Was die neuen Lünendonk-Daten über die fünf Wachstumsbranchen verraten
Hallo Staffingpreneur:in,
Im Januar habe ich eine These aufgestellt, die einigen zu forsch war.
2026, so meine Überzeugung, wird nicht einfach ein weiteres schwieriges Jahr für Staffing. Es wird ein Jahr der Verschiebung. Weg von den klassischen Ankerbranchen Automotive und Maschinenbau. Hin zu Defence, öffentlicher Hand, Energie & Anlagenbau, Semiconductor sowie Construction & Infrastruktur.
Das war keine Prognose für die nächste Konjunkturwelle. Es war eine Wette auf strukturelle Nachfrage.
Jetzt ist Halbzeit. Und damit der richtige Moment, die eigene These nicht zu verteidigen, sondern zu überprüfen.
[Hier geht’s zum Januar-Artikel: „Wachstumsbranchen 2026“]
Mit der neuen Lünendonk-Studie zur Zeitarbeit in Deutschland liegt dafür eine der belastbarsten Datengrundlagen unserer Branche vor. Die Studie basiert auf Angaben von 85 Personaldienstleistern mit einem kumulierten Inlandsumsatz von 12,6 Milliarden Euro und deckt damit nach Lünendonk mehr als 40 Prozent des deutschen Marktvolumens ab.
Die Schlagzeile ist zunächst unbequem: Der Markt für Arbeitnehmerüberlassung ist 2025 erneut geschrumpft. Doch wer nur die Schlagzeile liest, verpasst die eigentliche Geschichte.
Der Markt stirbt nicht. Er verteilt sich neu.
Die Schlagzeile: Der klassische Markt bleibt unter Druck
Laut Lünendonk ist das Marktvolumen der Arbeitnehmerüberlassung in Deutschland 2025 um rund 4,1 Prozent auf etwa 30,6 Milliarden Euro gesunken. Es ist bereits der dritte Rückgang in Folge. Im Langzeitvergleich liegt das Volumen damit ungefähr wieder auf dem Niveau von 2015.
Das ist kein Detail. Es ist die Realität, mit der viele Generalisten gerade kämpfen. Schwache Konjunktur, sinkende Industrieproduktion und erheblicher Preisdruck treffen genau die Geschäftsmodelle, die auf breite Volumina in Automotive, Maschinenbau und klassischer Industrieüberlassung gebaut wurden. Wer dort stark ist, kann die Entwicklung nicht wegmoderieren.
Die Gegenüberstellung von zwei Wirtschaftsdaten “offene Stellen Zeitarbeit” vs. “Produktionsindex für die Gesamtwirtschaft” zeigt mir ein klares Bild, dass die strukturelle Krise in der Zeitarbeit durch den Rückgang der Bedeutung des Produzierendes Gewerbes hervorgerufen wird.

Aber ein aggregierter Marktrückgang ist noch keine Marktstrategie. Denn ein Durchschnitt sagt uns nicht, wo Nachfrage entsteht. Er sagt nur, was im Saldo übrigbleibt.
Und genau dort beginnt die interessanteste Aussage der Studie.
Die Nachfrage wandert - und zwar deutlich
Die Lünendonk-Daten zeigen eine Branche, die bei ihrer Nachfrageerwartung keineswegs gleichmäßig pessimistisch ist.
Im Gegenteil: Zwischen den einzelnen Kundensektoren liegen Welten.

Besonders deutlich ist die Gegenbewegung bei Automotive: 77 Prozent der Befragten erwarten dort sinkende Nachfrage. Im Maschinenbau rechnen immerhin noch 38 Prozent mit einem Rückgang.
Das ist die eigentliche Nachricht. Nicht: „Staffing schrumpft.“
Sondern: Die Nachfrage verlässt die alten industriellen Zentren und wandert in sicherheits-, technologie- und infrastrukturlastige Märkte.
Genau darin lag die Januar-These.

