Im Juli Newsletter war ich verhalten optimistisch, was die Marktlage und die Aussichten angeht. Aber die Politik und die wirtschaftlichen Auswirkungen sind so schnell und unberechenbar geworden, sodass sich in einem Monat alles verändern kann. Donald Trumps Zollpolitik hat eingeschlagen wie eine Bombe. Die Exportzölle in Deutschland/Europa (15 %) treffen die deutsche Industrie hart. Schlimmer als die Schweiz (38 %) hat es nur Staaten wie Syrien (41 %) und Lesotho (50 %) getroffen. Erschwerend dazu kam die Meldung, dass für das zweite Quartal 2025 eine Nachbesserung im Konjunkturwachstum gemeldet wurde. Leider nach unten (Minus 0,3 %). Die erhoffte Erholung hat sich damit leider vorerst nicht realisiert.

Quelle: Statista
Denn die Entwicklung der Staffingbranche hängt direkt mit dem Wirtschaftswachstum zusammen. Hier nochmal zur Erinnerung und Visualisierung eine Grafik, die ich beim SIA gesehen hatte.

Es zeigt sich also, dass das Marktwachstum der deutschen Staffingbranche sehr stark (ein Mehrfaches) auf das Wirtschaftswachstum reagiert und daher sind die News auch leider nicht so positiv. Denn wenn die Wirtschaft in Q2 geschrumpft ist, dann hat die Staffingbranche nochmal kräftig Federn gelassen. Das kann ich aus meinen wöchentlichen Gesprächen mit insolventen Staffingfirmen leider nur bestätigen. Schauen wir ins Detail.
Die wirtschaftliche Lage: Was tun, wenn die Hoffnung schwindet?
Die Rezession lässt nur eine ernüchternde gesamthafte Beurteilung der wirtschaftlichen Lage zu. Der ifo Geschäftsklima-Index aus August 2025 bleibt bei einer moderat schlechten Geschäftslage. Die Zukunft wird positiv gesehen, die Geschäftserwartung bleibt weiterhin positiv, und auch das Geschäftsklima steigt verhalten.

Ein wichtiger Indikator, wie z.B. das Kreditvolumen von Unternehmen und Selbständigen (also das Investment in neues Geschäft), soll zu HY2 leider niedriger ausfallen.

Die „konjunkturelle Verunsicherung durch die US-Zollpolitik hemmt über die Investitionszurückhaltung der Unternehmen und die restriktive Kreditvergabe der Banken das Neugeschäft.“
Wirtschaftspolitik:
Die Arbeitslosenzahl in Deutschland ist im August 2025 erstmals seit über zehn Jahren wieder auf über drei Millionen gestiegen. Gegenüber Juli bedeutet das ein Plus von 46.000 Personen, im Vergleich zum Vorjahr sogar 153.000. Die Quote liegt nun bei 6,4 %. Gründe sind die schwache Konjunktur und saisonale Effekte wie Werksferien und befristete Entlassungen von Lehrkräften.
Ein interessanter Effekt wird berichtet, und zwar der Start des Fachkräftemangels aufgrund des Renteneintritts der Babyboomer. Das bedeutet, der Jahrgang 1959 geht dieses Jahr in Rente und ist einer der geburtenstärksten Jahrgänge (1,3 Mio. Geburten) im Nachkriegsdeutschland. Dieser Effekt wird jetzt die nächsten fünf bis zehn Jahre weitergehen, bis der „Pillenknick“ diese Demographie ändert, wir also „nur noch“ geburtenschwache Jahrgänge „nachbesetzen“ müssen.
Ein kleiner Gegentrend ist der Anstieg der Beschäftigung durch den Zuzug ausländischer Arbeitskräfte (Nettozuzug 2024 = 430.000). Jedoch kann dieser den Babyboomer-Effekt nicht aufheben. Besonders hart trifft es die Industrie. In der Autoindustrie gingen innerhalb eines Jahres über 51.000 Stellen verloren, was fast der Hälfte aller gestrichenen Industriearbeitsplätze gleichkommt. Auch Metall-, Elektro- sowie Chemie- und Grundstoffindustrie stehen massiv unter Druck: Produktionsrückgänge, steigende Kosten und schwache Nachfrage gefährden zehntausende Arbeitsplätze. Insgesamt summiert sich der Verlust in der Industrie auf rund 114.000 Stellen in nur einem Jahr.

Quelle: Business Insider
Während die Industrieproduktion global stark ansteigt, hat Deutschland seit dem Beginn des Ukrainekonflikts, und damit dem Ende des billigen Gasimports aus Russland, den Anschluss verloren. Das ist vor allem in der energieintensiven Industrieproduktion spürbar. Stabilisierend wirkt dagegen der Staat, der vor allem im Bildungs- und Gesundheitswesen Personal aufstockt. Das entlastet zwar den Arbeitsmarkt kurzfristig, verschärft jedoch langfristig den Fachkräftemangel in der Privatwirtschaft. Experten sehen dennoch keine Rückkehr zu fünf Millionen Arbeitslosen wie Anfang der 2000er Jahre. Vielmehr werde in den kommenden Jahren der Mangel an Arbeitskräften das größere Problem sein, da deutlich mehr Menschen in Rente gehen als ins Erwerbsalter nachrücken (Stichwort «Babyboomer»). Damit wächst der Druck auf die Bundesregierung, Unternehmen mit Reformen, geringeren Abgaben, niedrigeren Energiepreisen und weniger Bürokratie zu entlasten, um Investitionen und neue Jobs anzukurbeln.
Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2025 deutlicher geschrumpft als zunächst erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt sank um 0,3 % im Vergleich zum Vorquartal – doppelt so stark wie ursprünglich angenommen. Zwar legte der private und staatliche Konsum zu, doch fehlten Impulse aus dem Außenhandel, und die Investitionen in Bau, Maschinen und Fahrzeuge gingen zurück. Ein wesentlicher Belastungsfaktor sind die US-Zölle von 15 % auf EU-Importe, die seit Anfang August gelten. Besonders die exportorientierte Industrie – etwa Automobilhersteller und Maschinenbauer – spürt die Folgen im Geschäft mit den USA, aber auch mit China. Nach zwei Rezessionsjahren rechnen Wirtschaftsforschungsinstitute daher für 2025 lediglich mit einem Mini-Wachstum von rund 0,3 %. Eine positive Nachricht gibt es dennoch: Die Kassenlage des Staates hat sich verbessert. Im ersten Halbjahr 2025 lag das Defizit nur noch bei 1,3 % der Wirtschaftsleistung – deutlich weniger als im Vorjahr. Steigende Steuereinnahmen und Sozialbeiträge sorgten für Entlastung. Die Bundesregierung versucht mit Programmen wie „Wachstumsbooster“ und „Bauturbo“ gegenzusteuern. Volkswirte erwarten allerdings, dass mögliche positive Effekte erst 2026 sichtbar werden. (Quelle: Manager Magazin)
Beveridge-Kurve:
Diese Kurve zeigt uns, ob wir uns in einer Vollbeschäftigung, zyklischer Krise oder strukturellen Krise befinden. Eine niedrige Arbeitslosigkeit mit hoher Vakanzrate ist eine Vollbeschäftigung (Post-Corona 2022). Eine hohe Arbeitslosigkeit gepaart mit einer niedrigen Vakanzrate (d.h. wenige ausgeschriebene Stellen) ist eine strukturelle Krise. Als ich zum Beispiel mein Uni-Studium im Jahr 2006 beendet hatte, war die Wirtschaft in einer Standortkrise, die von der Agenda 2020 gelöst wurde. Gefolgt von einer zyklischen Krise (Eurokrise von 2012 bis 2016), dann Vollbeschäftigung und eine kurze Corona-Krise. Die Bewegung auf der Kurve ist ein Indikator für die Arbeitsmarkteffizienz und damit auch dem Zustand der Wirtschaft.

Quelle: Beveridge-Kurve. Ergänzende Ausarbeitungen basierend auf Daten des Statistischen Bundesamts, Deutsche Bank Research
Die Abbildung basiert auf Daten der Deutschen Bank und meinen persönlichen Ergänzungen wichtiger Daten aus 08-2025 (Vakanzrate 1,37 % / Arbeitslosenquote 6,4 %). Die Anzahl der Erwerbstätigen ist auf 45,84 Mio. gefallen, die Anzahl der offenen Stellen (631.000) ist leicht zurückgegangen. Charttechnisch gesehen haben wir uns lange auf der gleichen Stelle aufgehalten und bewegen uns nun in eine stärkere zyklische Krische.
Weitere Entwicklung der wirtschaftlichen Lage:
„Die jüngsten Konjunkturdaten sowie die finanzpolitischen Ankündigungen bekräftigen die Erwartung, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr ihre Stagnationsphase überwindet. Angesichts der guten Daten und des Haushaltsentwurfs ist die Wachstumsprognose für dieses Jahr auf 0,5 % angehoben. Es bedürfte eines schweren externen Schocks oder einer dramatischen Eskalation im Handelskonflikt mit den USA, um eine positive Jahreswachstumsrate zu verhindern. Wir erwarten, dass die neuen Abschreibungsmöglichkeiten sowie die Aussicht auf massive staatliche Investitionen die private Investitionstätigkeit bereits im dritten Quartal spürbar ankurbeln werden. Zudem haben wir unsere Wachstumsprognose für 2026 von 1,5 % auf 2 % angehoben. Auch diese Prognoseänderung ist eine Reaktion auf die finanzpolitischen Ankündigungen der Bundesregierung. Damit sind wir optimistischer als die Wirtschaftsforschungsinstitute und die meisten Finanzmarktteilnehmer. Allerdings dürften Wachstumsraten von 2% ohne Strukturreformen nicht nachhaltig sein. Spätestens 2027 dürfte die Wirtschaft wieder voll ausgelastet sein und sich der strukturelle Arbeitskräftemangel als Wachstumshindernis und Inflationstreiber bemerkbar machen.“ (Quelle: dbresearch.com) Langfristig sind wir also immer noch Bullish (Marktaufschwung), aber die Zeitachse hat sich massiv gedehnt. Kurz- bis mittelfristig sieht es verhalten aus.
Die Lage in der Staffingbranche in Deutschland
Die wirtschaftliche Lage geht nicht spurlos an der Staffingbranche vorbei. Der positive Trend der letzten Monate ist im August erstmal gestoppt worden.

Quelle: ifo Konjunkturumfragen. Die Zeitreihen beziehen sich auf den Bereich „Personaldienstleistung“ der monatlichen ifo Konjunkturumfrage.
Alle Umfragewerte wie Geschäftsklima, Geschäftserwartung, Beschäftigungs- und Umsatzerwartungen sind nach dem Jahreshoch im Juli zurückgegangen. Einzig die Geschäftslage und die Preiserwartungen verharren auf gleichem Niveau.
Festanstellung: Aus der Konsolidierung geht‘s wieder in einen Abschwung
Die Entwicklung im Festanstellungsbereich, die ich von der Anzahl der offenen Stellen laut Indeed-Index ableite, ist immer noch sehr verhalten.

Quelle: Indeed - https://data.indeed.com/#/
In der Grafik habe ich Deutschland (rot) und EU (blau) aufgeführt. Im Vergleich zum letzten Newsletter ist die Anzahl der Stellenanzeigen weiter zurückgegangen. Die Konsolidierung bzw. Trendumkehr hat sich nicht bestätigt, der Perm-Markt ist also weiter auf Talfahrt.
Ich erwarte/hoffe, dass wir ab September in Deutschland eine Trendumkehr (im Sinne eines Jahresendspurts) sehen werden:

Das Skill-Segment „Human Resources“ (die Kurve mit dem Peak in Juli 2022) ist leider wieder am Fallen. Das heißt: Recruitment spielt für unsere Endkunden eine weniger wichtige Rolle. Die zwei Hotspots „Construction“ und „Installation & Construction“ befinden sich in einer leichten Aufwärtsbewegung. Positiv entwickelt sich auch „Sales“. Ich würde das so interpretieren, dass die Kunden neue Vertriebswege für ihre Produkte suchen. Alle anderen Skill-Segmente verharren auf einem niedrigen Niveau.
Freiberuflichkeit: IT & Engineering im Abschwung
Die folgenden Daten stützen sich auf die Datenlage von freelance.de, die meiner Meinung nach richtungsweisenden Charakter besitzt.

Der Freelancer-Projektmarkt auf freelance.de zeigte sich im August 2025 erneut verhalten. Mit rund 4.400 Projekten liegt das Niveau 23 % unter dem Vorjahreswert (August 2024: 5.700) und sogar 33 % unter dem Wert von 2023 (6.600). Von Januar bis August 2025 summiert sich das Projektvolumen auf 38.300 Projekte – ein spürbarer Rückgang gegenüber 2024 (–17 % / 46.100 Projekte) und 2023 (–32 % / 56.000 Projekte). Während die Zahl neuer Projekte sinkt, zeigt sich auf der anderen Seite ein klarer Zuwachs bei den Freelancer-Registrierungen auf freelance.de. Es sind also mehr Freiberufler:innen verfügbar und auf der Projektsuche. Auch eine Chance jetzt einen soliden Pool aufzubauen. Die Projektrückgänge betreffen auch im August die klassischen Kernbereiche:

• IT: –46 % im Vergleich zum Vorjahr (2.400) und –55 % ggü. 2023 (2.900). • Ingenieurwesen: –50 % ggü. 2024 (1.200) und –54 % ggü. 2023 (1.300). • Verwaltung: –67 % zum Vorjahr (900) und –70 % ggü 2023 (1.000). • Finance: –25 % im Vergleich zu 2024 (400).
Ein Blick auf die Sommermonate verdeutlicht den Trend: • Im Juni lag „Sonstiges“ noch bei 1.700 Projekten, im Juli bereits bei 2.200. Der August zeigt also leichte Normalisierung, aber weiter ein sehr hohes Niveau. • In der IT dagegen setzte sich der Rückgang fort: Von 1.400 Projekten im Juni, über 1.500 im Juli auf nun nur noch 1.300. • Verwaltung und Ingenieurwesen gaben im August noch einmal deutlich nach (–100 bis –200 Projekte gegenüber Juli).
Der Projektmarkt ist weiterhin sehr verhalten, die klassischen Felder wie IT, Ingenieurwesen und Verwaltung nehmen ab. Gleichzeitig entsteht in der Sammelkategorie „Sonstiges“ – mit Projekten aus Bereichen wie Marketing, Kommunikation, Recht oder HR – eine neue Dynamik, die inzwischen fast die Hälfte des Gesamtmarktes ausmacht. Dies deutet auf eine strukturelle Verschiebung des Freelancer-Einsatzes hin, die den Markt künftig neu prägen könnte.
Arbeitnehmerüberlassung: Weiterhin pessimistisch
Unser Schwesterverband GVP berichtet von einer „Stagnation auf niedrigem Niveau“, denn „Die Zahl der bei Zeitarbeitsunternehmen angestellten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erhöhte sich von 551.400 im Mai 2025 auf 559.500 im Juni 2025 (+1,5 %). Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag die Rückgangsrate bei -8,4 %. Bei der saisonbereinigten Beschäftigtenzahl zeigte sich im Juni 2025 ein leichter Anstieg von 0,3 % verglichen mit dem Vormonat. Damit wurde der im Mai 2025 verzeichnete deutliche Rückgang von 1,1 % zum Vormonat allerdings nur teilweise kompensiert.“

„Am sonstigen Arbeitsmarkt stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Juni 2025 um 111.553 im Vergleich zum Vorjahresmonat an (+0,3 %) Das verarbeitende Gewerbe verzeichnete einen starken Rückgang von 146.037 Beschäftigten (-2,2 %).“

„Im Juni 2025 haben 18.216 Personen ihre Arbeitslosigkeit durch eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsaufnahme in der Zeitarbeit beendet, was einem Anstieg von 7,5 % gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht. Der Anteil der Zeitarbeit an allen Arbeitslosenabgängen liegt seit März 2025 im 12-Monatsdurchschnitt konstant bei 11,7 %. Am sonstigen Arbeitsmarkt erhöhten sich die Beschäftigungsaufnahmen aus Arbeitslosigkeit im Juni 2025 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 12,4 %. Der deutlichste Anstieg wurde im Bereich Pflege und Soziales (+28,0 %) registriert.“

„Für die Zugänge in Arbeitslosigkeit liegen bereits Werte für August 2025 vor. Die Zahl der Personen, die in der Zeitarbeit beschäftigt waren und sich nun arbeitslos meldeten, lag bei 17.050 und verringerte sich damit leicht um 0,7 % zum Vorjahresmonat. Der Anteil der Zeitarbeit an allen Arbeitslosenzugängen reduzierte sich von 9,6 auf 9,5 % (12-Monatsdurchschnitt). Am sonstigen Arbeitsmarkt zeigte sich im August 2025 erneut ein entgegengesetztes Bild zur Zeitarbeit: Die Arbeitslosenzugänge erhöhten sich um deutliche 6,7 % zum Vorjahresmonat. Der stärkste Anstieg zeigte sich im Bereich der Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (+13,1 %).“
Weitergehende Beobachtungen im Staffingmarkt
Neben der klassischen Branchenentwicklung schaue ich ja gerne auf spezifische Trends oder Entwicklungen bei Staffingfirmen. Die Geschäftszahlen im Vergleich werde ich euch an anderer Stelle zeigen dem Feedback gelernt und werde diese Analysen nicht mehr in den Newsletter vornehmen, sondern an anderer Stelle veröffentlichen. D.h. den Vergleich von Michael Page und SThree bekommt Ihr außerhalb dieses Newsletters geliefert.
KI & Automatisierung – Digitale Plattformen:
APSCo Australia hat ein sehr relevantes White-Paper zum Thema „Digitale Plattformen verändern das Recruiting“ erstellt. Denn digitale Arbeitsplattformen und KI-gestützte Tools sind längst keine Randerscheinung mehr, sie haben sich zu einem festen Bestandteil des Talentmarkts entwickelt. Plattformen wie Deel, Malt oder Upwork ermöglichen es, Mitarbeitende in wenigen Stunden statt Wochen zu sourcen, zu prüfen und zu bezahlen – und das zu deutlich geringeren Kosten. Für kleine und mittelständische Staffingfirmen ist dieser Wandel zugleich Herausforderung und Chance. Während Plattformen mit Transparenz, Geschwindigkeit und niedrigen Gebühren punkten, bringen Staffingfirmen Stärken ein, die sich nicht automatisieren lassen: tiefes Branchenwissen, persönliche Netzwerke und Beratung bei komplexen Themen wie Arbeitsrecht, Fair Work oder Compliance. Die Zukunft gehört jenen, die das Beste aus beiden Welten verbinden. Wer Prozesse automatisiert, Live-Transparenz für Kunden bietet, Compliance-Know-how als Produkt verkauft und eigene Talent-Communities aufbaut, kann Plattformdruck in Wachstum verwandeln. Fazit: Automatisieren, wo es sinnvoll ist – beraten, wo es zählt. So bleiben Recruiter auch im Zeitalter von KI und Plattformökonomie unverzichtbar. Wer mehr lesen will findet die Studie hier: https://www.linkedin.com/smart-links/AQGTzyv3SPLgGw
Zusammenfassung & Fazit: Drei Szenarien für die Zukunft – und was sie für dich bedeuten
Aus den ganzen Informationen des Newsletters zusammenfassend sehe ich drei Szenarien, die auf unsere Branche zukommen könnten – jedes mit eigenen Herausforderungen, aber auch Chancen.
Das erste Szenario („Aufschwung“) ist eine wirtschaftliche Belebung ab dem Jahr 2026. Laut Prognose des ifo-Instituts wird für dieses Jahr ein Wachstum von 1,6 % erwartet. Vielleicht verliert Trump in den Midterm-Wahlen und die Zölle werden gekappt? Vielleicht schaffen wir den Frieden in der Ukraine und fokussieren uns wieder auf Wirtschaftswachstum. Nach zwei Jahren wirtschaftlicher Durststrecke könnte das dringend benötigte Impulse für unsere Branche sein. Es wäre gut möglich, dass wir dann ein neues 2021/2022 erleben – also ein Marktumfeld mit erhöhter Nachfrage, einer höheren Mobilität von Fachkräften und damit klaren Wachstumschancen für Staffingfirmen.
Das zweite Szenario („eine sich verstärkende zyklische Krise“) beschreibt den aktuellen Zustand als neue Normalität. In diesem Fall würden wir von einer dauerhaften Stagnation ausgehen. Die De-Industrialisierung in Deutschland schreitet weiter voran, das Deutsche Powerhouse, „die Industriebranche“, verliert weiterhin an Bedeutung. Kernbranchen gehen unter und werden durch andere Branchen (Defense, Pharma & öffentliche Hand „sic“) ersetzt. Wenn das Realität wird, muss sich die Branche auf eine dauerhaft schwierige Lage einstellen, in der alte Erfolgsrezepte nicht mehr greifen und starker Verdrängungswettbewerb herrscht.
Das dritte Szenario („strukturelle Krise“): Die deutsche Erfolgszeit nach der Agenda21 ist vorbei. Billige Importe gibt es nicht mehr, die Exportnation und vor allem der Industriesektor wird von Zöllen in eine tiefe Krise gestürzt. Der wirtschaftliche Abschwung zeigt die verpassten Reformen in Sozialsystem und Arbeitsmarkt auf. Nur wenn diese nachhaltig gelöst werden können und Deutschland einen Reboot schafft, gibt es wieder einen Aufschwung. Die Staffingbranche wird einen noch bis dato unbekannten Abschwung durchlaufen, einzig der Fachkräftemangel und die Überalterung der Gesellschaft verspricht neue Geschäftsfelder in der Auslandsrekrutierung. Es gibt weiterhin Stellen zu besetzen, aber nur die besten Staffingfirmen überleben, alle anderen werden vom Markt verschwinden.
Unabhängig davon, welches Szenario eintritt, eins ist unausweichlich: Die Disruption wird kommen und es wird härter, als wir uns vorstellen können. Dass wiederum wird dazu führen, dass die Branche sich weiter konsolidieren wird. Der Markt ist nach wie vor zu fragmentiert, und die Herausforderungen der Zukunft werden von spezialisierten Staffingfirmen oder stark automatisierten Generalisten gemeistert. Die Zukunft gehört denen, die heute schon die Weichen richtigstellen.
Bist du und deine Firma zukunftssicher? Ist unser Leistungsangebot noch das, was die Endkunden brauchen? Diese Fragen solltest du dir jeden Tag stellen und Antworten darauf generieren.
Denn ich rede jeden Tag mit Staffingfirmen, die gegen den Trend wachsen. Entweder es sind klassische Staffingfirmen mit diesen Merkmalen:
Sie sind in der Führung gut aufgestellt
Sie haben sich auf wachstumsstarke Branchen fokussiert
Sie haben ihr CRM modernisiert und Prozesse teilautomatisiert
Sie haben eine starke Kundenbindung & Key Accounts
Sie sind gut im Vertrieb.
Oder es sind „digitale Staffingfirmen“
Sie haben mehrheitlich Teile des Recruitmentprozesses automatisiert
Sie leben das KI/AI-Game
Sie haben das Delivery-Modell sowie das Angebot an den Kunden neu gedacht. Stichwort: Keine Platzierungsfee, sondern KI-Piloten oder Talent Flats.
Gleichzeitig sehe ich bei weniger erfolgreichen Firmen immer wieder dieselben Schwächen: mangelhafte Kommunikation mit Kunden und Kandidat:innen, standardisierte Lösungen ohne echten Mehrwert, veraltete Technologien und eine Unternehmenskultur, die entweder toxisch oder schlicht überfordert ist. Diese Probleme sind nicht zufällig – sie sind das Resultat fehlender strategischer Klarheit. Wer jetzt noch an dem Alten festhält, den wird es meines Erachtens morgen nicht mehr geben.
Daraus lassen sich drei zentrale Learnings ableiten, die jetzt an sich nicht neu sind: Erstens, der Markt bzw. die Kunden erwarten angepasste Geschäftsmodelle, Qualität und Transparenz. Wer das nicht liefert, wird abgehängt. Zweitens, die Time-to-Placement ist ein zentraler Erfolgsfaktor – Geschwindigkeit bei gleichbleibender Qualität entscheidet über den Zuschlag. Und drittens, der Zugang zu Top-Talenten wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil – wer sein Netzwerk pflegt, und neue Wege bei der Kandidatensuche und -auswahl geht, ist klar im Vorteil.
Mein Fazit: Reifegrad und Professionalisierung sind die entscheidenden Antworten in dieser wirtschaftlichen Phase. Es reicht nicht, auf Wirtschaftswachstum und damit auf bessere Zeiten zu hoffen. Jetzt ist der Zeitpunkt, sich strategisch neu aufzustellen, Prozesse zu hinterfragen und mutige Entscheidungen zu treffen. Wer in zwölf Monaten noch im Spiel sein will, muss heute handeln.
Und dann stelle Dir die zentrale Frage neu: Wo willst du in zwölf Monaten stehen – und was musst du dafür heute verändern?
Dein Thomas André Sola

