Auf den ersten Blick scheint sich in Deutschland kaum etwas zu bewegen. Das Bruttoinlandsprodukt verharrt seit Monaten in einer Zone zwischen Nullwachstum und leichter Schrumpfung.
Viele Unternehmen schauen weiterhin abwartend auf die offiziellen Konjunkturindikatoren und hoffen auf ein klares Signal für den Aufschwung.
Doch dieses Signal kommt nicht aus der Volkswirtschaft – es kommt aus dem Staffingmarkt. Staffing ist kein Spiegel der Wirtschaft. Staffing ist ihr Seismograph.
Wenn das BIP noch ruhig erscheint, beginnt der Markt für die flexible Personalbesetzung bereits zu vibrieren.
Was die Daten wirklich sagen – und was sie verbergen
Ein Blick auf die jüngsten Zahlen zeigt eine ungewöhnlich stille, aber gespannte Lage:
Das deutsche BIP verharrt nahezu bewegungslos – offiziell weder Boom noch Rezession.
Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist wieder über die Marke von 100 geklettert – ein klassisches Signal für Stabilisierungserwartungen.
Die Arbeitnehmerüberlassung zeigt zwar weiter rückläufige Beschäftigtenzahlen, doch die Negativdynamik flacht ab. Stellenmeldungen ziehen wieder an – ein typischer Frühindikator.
Der SIA/Bullhorn Staffing Indicator in den USA signalisiert ebenfalls, dass der Rückgang im weltweiten Staffingvolumen nicht weiter beschleunigt, sondern beginnt, sich zu stabilisieren.
Ein besonders starkes Signal kommt von globaler Ebene
Die ManpowerGroup, einer der größten Personaldienstleister weltweit, konnte im jüngsten Quartal erstmals nach 11 aufeinanderfolgenden Quartalen des Rückgangs wieder ein Umsatzwachstum verzeichnen.
Das ist kein Zufall, sondern ein klassischer Zykluspunkt. Wenn ein globaler Marktführer nach fast drei Jahren Schrumpfung wieder wächst, verschiebt sich die tektonische Platte des internationalen Staffingmarktes.
Was die Grafik zeigt: Staffing verstärkt jede Bewegung – zuerst der Temp/Contract-Markt, dann Perm
In der bereitgestellten Grafik wird klar sichtbar, wie sich Staffing gegenüber dem BIP verhält. Während die gesamtwirtschaftliche Entwicklung relativ stabil verläuft, schlagen die Kurven von Temporary Staffing und Permanent Placement deutlich stärker nach oben und unten aus. Besonders auffällig:
Perm/Temp in Abhängigkeit vom BIP

Temporary Staffing reagiert zuerst – mit kleineren, frühzeitigen Bewegungen.
Permanent Placement folgt verzögert, aber mit stärkerer Amplitude.
Das BIP zieht erst später nach, oft erst dann, wenn der Staffingmarkt seine Bewegung längst begonnen hat.
Dieses Muster wiederholt sich konsequent: Temp ist das Frühbeben. Perm ist das Hauptbeben. Das BIP ist nur die Bodenplatte, die sich erst dann sichtbar verschiebt, wenn die Erschütterung längst stattgefunden hat.
Interpretation: Staffing antizipiert die Wirtschaft – es reagiert nicht auf sie
Wenn Unternehmen unsicher sind, sichern sie sich zuerst über flexible Kapazitäten ab. Zeitarbeit, Contracting und Freelance-Modelle steigen an, sobald die Erwartung an bessere Geschäftslagen entsteht – noch bevor die Auftragsbücher stabil gefüllt sind.
Erst wenn Vertrauen in den mittelfristigen Trend entsteht, werden interne Strukturen und Festanstellungen wieder aufgebaut.
Das bedeutet: Wer sich im Staffing nach dem BIP richtet, ist bereits zu spät im Zyklus. Wer den Staffingmarkt lesen kann, erkennt, wann Unternehmen beginnen, Vorbereitungsbewegungen zu treffen – oft Monate, bevor Wirtschaftsforscher eine Trendwende verkünden.
Wo wir stehen: Bodenbildung, keine Explosion – aber die Schwingungen beginnen
2025 ist (noch) kein Jahr des Aufschwungs, aber möglicherweise das Ende der Talsohle. Die Bewegung im Temporärmarkt ist verhalten, aber messbar. Contracting-Volumen erleben erste leichte Impulse. Permanent Placements bleiben selektiv, besonders in stabilitätsrelevanten Rollen wie Operations, Finanzen oder Compliance. Viele Unternehmen denken wieder offensiver – noch nicht im Vollgasmodus, aber mit gezielter Ressourcenplanung.
Auch Lünendonk & Hossenfelder bestätigt in der aktuellen Marktanalyse, dass das Marktvolumen der Zeitarbeit in Deutschland 2024 um rund 3,1 % auf etwa 31,9 Mrd. € gesunken ist – das zweite Jahr in Folge.
Bemerkenswert ist jedoch: Die Dynamik des Rückgangs verlangsamt sich. Die Studie spricht von vorsichtigem Optimismus – ein typisches Übergangssignal von Kontraktion zu Stabilisierung.
Die globale Entwicklung verstärkt diesen Eindruck: Wenn ein Player wie ManpowerGroup nach 11 Quartalen wieder wächst, haben die internationalen Märkte begonnen, in die nächste Phase zu treten. Auch wenn Deutschland traditionell etwas später folgt, ist klar: Der Zyklus hat sich in Bewegung gesetzt.
Was das für Staffing-Unternehmen bedeutet:
Der Markt ruft – aber nicht laut, sondern leise vibrierend
Jetzt ist die Zeit der Vorbereitung, nicht des Wartens. Erfolgreich sind die Player, die frühzeitig Kapazitäten aufbauen, Kunden aktiv in die neue Marktphase hineinberaten und sowohl Temp- als auch Perm-Modelle dynamisch verzahnen.
Worauf es nun ankommt:
Contract- und Temp-Bench frühzeitig für konjunktursensitive Felder aufstellen
Perm-Pipelines um „Business critical roles“ ausbauen, bevor der Markt zieht
NFI-Diversifikation als Sicherheit nutzen – nicht als Nebengeschäft behandeln
Markt-Insights als Beratungsargument vor dem Kunden platzieren („Wir lesen den Zyklus für Sie“)
2026 als Perm-Jahr denken – aber 2025 als Temp- und Beziehungsjahr gestalten
Fazit: Wenn der Boden bebt, gewinnt derjenige, der zuerst spürt – nicht derjenige, der erst misst
Die Staffingbranche zeigt bereits Bewegungen, während das BIP noch in scheinbarer Stabilität verharrt. Die ersten Beben sind spürbar – besonders im Temp-Segment. Die globale Erholung bei großen Playern wie ManpowerGroup bestätigt, dass wir am Beginn eines neuen Zyklus stehen.
Staffing ist kein passiver Spiegel der Wirtschaft. Staffing ist der seismografische Frühindikator einer neuen Marktphase. Wer jetzt zuhört, baut vor. Wer wartet, läuft hinterher.
2026 wird kein Boom für alle – sondern ein Vorteil für die, die schon heute die erste Welle nutzen.
Nächster Schritt: Frühindikatoren als Beratungshebel nutzen
Die Fähigkeit, diese Bewegungen richtig zu deuten, entscheidet über Wachstum in der nächsten Marktphase. Wer die Temp- und Perm-Dynamik versteht, kann seine Kunden durch den Zyklus führen – nicht hinterherlaufen.
Wenn du mit deinem Staffing-Unternehmen dem Markt nicht hinterherlaufen, sondern von deinen Kunden als strategischer Zyklusberater wahrgenommen werden möchtest, dann hilft dir Marko Glassner, Non-Executive Director (NED) bei Recruitment Growth Partners, im Rahmen einer gemeinsamen Power Hour gerne, die beschriebenen Frühindikatoren als Beratungshebel bei deinen Klienten zu nutzen. Klick hier für eine Terminvereinbarung.
Ansonsten unterstütze ich dich gerne dabei, diese Bewegungen zu deuten und deinen Staffing-Footprint für die kommende Zyklusphase richtig zu setzen. Wenn du möchtest, analysieren wir gemeinsam, wo deine frühe Bewegung beginnen kann. Komm einfach auf mich zu.
Dein
Thomas André Sola

