡️ 35–45 Milliarden Euro Wertschöpfung
Das entsprach damals in etwa 10 % der Umsatzgröße der deutschen Automobilindustrie – einer Branche, deren wirtschaftliche Bedeutung niemand ernsthaft infrage stellt. Und trotzdem wird Staffing in der öffentlichen Wahrnehmung oft auf einen vermeintlichen Randaspekt reduziert.
Aber viel wichtiger ist, dass in 2022 (lt. Lünendonk), der Anteil der Staffingfirmen an an allen in der Festanstellung besetzten Positionen von über 20% auf über 45% angestiegen war. Nach der Coronakrise gab es einen “Aufholeffekt” und die Staffingbranche hat den Endkunden geholfen Ihre Vakanzen zu besetzen. Deswegen sage ich gerne - die Staffingbranche ist zwar nicht der Motor der Deutschen Wirtschaft, aber sicherlich dass Getriebeöl.
Sicherlich war 2022 ein Peak-Jahr und seitdem sind sowohl Umsatz als auch Wertschöpfung massiv zurückgegangen. Aber die Kernaussage bleibt richtig.
Warum diese Zahl politisch und strategisch relevant ist
Diese Größenordnung ist kein akademisches Gedankenspiel. Sie ist hoch relevant:
für Regulierung (AÜG, Scheinselbstständigkeit, Equal Pay)
für Arbeitsmarkt- und Fachkräftepolitik
für Investitions- und Finanzierungsentscheidungen
für M&A, Konsolidierung und Plattformstrategien
für die Positionierung der Branche insgesamt
Solange Staffing sprachlich auf „atypische Beschäftigung“ oder „Leiharbeit“ reduziert wird, wird die Realität dieser Industrie nicht abgebildet. Und solange wir selbst keine saubere Sprache finden, wird sie auch niemand für uns finden. Es liegt an uns allen, heute damit anzufangen und dass morgen positiv zu verändern.
Fazit
Wer seine eigene Branche nicht sauber definiert, wird sie weder erklären noch gestalten können. Staffing ist eine eigenständige, leistungsfähige Industrie. Wir sind Lebenslinienveränderer und das Getriebeöl der Deutschen Wirtschaft. Zeit, dass wir auch so behandelt werden.
Dein Staffingpreneur
Thomas André Sola
PS. Wenn DU Premium-Abonnement bist, sende mir kurz eine Mail mit dem Stichwort “Präsentation” zu und bekommst die Präsentation mit dem ganzen Zahlenwerk zugesandt, welche ich auf der StaffingPro mit Lünendonk zusammen gehalten habe.
PPS. Ich möchte DICH gerne ein klein wenig näher im Rahmen deines beruflichen Umfelds kennenlernen. Hilf mir doch kurz über die nachfolgende Survey ein Gefühl dafür zu bekommen, wer du bist und in welchem Staffing-Setting du genau unterwegs bist.
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