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Hallo Staffingpreneur:in,

Der April 2026 bringt ein widersprüchliches Bild. Auf der einen Seite: erste positive Signale. Die Beveridge-Kurve bewegt sich erstmals seit Monaten leicht in die richtige Richtung. Der Freelancemarkt liegt YTD erstmals wieder über Vorjahr. Die ANÜ-Branche sieht die Talsohle erreicht und prognostiziert +6,3% für 2026. Im Executive Search wird nach drei Rückgangsjahren ein moderates Plus von +3,0% erwartet.

Auf der anderen Seite: Der Iran-Konflikt und die Hormus-Blockade treiben Energiepreise auf +46% – mit direkten Folgen für Kaufkraft, Unternehmensmargen und EZB-Zinspolitik. Der Arbeitsmarkt zeigt keine Trendwende. Die Frühjahrsbelebung fällt schwach aus. Und die fiskalischen Großversprechen der Bundesregierung verpuffen – die Bundesbank bestätigt: ein messbarer Investitionsanstieg durch das Sondervermögen ist nicht zu erwarten. 

Das Fazit für Staffingentscheider: 2026 ist kein Aufschwung für alle – es ist ein Verteilungsjahr. Wer auf Healthcare, Defence, Energie und öffentliche Verwaltung fokussiert ist, wächst. Wer auf den breiten Markt wartet, wartet zu lange. Spezialisierung, Effizienz und Unternehmenskultur entscheiden – nicht das Konjunkturbarometer.

Wachstumsgewinner setzten auf Schnelligkeit und Qualität, um sich weiterhin zu differenzieren. Verlierer machen dass “Race to the bottom” mit und verteidigen Ihre Position über den Preis.

Table of Contents

0. Einleitung - Der Wirtschaftszyklus

Wirtschaftliches Wachstum verläuft nicht gleichmäßig, sondern in Zyklen: Phasen konjunktureller Unter- und Überauslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten wechseln sich ab. Der Analyse solcher Zyklen kommt eine wichtige Bedeutung zu – denn die Konjunktur setzt den Rahmen, in dem Haushalte, Unternehmen und Staat ihre Entscheidungen treffen. Auch Geld- und Fiskalpolitik sollten je nach Phase im Konjunkturzyklus unterschiedlich ausgerichtet sein. (Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2026)

Wo stehen wir? In einer zyklischen Krise – mit ersten vorsichtigen Signalen einer Belebung, im April in Form einer leichten Frühlingsbelebung. Und mit einem neuen Belastungsfaktor, der die Erholung verzögert.

Schauen wir uns das vertiefend an. 

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1. Makroökonomischer Überblick: Deutschland in Zeiten der Unsicherheit

Wir nehmen die Situation als so schwer war, weil tiefgreifende struktuelle Wandel mit momentanten handelpolitischen Unsicherheiten und Geopolitischen Risiko zusammentrifft. 

1.1. Deutsche Wirtschaft: im tiefgreifenden Wandel

“Deutschlands Wohlstand beruht in hohem Maße auf den Erfolgen der heimischen Industrieunternehmen. Sie sind hochproduktiv, investieren viel Geld in Forschung und Entwicklung und bieten gut bezahlte Arbeitsplätze. In vielen hochentwickelten Volkswirtschaften ist der Industrieanteil an der Wertschöpfung in den vergangenen Jahrzehnten gesunken, während Dienstleistungen an Bedeutung gewonnen haben. Deutschland hat sich diesem Trend lange entziehen können. In den letzten Jahren ist die deutsche Industrie allerdings unter Druck geraten. Produktion und Wertschöpfung sinken, es wird nur noch wenig investiert und Arbeitsplätze gehen verloren.”  

Im Produktionsindex liegen wir jetzt unterhalb der Coronakrise. Die hohen Ölpreise “befeuern” diese Entwicklung und der Druck auf die Industrieproduktion (wie z.B. Automotive) wird extrem hoch.

1.2. Handels- und Geopolitik treiben die Wirtschaft

Seit dem Iran-Konflikt und der anhaltenden Blockade der Straße von Hormus bestimmt Seit dem Iran-Konflikt und der anhaltenden Blockade der Straße von Hormus bestimmt ein neuer Energiepreisschock das wirtschaftliche Bild. Rohöl (Brent) steht aktuell bei 103 USD/Fass – +46% seit Konfliktbeginn. Erdgas: 41 €/MWh (+28%). Eine temporäre Waffenruhe Anfang April brachte keine Entspannung. Die Straße von Hormus bleibt blockiert.

Deutsche Bank Research nennt es ein „Déjà-vu": Die Transmissionskanäle sind dieselben wie 2021/2022 – Kaufkraftverlust der Haushalte, Margendruck bei Unternehmen, Zinserhöhungen der EZB. Der Unterschied: Diesmal gibt es keinen anschließenden Boom. Für die Eurozone erwartet die Deutsche Bank eine Wachstumseinbuße von ~0,4 Prozentpunkten in 2026, die Inflationsprognose steigt auf 2,9% für das Gesamtjahr. EZB-Leitzinserhöhungen von jeweils +25bp im Juni und September sind eingepreist – Einlagensatz aktuell bei 2,0%.

Für die Staffingbranche ist das direkt relevant: Die am stärksten vom Energiepreisschock betroffenen Sektoren – Transport, Fertigung, Maschinenbau, Automotive – sind exakt die Branchen mit dem größten Nachfragerückgang. Healthcare und öffentliche Dienste bleiben die resilienten Pole.

Was wir in den letzten 24 Monaten erlebt haben, ist eine Überlagerung von geopolitischen Risiken und handelspolitischen Unsicherheiten, die sich gegenseitig verstärken.  

US-Handelspolitik. Geopolitische Verschiebungen. Energiepreisschock durch den Iran-Konflikt. Das ist kein normaler Konjunkturzyklus — das ist ein Umbruch der wir Staffingfirmen sofort spüren. 

Geopolitisches Risiko hat die Handelspolitische Unsicherheit als dominanten Faktor abgelöst. Das seht ihr auf der Grafik. Was das bedeutet: Unternehmen können nicht mehr planen. Und wenn Unternehmen nicht planen, stellen sie nicht ein.

Handelspolitische Unsicherheit ist planbar. Zölle werden angekündigt, verhandelt, angepasst. Unternehmen können reagieren.

Geopolitisches Risiko nicht. Ein Konflikt eskaliert über Nacht. Energiepreise schießen hoch. Lieferketten brechen weg. Investitionsentscheidungen werden eingefroren – sofort. Und genau das ist das Problem für die Staffingbranche.

Ergebnis: Wachstum wurde nicht verhindert. Aber deutlich verzögert. Genau das passiert gerade wieder. 

1.3. Fiskalpolitik: Versprechen vs. Realität

Das ist der kritischste Punkt für die Staffingbranche – denn unsere Erholung hängt davon ab, dass die fiskalischen Maßnahmen tatsächlich in der Realwirtschaft ankommen.

Marie-Christine Ostermann (Präsidentin DIE FAMILIENUNTERNEHMER) bringt es auf den Punkt: “Das Sondervermögen ist ein Verschiebebahnhof. Geringe Summen fließen in echte Infrastruktur, der Rest landet in Sozialpolitik und Konsum. Angebotsseitige Reformen – Körperschaftsteuer, Stromsteuer – wurden nicht umgesetzt. Und 2026 gehen bereits rund 25% der neuen Schulden direkt in Zinszahlungen. Bis 2030 trägt jeder achte Euro aus dem Bundeshaushalt Zinslast.” 

Die Bundesbank bestätigt diese Einschätzung mit konkreten Zahlen: Das kommunale Sondervermögen IK enthält kein Zusätzlichkeitskriterium. Kommunen können die Mittel für Investitionen nutzen, die sie ohnehin gemacht hätten. Ein messbarer Investitionsanstieg ist laut Bundesbank nicht zu erwarten. Gleichzeitig schlossen die Kommunen 2025 mit einem Rekorddefizit von 31,9 Mrd. EUR ab – Kassenkredite stiegen auf 39 Mrd. EUR. Der öffentliche Dienst als vermeintlich stabiler Wachstumstreiber steht unter Druck, den man nicht unterschätzen sollte.

1.4. Konjunkturdaten: Uneinheitliches Bild

Der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe legte im März stark zu (+5% MoM), mit besonders kräftigen Zuwächsen bei elektrischen Ausrüstungen (+21,5%) und DV-Geräten (+14,4%). Gleichzeitig enttäuschte die Industrieproduktion (-0,9%) und der private Konsum schwächelte – Kaufkraft durch Energiepreise im März spürbar belastet

Positive Signale kommen von Auftragseingangsindex und Aussenhandelsbilanz.

1.5. ifo-Geschäftsklima April 2026: noch negativ

Das KfW-ifo-Geschäftsklima ist aber noch negativ: Sowohl Mittelstand als auch Großunternehmen verharren bei rund -20 bis -25 Prozentpunkten. Kein Aufwärtssignal – und mit Blick auf Q2 erwartet die Bundesbank allenfalls eine weitere leichte Expansion, während die Kriegsfolgen „breiter und spürbarer" werden dürften.

Für Staffing ist dieser Index der wichtigste Frühindikator: Was heute in der Unternehmensstimmung passiert, schlägt in 3–6 Monaten auf Hiring-Entscheidungen durch. Wir haben das 2024 und 2025 gesehen. Wir sehen es wieder.

1.6. BIP-Prognosen 2026 im Überblick

Das Geschäftsklima ist im Kleinen was die BIP-Prognosen im grossen sind. Und deshalb sind die BIP Prognosen für Staffing ein wichtiger Frühindikator: 

Institut 

BIP 2026 

BIP 2027 

Deutsche Bank 

+1,0 % 

+1,5 % 

KfW Research 

+0,9 % 

 

ifo / DIW 

+0,2 % 

 

Gemeinschaftsdiagnose 

+0,6 % 

+0,9 % 

OECD 

+0,4 % 

 

Bundesregierung 

0,0 % 

+1,0 % 

Quellen: Deutsche Bank Research, KfW, ifo, OECD, Bundesregierung (April 2026) 

Die Bundesbank konstatiert für Q1 2026 ein leichtes BIP-Wachstum – trotz Belastungsfaktoren. Der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe legte im März stark zu (+5% MoM), mit besonders kräftigen Zuwächsen bei elektrischen Ausrüstungen (+21,5%) und DV-Geräten (+14,4%). Gleichzeitig enttäuschte die Industrieproduktion (-0,9%) und der private Konsum schwächelte – Kaufkraft durch Energiepreise im März spürbar belastet. 

Denn der Arbeitsmarkt hängt von der realen und erwarteten wirtschaftlichen Entwicklung ab – und die Staffing-Branche wiederum direkt vom Arbeitsmarkt. Wenn also das BIP wächst oder schrumpft, reagiert unsere Branche wie ein Verstärker.

Die rote Linie zeigt das BIP-Wachstum – also die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Die blaue Linie zeigt das Wachstum des Staffing-Marktes. Und man erkennt sofort: Schon kleine Ausschläge beim BIP führen zu großen Bewegungen im Staffing-Markt.

Wenn das BIP um 2 % wächst, kann der Staffing-Markt um 5 % oder mehr zulegen. Die Jahre 2014, 2017 und vor allem 2021/2022 waren echte Boomjahre – da lief die Wirtschaft stabil, und die Nachfrage nach Staffing-Dienstleistungen ist explodiert. Der Rahmen von 0.4-1.1 % in 2026 könnte also eine Stagnation oder ein Wachstum von 2-3% für die Staffing-Branche bedeuten.

Aber genauso stark reagiert er im Abschwung. Im Jahr 2020, im Corona-Jahr, und jetzt wieder 2024/2025 sehen wir, wie sensibel die Branche auf wirtschaftliche Schwäche reagiert. Ein kleines Minus beim BIP kann sofort große Einbrüche im Staffing auslösen. Wenn die Wirtschaft wächst, wächst 
Staffing überproportional. Und wenn die Wirtschaft schrumpft, dann tut dies der Staffing-Markt meist noch schneller. Aber die Staffing-Branche besteht ja aus unterschiedlichen Geschäftsbereichen (Perm, Temp, Contract). Und die wiederum reagieren ebenfalls unterschiedlich.

Wir haben vor drei Jahren auf der STAFFINGpro mit Lünendonk eine Metastudie gemacht, bei der wir die Umsätze in den Vertragsarten verglichen haben. Die Ergebnisse habe ich auf das BIP-Wachstum gelegt. Die Balken zeigen das Marktvolumen: Blau steht für Permanent Placement, also Festanstellungen, Orange für Temporary Staffing, also Zeitarbeit. Die blaue Linie beschreibt das BIP-Wachstum im gleichen Zeitraum.

Was passiert, wenn der Konflikt anhält und die Konjunktur kippt? Dann wird zuerst das Perm-Geschäft gebremst – Neueinstellungen werden gestoppt. Dafür steigt häufig das Temp-Geschäft, weil Unternehmen flexibler reagieren wollen. Ein gutes Beispiel ist 2020: das BIP fällt stark, aber Temp bleibt relativ stabil. Perm und Temp reagieren unterschiedlich auf die Wirtschaft – aber beide sind eng mit ihr verbunden. Perm profitiert überproportional in Aufschwungphasen, Temp federt ab, wenn es konjunkturell schwieriger wird. Oft ist ein Anstieg im Temp ein Vorbote für einen Anstieg im Perm.

1.7. Arbeitsmarkt: schwache Frühjahrsbelebung

„Eine Trendumkehr am Arbeitsmarkt ist noch nicht in Sicht. Die Frühjahrsbelebung fällt im April schwach aus." (Andrea Nahles, BA-Vorstandsvorsitzende, 30.04.2026)

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Arbeitslose April 3,008 Mio. – saisonbereinigt sogar +20.000 gegenüber März. Arbeitslosenquote 6,4% (unverändert). Offene Stellen: 641.000 (-5.000 YoY). BA-X: 102 Punkte (-1 Punkt). Erwerbstätige März: 45,66 Mio. (-182.000 YoY). Der Bundesbank-Hinweis ist wichtig: Der Anstieg gemeldeter offener Stellen kommt vor allem aus Verteidigung und öffentlicher Sicherheit – kein breites Wirtschaftssignal. 

Zumindest führt die Frühjahrsbelebung zu einer konsolidierung beim Anstieg der Arbeitslosen.

Für die Staffing-Branche ist das ein wichtiges Signal: Der Arbeitsmarkt bleibt strukturell stabil, aber kurzfristig fehlt es an Dynamik. Unternehmen halten an ihren Beschäftigten fest, neue Hirings finden nur zögerlich statt.

Dass Frühjahrserwachen hilft der Beveridgekurve, im April kann Sie erstmals wieder in eine positive Richtung (grüner Pnkt) bewegen). 

Sollte dieser Trend sich verstärken, haben wir positive Impulse für die Staffingbranche zu erwarten. Im letzten Newsletter schrieb ich “Ich denke aber, dass der Arbeitsmarkt zeitversetzt reagiert und dass wir hier eine Erholung sehen, sollten.” Diese leichte Erholung sehen wir im April und erfahrungsgemäss sollte diese sich im Hochsommer fortsetzen.

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