Hallo Staffingpreneur:in,
im September habe ich eine Jahresendrally prophezeit. Heute, einen Monat später, kann ich Dir sagen: Zwei meiner drei Prüfpunkte sind erfüllt. Die Zeitarbeit baut seit Mai saisonbereinigt keine Beschäftigung mehr ab, und die Stellenanzeigen in der Festanstellung haben im August ihren Boden gefunden. Der dritte Prüfpunkt fehlt noch: Der Arbeitsmarkt selbst dreht nicht. Die Bundesagentur schreibt über ihren Septemberbericht „Herbstbelebung beginnt ohne Schwung“. Trotzdem sieht alles so aus, als wenn wir eine 1-Jahres-Rally vor uns haben werden.
Denn es gibt eine neue Zahl, die Du Dir merken solltest: 0,4 Prozent. So wenig Wachstum erwarten die führenden Institute für 2028. Die Rally läuft also auf eine Mauer zu. Bis dahin bleiben rund 12-18 Monate.
Neu in dieser Ausgabe: Das STPR-Transmissionsmodell hat ein Bild bekommen, der Wirtschaftsteil ist angereichert worden, der Perm-Bereich hat eine Erweiterung erhalten.
🎙️ Lunch Session: Warum 2026 im Staffing ein Verteilungsjahr war und 2027 ein Wachstumsjahr wird
Donnerstag, 29. Oktober 2026 · 12:30–13:00 Uhr · live und kostenlos · New Hiring Academy von XING
Wer die Inhalte des Staffingpreneurs-Newsletters mit mir diskutieren will ist herzlich eingeladen. In 30 Minuten zeige ich Dir gemeinsam mit Adrian Krastev von der New Hiring Academy:
warum „Verteilungsjahr“ 2026 besser beschreibt als „Aufschwung“
welche sechs Wachstumssegmente den Unterschied gemacht haben
wie Du zyklische von strukturellen Verschiebungen unterscheidest
welche Weichen Du jetzt für 2027 stellen musst
Du kannst nicht live dabei sein? Melde Dich trotzdem an, dann bekommst Du die Aufzeichnung.
0. Executive Summary
Der Herbst 2026 bestätigt den Aufschwung und setzt ihm zugleich eine Frist. Die Institute haben ihre Prognosen für 2026 verdoppelt: Die Gemeinschaftsdiagnose erwartet 1,3 Prozent Wachstum, für 2027 1,1 Prozent. Für 2028 aber nur noch 0,4 Prozent, weil der Fiskalimpuls ausläuft und die Demografie bremst. Das ifo-Geschäftsklima ist zum fünften Mal in Folge gestiegen, die Dienstleister melden erstmals seit Februar wieder ein positives Klima.
Am Arbeitsmarkt kommt davon noch wenig an. 2,994 Millionen Arbeitslose, saisonbereinigt 12.000 mehr als im August. Das IAB-Barometer bleibt mit 99,6 unter der neutralen Marke. Die Vollzeitbeschäftigung sinkt, gewachsen wird nur in Teilzeit, Gesundheit, Pflege und Verwaltung. Ich gehe aber davon aus, dass der Arbeitsmarkt im Q4-2026 ins positive drehen wird.
In der Staffingbranche selbst drehen die ersten Zeiger. Das ifo-Geschäftsklima der Personaldienstleister ist im September erstmals seit mehr als zwei Jahren positiv (+5,2). Die gemeldeten Stellen der Zeitarbeit liegen im September erstmals seit Langem über dem Vorjahr, der Stellenzugang ist so hoch wie seit über einem Jahr nicht. Der Indeed-Stellenindex hat im August bei 103,3 seinen Boden markiert und ist im September im Monatsschnitt erstmals in diesem Jahr gestiegen. Getragen wird das von Bau, Elektro und Maschinenbau. Software fällt weiter, und die Pflege gibt deutlich nach. Das Freiberufliche Projektgeschäft zieht auch an. Also alle Zeichen auf Jahresendrally.
Die strategische Frage lautet nicht mehr nur, wer 2027 mitnimmt. Sie lautet: Wer baut jetzt so auf, dass er 2027 erntet und 2028 nicht auf zu hohen Kosten sitzt? Die vier Konsequenzen stehen in der Schlussfolgerung.
1. Markt-Überblick

Das STPR-Transmissionsmodell
So liest Du diese Marktlage: Istzustand (1.1) und Erwartung (1.2) treiben den Arbeitsmarkt (1.3), und der treibt mit einer Übersetzung von 1 zu 2-4 die Staffingbranche (Teil 2). Von außen greifen Schocks ein, an der Branche selbst bremst die Regulierung. Wie die Zahnräder genau ineinandergreifen, steht im Grundlagenartikel. In dieser Marktlage liefere ich Dir nur die aktuellen Daten.
1.1 Ist-Zustand der Wirtschaft: Besser als gedacht, getragen vom Staat
1.1.1 Allgemeine Lage
Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 0,3 Prozent gewachsen, nach 0,4 Prozent im ersten. Getragen haben das die Exporte und die Nachfrage des Staates. Für das dritte Quartal erwartet die Bundesagentur für Arbeit eine Fortsetzung, allerdings schwächer. Dass ist besser als bisher erwartet. Zwei Befunde aus der Analyse von Julius Probst (Recruitonomics, 10.09.2026) ordnen das ein.
Erstens: Die Lage war besser, als wir alle dachten. Die Datenrevision vom August hat das BIP rückwirkend angehoben. Das erste Quartal 2026 liegt rund 0,7 Prozent über dem zuvor ausgewiesenen Niveau.

Reales BIP Deutschland (Index), Datenstand Mai 2026 gegenüber August 2026. Datenquelle: Destatis. Quelle: Recruitonomics/Appcast (J. Probst), mit Genehmigung.
Zweitens: Das Wachstum hat sich beschleunigt. Auf das Jahr hochgerechnet lag es im zweiten Halbjahr 2025 bei rund 0,5 Prozent, im ersten Halbjahr 2026 bei etwa 1,5 Prozent. Im zweiten Quartal 2026 kamen die Impulse vor allem aus dem Export.

Beiträge zum BIP-Wachstum, Q1 2025 bis Q2 2026, preisbereinigt. Datenquelle: Destatis. Quelle: Recruitonomics/Appcast (J. Probst), mit Genehmigung.
In der Industrie zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Produktion hat im Juli nachgegeben, vermutlich auch wegen des Niedrigwassers. Die Auftragseingänge sind dagegen kräftig gestiegen, bei den Herstellern von Investitionsgütern den dritten Monat in Folge. Der Bau meldet im Juli die höchste Produktion des Jahres.
Bleibt die Frage nach der Industrie insgesamt. Hier lohnt ein zweiter Blick: Zwischen 2018 und 2024 ist die Industrieproduktion um 13 Prozent gesunken, die Wertschöpfung der Industrie aber nur um 3 Prozent (ifo). Die Unternehmen verlagern Fertigung und verdienen im Inland zunehmend mit Entwicklung und Service. Die Industrie schrumpft also weniger, als die Produktionszahlen sagen. Sie baut um. Für uns heißt das: weniger Helfer am Band, mehr Ingenieure und Techniker. Ein gutes Zeichen dass Deutschland sich neu aufstellt, allen Unkenrufen zum Trotz.
Die Inflation ist im September auf 3,3 Prozent gestiegen (August: 2,9 Prozent) und eine hohe Inflation ist Problematisch für die Kreditaufnahme. Treiber ist die Energie. Die Kernrate blieb stabil, die Preise bei Dienstleistungen gingen leicht zurück. KfW Research sieht deshalb noch kein Überschwappen der Energiepreise auf andere Bereiche, hält eine Entwarnung aber für zu früh.
1.1.2 Wirtschaftspolitik: Das Geld fließt, aber langsamer als geplant
Der Fiskalimpuls ist der wichtigste Einzeltreiber dieses Aufschwungs. Nach einer Studie der Bundesbank stammen 2026 rund 0,44 Prozentpunkte des Wachstums aus den Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur, 2027 sind es 0,48. Für 2028 sinkt der Beitrag auf 0,36 Prozentpunkte.

Fiskalbeitrag (Verteidigung und Infrastruktur) zum BIP-Wachstum. Die Wachstumslinie zeigt ältere Prognosen von IWF und KfW; die Gemeinschaftsdiagnose erwartet für 2028 nur 0,4 Prozent. Datenquellen: Deutsche Bundesbank, IWF, KfW. Quelle: Recruitonomics/Appcast (J. Probst), mit Genehmigung.
Verteidigung. Die Militärausgaben haben sich seit 2019 mehr als verdoppelt, auf 103 Milliarden Euro im Jahr 2025. Für 2027 werden rund 145 Milliarden Euro erwartet. Laut KfW kommen diese Ausgaben als Aufträge in der Industrie an, bei Waffen und Munition und im sonstigen Fahrzeugbau.

Militärausgaben Deutschland 2000–2030 in Mrd. Euro. Datenquellen: SIPRI/Statista, Financial Times (Prognose). Quelle: Recruitonomics/Appcast (J. Probst), mit Genehmigung.
Infrastruktur. Die Investitionen des Bundes sollen von 56,7 Milliarden Euro (2024) auf 126,7 Milliarden Euro (2026) steigen. Danach gehen sie laut Finanzplan wieder zurück, auf rund 117 bis 119 Milliarden Euro. Die Zahlen enthalten finanzielle Transaktionen wie Kapitalzuführungen an die Bahn und überzeichnen die echten Investitionen, vor allem 2025.

Investitionen des Bundes: Kernhaushalt, Sondervermögen Infrastruktur (SVIK), Klima- und Transformationsfonds. Datenquelle: BMF. Quelle: Recruitonomics/Appcast (J. Probst), mit Genehmigung.
Der Haken: der Mittelabfluss. Der Bund will 2026 rund 120 Milliarden Euro investiv ausgeben. Dafür müssten jeden Monat etwa 10 Milliarden Euro abfließen. Das wird bisher verfehlt. KfW Research rechnet bis Jahresende mit 80 bis 90 Prozent. Aus dem Sondervermögen sind im ersten Halbjahr erst rund 38 Prozent abgeflossen. Die Deutsche Bank sieht es ähnlich: Die Ausgaben ziehen deutlich an, könnten aber hinter den Zielen bleiben. Beim öffentlichen Bau ist noch keine Beschleunigung zu sehen, nur ein Auftragsschub im Tiefbau im Mai und Juni.
Tankrabatt. Bundestag und Bundesrat haben die Energiesteuer auf Kraftstoffe vom 1. Oktober bis Jahresende gesenkt. Mit Umsatzsteuer sind das rund 17 Cent pro Liter. Kosten: etwa 2,5 Milliarden Euro. Spätestens zum 1. Januar 2027 soll ein Spritpreisdeckel folgen.
Defizit. Das Staatsdefizit lag in den zwölf Monaten bis August bei 167 Milliarden Euro, rund 3,6 Prozent des BIP. Die Deutsche Bank erwartet für das Gesamtjahr 4,1 Prozent.
1.1.3 BIP: Aktueller Wert und Prognose
Die Institute haben ihre Prognosen im September deutlich angehoben. Das Muster ist bei fast allen gleich: 2026 stark, 2027 ähnlich, 2028 schwach.
Institut | Stand | 2026 | 2027 | 2028 |
|---|---|---|---|---|
Gemeinschaftsdiagnose | 24.09.2026 | 1,3 % | 1,1 % | 0,4 % |
ifo Institut | 03.09.2026 | 1,4 % | 1,2 % | 0,8 % |
DIW Berlin | 02.09.2026 | 1,2 % | 1,0 % | 0,7 % |
RWI | 03.09.2026 | 1,3 % | 1,1 % | 0,5 % |
Deutsche Bank Research | 28.09.2026 | 1,0 % | 1,3 % | – |
KfW Research | 25.08.2026 | 1,1 % | 1,5 % | – |
OECD | 23.09.2026 | 1,1 % | 1,1 % | – |
Bundesregierung | 22.04.2026 | 0,5 % | 0,9 % | – |
Prognosen für das reale BIP-Wachstum in Deutschland. Quelle: Institute, eigene Darstellung.
Zwei Dinge sind wichtig. Die 0,4 Prozent für 2028 sind keine Abwärtsrevision, sondern der erste Wert, den die Institute für dieses Jahr veröffentlichen. Und sie bedeuten keine Rezession. Die Institute begründen den Wert damit, dass das Erwerbspersonenpotenzial schrumpft und der Fiskalimpuls nachlässt. Laut ifo ist die Unterauslastung der Wirtschaft schon Mitte 2027 aufgebraucht. Danach wächst Deutschland nur noch so schnell, wie es die Zahl der Arbeitskräfte zulässt.
Einordnung für die Staffingbranche: Der Aufschwung ist real, und er ist ein Staatsaufschwung. Das Geld fließt in Rüstung, Tiefbau, Energie und Forschung, aber langsamer als geplant. Deshalb kommt die Nachfrage bei uns später an als in den Prognosen. Neu ist die Frist: 2026 und 2027 tragen, 2028 flacht es ab. Das sind rund 18 Monate. Wer jetzt Kapazität aufbaut, sollte sie so aufbauen, dass sie 2027 Ertrag bringt und 2028 nicht zur Last wird. Die Abflachung trifft dabei nicht die Knappheit: Wenn die Wirtschaft kaum wächst, weil Arbeitskräfte fehlen, bleibt Vermittlung gefragt. Welche Branchen konkret profitieren, zeigt der Arbeitsmarktkompass.
1.2 Erwartete Zukunft: Stimmungsindikatoren
Bezüglich dem BIP Wachstum haben wir gesehen dass die KfW ist für 2027 mit 1,5 Prozent am optimistischsten und erwartet, dass der Aufschwung im nächsten Jahr noch an Tempo gewinnt. Bedingung ist, dass wieder mehr Energie aus der Golfregion fließt.
1.2.1 ifo-Geschäftsklima, PMI und ZEW: Die Stimmung läuft voraus
Das ifo-Geschäftsklima ist im September auf 89,9 Punkte gestiegen (August: 88,8). Es ist der fünfte Anstieg in Folge. Die Lage wird mit 89,5 bewertet, die Erwartungen mit 90,4. Seit dem Tief im April (84,5) hat der Index mehr als fünf Punkte zugelegt.
Der Blick in die Bereiche: In der Industrie verbessern sich die Erwartungen deutlich, vor allem in der Elektrobranche. Die Automobilbranche bleibt schwierig. Im Handel steigt das Klima, im Bau tritt es auf der Stelle, wobei der Tiefbau besser läuft als der Hochbau. Am wichtigsten für uns: Der Dienstleistungssektor meldet mit +0,7 erstmals seit Februar wieder ein positives Klima.
Die Einkaufsmanagerindizes bestätigen das Bild. Der vorläufige PMI für September ist auf den höchsten Stand seit Oktober 2025 gestiegen. Der Index für Dienstleistungen liegt erstmals seit März wieder über der Wachstumsschwelle von 50. Der Industrie-PMI gab leicht nach auf 53,8 (August: 54,3), bleibt aber klar im Wachstumsbereich.

Einkaufsmanagerindex Industrie Deutschland bis August 2026 (54,3). Im September lag der Wert bei 53,8. Datenquelle: S&P Global. Quelle: Recruitonomics/Appcast (J. Probst), mit Genehmigung.
Auch der ZEW-Index passt dazu. Die Erwartungen der Finanzmarktexperten liegen stabil bei +34,7 Punkten. Die Einschätzung der Lage hat sich um 14 Punkte verbessert, bleibt mit −47,1 aber tief im Minus.
Es gibt auch eine Gegenstimme. Im europäischen Vergleich der EU-Kommission liegt Deutschland bei der Wirtschaftsstimmung (93) und bei den Beschäftigungserwartungen der Industrie (91) auf dem letzten Platz der großen Länder. Spanien steht bei 103 und 109. Die deutsche Stimmung steigt also, aber von sehr niedrigem Niveau.
1.2.2 Unternehmen: Investitionen schwanken, die Finanzierung wird teurer
Der Investitionsmonitor von KfW Research (17.09.2026) zeigt ein unruhiges Bild. Die Unternehmensinvestitionen sind im vierten Quartal 2025 um 4,2 Prozent gefallen, im ersten Quartal 2026 um 6,2 Prozent gestiegen und im zweiten um 0,9 Prozent gesunken. Zum Vorjahr bleibt ein Plus von 0,9 Prozent. Gemessen an der Wirtschaftsleistung investieren die Unternehmen so wenig wie zuletzt in der Finanzkrise.
Der Gegenwind kommt von zwei Seiten. Laut DIHK wollten im Frühsommer 34 Prozent der Unternehmen ihre Investitionen kürzen, nur 23 Prozent ausweiten. Und die Finanzierung wird schwieriger: Zinsen steigen, Banken verschärfen ihre Kreditrichtlinien.
Die Lichtblicke: Die Hersteller von Investitionsgütern blicken deutlich optimistischer nach vorn, und der Maschinenbau bekommt mehr Aufträge aus dem Inland. Stetig wachsen die Investitionen in Forschung und Software. Der Wohnungsbau fällt dagegen weiter, er liegt 19 Prozent unter dem Niveau von Anfang 2022. Aus dem Ausland flossen im ersten Halbjahr nur rund 25 Milliarden Euro an Direktinvestitionen nach Deutschland, nach 68 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.
1.2.3 Externe Schocks: Zölle · Energie · Geopolitik
Energie. Der Ölpreis ist zurück. Brent kostete Ende September wieder rund 115 bis 120 US-Dollar pro Barrel. Die Straße von Hormus bleibt weitgehend blockiert. Neu ist, dass die Huthi-Miliz die Meerenge Bab al-Mandeb kontrolliert und damit auch die saudische Ost-West-Pipeline unter Druck gerät, die wichtigste Ausweichroute. Wie lange das anhält, ist offen.
Zinsen. Die EZB hat den Einlagesatz im September auf 2,50 Prozent angehoben. Die Deutsche Bank erwartet im Dezember den nächsten Schritt auf 2,75 Prozent. Für Unternehmen werden Kredite teurer, die Banken vergeben sie strenger. Daher ist ein Rückgang der Investitionen zu erwarten
Zölle. Die USA und China haben ihre Zollpause bis zum 10. Januar verlängert. Fortschritte in der Sache gab es nicht. Dies bleibt ein gewichtiger externer Faktor
Politik. Die AfD ist bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stärkste Kraft geworden und hält 39 von 83 Sitzen. Eine Regierung gibt es noch nicht. Probst sieht darin ein Risiko für den Aufschwung: Der Fachkräftemangel lasse sich nur mit Zuwanderung schließen, und die Unsicherheit über den Kurs der Fiskalpolitik könne Unternehmen bei Investitionen und Einstellungen zögern lassen. Der Index der wirtschaftspolitischen Unsicherheit liegt für Deutschland bei 799 Punkten, mehr als doppelt so hoch wie im Euroraum (360).
Einordnung für die Staffingbranche: Die Erwartungen drehen weiter ins positive, und jetzt drehen sie auch bei den Dienstleistern. Das ist das Vorlaufsignal aus unserem Modell. Aber: Die Investitionen der Unternehmen folgen aber noch nicht und gehen wg. einen hohen Zins zurück: Wer nicht investiert, stellt auch nicht ein. Hier ist die Unterscheidung in Skill/Branche wichtig, welche in den folgenden Artikel noch ausgeführt wird. .
1.3 Arbeitsmarkt: Herbstbelebung ohne Schwung
Hier zeigt sich, ob die bessere Stimmung in Personalentscheidungen ankommt. Der Befund für September: noch nicht.
1.3.1 Die amtliche Seite: BA-Zahlen und Beveridge-Kurve
Im September waren 2.994.000 Menschen arbeitslos, 67.000 weniger als im August. Das ist der übliche Rückgang im Herbst, und er fiel schwach aus. Saisonbereinigt stieg die Zahl um 12.000. Die Deutsche Bank hatte nur mit 2.000 gerechnet. Zum Vorjahr sind es 40.000 Arbeitslose mehr, die Quote (aller Erwerbspersonen) liegt bei 6,4 Prozent.
Der konjunkturnahe Teil verschlechtert sich weiter: In der Arbeitslosenversicherung sind 74.000 Menschen mehr arbeitslos als vor einem Jahr. Wer arbeitslos wird, findet schwer zurück. Die Chance, die Arbeitslosigkeit durch einen neuen Job zu beenden, liegt nahe am niedrigsten Wert, seit die BA sie berechnet.
Die Beschäftigung zeigt, wo der Arbeitsmarkt umbaut. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag im Juli bei 34,68 Millionen, 84.000 unter dem Vorjahr. Dahinter stehen drei Verschiebungen:
Vollzeit sinkt, Teilzeit steigt: 236.000 Vollzeitstellen weniger, 152.000 Teilzeitstellen mehr.
Demografie: 266.000 weniger deutsche Beschäftigte, 181.000 mehr ausländische. Ohne Zuwanderung würde die Beschäftigung deutlich stärker fallen.
Branchen: Gesundheitswesen +65.000, Pflege und Soziales +62.000, öffentliche Verwaltung +17.000. Verarbeitendes Gewerbe −169.000, davon Metall, Elektro und Stahl −120.000. Handel −59.000, Arbeitnehmerüberlassung −19.000.
Die Zahl der Erwerbstätigen lag im August bei 45,58 Millionen (neuester verfügbarer Wert), saisonbereinigt 29.000 weniger als im Juli und 236.000 unter dem Vorjahr.
Auf der Nachfrageseite sieht es etwas besser aus. Bei der BA waren im September 660.000 Stellen gemeldet, 30.000 mehr als vor einem Jahr. Saisonbereinigt stagniert der Bestand. Zuwächse gibt es im öffentlichen Bereich, bei Finanzen und Versicherungen, in der Energie- und Wasserwirtschaft und im verarbeitenden Gewerbe. Die größten Rückgänge meldet die Informations- und Kommunikationsbranche. Die BA weist darauf hin, dass Großaufträge einzelner Arbeitgeber die Zahlen verzerren.
Davon getrennt zu lesen ist die Stellenerhebung des IAB, die auch nicht gemeldete Stellen erfasst: Im zweiten Quartal gab es 1,02 Millionen offene Stellen, 11 Prozent weniger als im Vorquartal und 3 Prozent weniger als vor einem Jahr.
Eine Zahl erklärt, warum uns die Kunden trotz drei Millionen Arbeitslosen brauchen: Eine gemeldete Stelle bleibt im Schnitt 156 Tage unbesetzt. Das sind 13 Tage weniger als vor einem Jahr, aber rund 70 Tage mehr als vor zehn Jahren.

Auf der Beveridge-Kurve (Methodik im Grundlagenartikel) gibt es etwas mehr Arbeitslosigkeit (6,9 nach 6,8 Prozent) und etwas mehr gemeldete Stellen (Vakanzrate 1,81 nach rund 1,75 Prozent). Das ist keine Trendwende. Aber es ist das erste Jahr seit 2022, in dem die Vakanzrate nicht mehr fällt. Die Stellen kommen zurück, bevor die Arbeitslosigkeit sinkt. Genau diese Reihenfolge beschreibt unser Modell.
Zur Einordnung: Das IAB weist für das zweite Quartal eine Vakanzrate von 2,3 Prozent aus. Diese Zahl stammt aus der Stellenerhebung, die auch nicht gemeldete Stellen erfasst, und ist mit unserer Kurve nicht vergleichbar. Auch sie hat sich seit dem Höchststand Ende 2022 (4,5 Prozent) fast halbiert.
1.3.2 Die Frühindikatoren: IAB-Barometer, BA-X, Indeed und LinkedIn
Das IAB-Arbeitsmarktbarometer liegt im September bei 99,6 Punkten (+0,1) und damit weiter unter der neutralen Marke von 100. Die Komponente für die Arbeitslosigkeit hat sich auf 99,9 verbessert. Die Komponente für die Beschäftigung ist auf 99,3 gesunken.
Der Stellenindex der BA (BA-X) steht bei 104 Punkten, einen Punkt über August und sechs über dem Vorjahr. Die privaten Indikatoren sind freundlicher. Der Indeed-Stellenindex hat im September erstmals in diesem Jahr im Monatsschnitt zugelegt (Details in 2.1). Und der Einstellungsindikator von LinkedIn liegt erstmals seit Anfang 2024 wieder über seinem langfristigen Trend.

LinkedIn Hiring Rate Indicator Deutschland, Abweichung vom langfristigen Trend in Prozent. Datenquelle: Destatis, Konjunkturmonitor. Quelle: Recruitonomics/Appcast (J. Probst), mit Genehmigung.
💡 Einordnung für die Staffingbranche: Die BA sieht keine Trendwende, und in ihren Zahlen ist auch keine. Aber die Signale teilen sich auf. Die amtlichen Bestandsgrößen (Arbeitslose, Beschäftigung) verschlechtern sich noch leicht. Die Nachfragegrößen (gemeldete Stellen, BA-X, Indeed, LinkedIn) stabilisieren sich oder steigen. Genau so sieht nach unserem Modell die Phase aus, bevor der Arbeitsmarkt dreht: Erst kommen die Stellen, dann die Einstellungen, zuletzt sinkt die Arbeitslosigkeit. Für Dein Geschäft zählt die Nachfrageseite. Und dort bewegt sich etwas.
2. Die Lage in der Staffing-Branche – Deutschland
Die Staffingbranche reagiert nicht auf die Konjunktur, sondern auf die Personalentscheidungen der Unternehmen, und zwar überproportional. Im Transmissionsmodell ist das die Übersetzung von 1 zu 2 bis 4: Bewegt sich der Arbeitsmarkt ein wenig, bewegt sich unser Markt zwei- bis viermal so stark. Das gilt nach unten, wie wir seit 2023 erlebt haben, und nach oben.

ifo Konjunkturperspektiven Personaldienstleistungen, Salden, saisonbereinigt. Quelle: ifo Institut, Konjunkturperspektiven 9/2026.
Und in unserer eigenen Branche ist im September etwas passiert, das ich so nicht erwartet habe. Das Geschäftsklima der Personaldienstleister ist von −17,3 auf +5,2 gesprungen. Es ist der erste positive Wert seit mehr als zwei Jahren und die Beste Stimmung in den letzten 12 Monaten. Jede einzelne Reihe hat sich verbessert, und zwar deutlich. Die Erwartungen liegen bei +24,3, nach −38,1 im April. Erstmals zieht auch die Lage mit: Sie verbessert sich um 20 Punkte, bleibt mit −12,3 aber im Minus. Die Unternehmen wollen Personal aufbauen (+31,3) und erwarten steigende Preise (+53,7).
Ein Monat ist kein Trend, und Umfragewerte in einer kleinen Branche schwanken stark. Aber die Richtung passt zu allem, was wir in dieser Ausgabe sehen: Erwartungen drehen zuerst, die Lage folgt. Im September hat sie angefangen zu folgen.
2.1 Festanstellung: Der Boden ist da
Der Indeed-Stellenindex für Deutschland (saisonbereinigt, Februar 2020 = 100) steht am 25. September bei 104,3. Entscheidend ist der Verlauf: Von Januar (114,3 im Monatsschnitt) ging es jeden Monat abwärts, bis auf 104,1 im August. Im September stieg der Monatsschnitt erstmals wieder, auf 105,1.

Das Jahrestief lag am 4. August bei 103,3. Mitte September erreichte der Index 105,7 und gab bis Monatsende wieder nach. Aber die Abwärtsbewegung, die das ganze Jahr geprägt hat, ist gestoppt. Zum Vorjahr fehlen noch 10 Prozent, zum Höchststand vom Mai 2022 fast 40 Prozent. Um die einzelne Ansicht übersichtlicher zu gestalten, habe ich eine neue Darstellungsweise gewählt.
Bau, Technik & Industrie: Hier kommt das Fiskalgeld an

Verlauf seit 2022. Quelle: Indeed Hiring Lab.
Das ist das stärkste Cluster, und es ist das einzige, in dem fast alles steigt. Der Maschinenbau legt in drei Monaten 10 Prozent zu und liegt wieder über dem Niveau vor Corona. Das passt zum Auftragsschub aus dem Inland, den die KfW meldet. Bau, Elektro und Maschinenbau liegen sogar über dem Vorjahr, was sonst kaum ein Skill schafft. Der Chemiebereich hat sich vom Einbruch im Sommer erholt, schwankt aber stark. Wer hier sitzt, sitzt richtig. Das war schon im September die Botschaft, jetzt zeigen es auch die Veränderungsraten.
Gesundheit & Soziales: Hohes Niveau, falsche Richtung

Verlauf seit 2022. Quelle: Indeed Hiring Lab.
Kein Cluster liegt höher, und kein großes Cluster fällt derzeit schneller. Zahnmedizin und Therapie halten sich, Pflege, Sozialwesen und Kinderbetreuung geben deutlich nach. Dahinter dürften die Sparvorgaben im Gesundheitsetat und knappe Kassen der Kommunen stehen. Das ist eine Vermutung, kein Beleg. Die Engpässe bleiben, aber die Zahlungsbereitschaft der Träger scheint zu sinken.
IT & Daten: Weiter keine Bodenbildung

Verlauf seit 2022. Quelle: Indeed Hiring Lab.
Softwareentwicklung fällt unter 50 Punkte. Das ist weniger als die Hälfte des Niveaus vor Corona und 71 Prozent unter dem Höchststand. Während der Gesamtmarkt seinen Boden gefunden hat, fällt IT weiter. Gleichzeitig haben sich die Stellenanzeigen mit KI-Bezug seit 2020 fast verdreifacht (Index 293). Die Nachfrage verschwindet also nicht, sie verschiebt sich: weg vom klassischen Entwickler, hin zu Profilen, die mit KI arbeiten.
🧭 Dein Skill ist nicht dabei?
Die Indeed-Daten zeigen, wo Stellen ausgeschrieben werden. Der Arbeitsmarktkompass zeigt Dir zusätzlich, wo Kandidaten knapp sind: Stellen, Arbeitslose und Engpässe für jede Branche und jede Berufsgruppe. So siehst Du, wo 2027 Nachfrage und Marge zusammenkommen.
Finance & Legal: Die Wende bestätigt sich

Verlauf seit 2022. Quelle: Indeed Hiring Lab.
Banking & Finance hatte im September erstmals nach zwei Jahren gedreht. Das hat sich fortgesetzt: plus 7 Prozent in drei Monaten, und erstmals wieder über dem Vorjahr. Buchhaltung stabilisiert sich auf hohem Niveau. Versicherung hat sich vom Sommertief erholt, liegt aber noch gut ein Fünftel unter dem Vorjahr. Dazu passt, dass die BA bei Finanzen und Versicherungen mehr gemeldete Stellen verzeichnet.
Corporate & Vertrieb: Sales zieht, HR nicht

Verlauf seit 2022. Quelle: Indeed Hiring Lab.
Der Vertrieb setzt seine Erholung fort. Unternehmen, die Aufträge sehen, stellen Verkäufer ein. HR bleibt dagegen liegen: minus 2 Prozent in drei Monaten. Die Unternehmen bauen ihre eigenen Recruiting-Teams noch nicht auf. Kundenservice verliert ein Viertel zum Vorjahr, hier ersetzt KI sichtbar Stellen.
Logistik, Handel & Service: Zweigeteilt

Verlauf seit 2022. Quelle: Indeed Hiring Lab.
Dieses Cluster ist für den Blue-Collar-Bereich wichtig. Lager und Logistik stabilisieren sich, Sicherheit legt zu. Einzelhandel und Gastgewerbe fallen deutlich. Dort schlägt die Inflation auf den Konsum durch.
Die Bewerberflut: eine Chance für uns?
Während die Stellen weniger werden, werden die Bewerbungen mehr. Der Softwareanbieter Greenhouse hat ausgewertet, dass die Zahl der Bewerbungen pro Stelle zwischen 2022 und 2025 um 111 Prozent gestiegen ist, während die Zahl der Recruiter in den Unternehmen um 56 Prozent gesunken ist. Michael Truch von hforce hat das in ein Bild gebracht.

Bewerbungen pro Stelle gegenüber Recruitern pro Unternehmen, 2022–2025, Index 2022 = 100. Datenquelle: Greenhouse. Grafik: Michael Truch, hforce.
Die Daten stammen überwiegend aus den USA. Die Richtung kennst Du aber aus dem eigenen Geschäft. Der Chef von Indeed, Hisayuki Idekoba, hat es laut Fortune und Business Insider so zugespitzt: Wenn auf eine Stelle 1.000 Bewerbungen eingehen und angeblich niemand passt, stimme etwas mit dem System nicht. Greenhouse-Chef Daniel Chait" spricht von einer KI-Schleife, in der beide Seiten KI einsetzen und das Ergebnis für alle schlechter wird. Dazu kommen gefälschte Bewerbungen.
Ich sehe darin eine große Chance für unsere Branche. Unternehmen haben ihre Recruiter abgebaut, wie die HR-Zahlen oben zeigen. Gleichzeitig ertrinken sie in Bewerbungen und brauchen trotzdem 156 Tage, um eine Stelle zu besetzen. Was fehlt, sind nicht Bewerber, sondern Auswahl: jemand, der vorfiltert, Echtheit prüft und Kandidaten kennt, statt sie aus einem Stapel zu ziehen. Das ist unser Geschäft. Die Frage ist, ob wir es so verkaufen.
2.2 Freiberuflichkeit: Dreht ins Plus
Projektvolumen. Bis Ende September wurden auf freelance.de rund 45.300 Projekte veröffentlicht. Das sind 5,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, als es von Januar bis September rund 43.000 waren. Der Vorsprung gegenüber 2025 wächst damit weiter.

Anzahl Freelancer-Projekte auf freelance.de, jährlich. 2026: Stand 01.10.2026 (Januar bis September). Quelle: freelance.de.
September 2026 war im Jahres- wie im Monatsvergleich klar positiv. Mit rund 5.200 Projekten lag das Volumen 10,9 Prozent über dem September 2025 (rund 4.700). Das ist nach dem Juni der zweitstärkste Zuwachs zum Vorjahr in diesem Jahr. Gegenüber dem August (4.624 Projekte) legte das Volumen um 12,3 Prozent zu (September: 5.192).
Projektkategorien. Im Vergleich zum August ist das Bild gemischt. Die Informations- und Kommunikationstechnologie bleibt mit 27,7 Prozent die mit Abstand stärkste Kategorie, verliert aber erneut Anteil (August: 28,4 Prozent, minus 0,7 Prozentpunkte). In absoluten Zahlen wächst sie weiter, von rund 1.300 auf rund 1.400 Projekte. Der Anteil sinkt also nur, weil andere Kategorien noch stärker zulegen.

Projekte nach Kategorien auf freelance.de, Januar 2025 bis September 2026. Quelle: freelance.de.
Ingenieurwesen bleibt mit unverändert 15,6 Prozent stabil auf Platz zwei. Größter Gewinner ist die Verwaltung: Ihr Anteil steigt von 7,2 auf 8,1 Prozent (plus 0,9 Prozentpunkte), in absoluten Zahlen von rund 330 auf rund 420 Projekte. Damit zieht sie wieder klar an Versicherungen und Finanzen vorbei auf Platz drei.
Sonstiges liegt mit 9,1 Prozent exakt auf dem Niveau des Vormonats. In dieser Sammelkategorie stecken die kleineren Bereiche, unter anderem Produktion, Verkauf und Handel, Transport und Verkehr, Elektroingenieurwesen und Hotellerie und Gastronomie.
Unterm Strich ist das Bild deutlich dynamischer als im August: mehr Projekte als im Vorjahresmonat, kräftig mehr als im Vormonat, und IT bleibt dominierend, verliert aber trotz absolutem Wachstum weiter an Anteil.
2.3 Arbeitnehmerüberlassung: Die Stellen drehen ins Plus
Die Frühindikatoren der Bundesagentur liefern für die Zeitarbeit das stärkste Signal dieser Ausgabe.
Stellen. Im September waren 140.838 Stellen aus der Arbeitnehmerüberlassung gemeldet. Das sind 0,6 Prozent mehr als vor einem Jahr und das erste Plus seit Langem. Im Januar lag der Bestand noch 10,8 Prozent unter dem Vorjahr, im Mai 3,4 Prozent, im August 0,1 Prozent. Noch deutlicher ist der Zugang. Nach Angaben des GVP stieg die Zahl der neu bei der BA gemeldeten Stellen aus der Zeitarbeit (kalender- und saisonbereinigt) von 24.011 im August auf 25.335 im September. Das sind 5,5 Prozent mehr als im Vormonat und 8,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Der Anteil der Zeitarbeit an allen Stellenmeldungen der BA stieg laut GVP von 18,3 auf 19,3 Prozent. Am Gesamtarbeitsmarkt legte der Zugang gegenüber dem Vormonat nur um 0,2 Prozent zu (Vorjahr: +9,1 Prozent).
Warum das zählt, schreibt die BA selbst: Stellenmeldungen aus der Zeitarbeit richten sich stärker auf erwartete künftige Aufträge. Die Branche meldet also Stellen, weil sie Nachfrage kommen sieht.
Beschäftigung. Laut GVP waren im Juli 541.200 Menschen in der Arbeitnehmerüberlassung sozialversicherungspflichtig beschäftigt, nach 537.400 im Juni (+0,7 Prozent). Saisonbereinigt ging der Wert allerdings um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück, nachdem er zuvor zwei Monate in Folge gewachsen war. Zum Vorjahresmonat liegt der Rückgang bei 3,6 Prozent. Im Januar waren es noch 7,7 Prozent. Der Abstand halbiert sich. Am sonstigen Arbeitsmarkt sank die Beschäftigung im Juli laut GVP um 0,2 Prozent zum Vorjahr. Zuwächse gab es in Bergbau, Energie- und Wasserversorgung, Heimen und Sozialwesen sowie im Gesundheitswesen (jeweils +2,3 Prozent). Das Verarbeitende Gewerbe (−2,6 Prozent), der Handel (−1,3 Prozent) und Information und Kommunikation (−1,0 Prozent) verloren weiter.

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte bei Zeitarbeitsunternehmen, fortgeschrieben bis Juli 2026
Beschäftigungsaufnahmen. Im Juli beendeten 21.138 Menschen ihre Arbeitslosigkeit durch eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in der Zeitarbeit, 6,6 Prozent mehr als im Vorjahresmonat (GVP). Der Anteil der Zeitarbeit an allen Arbeitslosenabgängen stieg im 12-Monatsdurchschnitt laut GVP leicht von 11,6 auf 11,7 Prozent. Am sonstigen Arbeitsmarkt gingen die Beschäftigungsaufnahmen um 0,4 Prozent zurück. Zuwächse meldet der GVP für Verkehr und Lagerei (+4,6 Prozent) sowie Erziehung und Unterricht (+4,5 Prozent), deutliche Rückgänge für die öffentliche Verwaltung (−11,0 Prozent) und Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (−9,0 Prozent).
Exkurs: Warum White Collar in der Zeitarbeit kaum vorkommt. Mehr als die Hälfte der Leiharbeitnehmer arbeitet laut Bundesagentur in Helfertätigkeiten. Die Überlassung ist in Deutschland ein Geschäft für gewerbliche und einfache Tätigkeiten. Das wird jetzt zum Problem, und zwar von zwei Seiten. Auf der einen fallen in der Industrie genau die Stellen weg, die die Zeitarbeit groß gemacht haben: 120.000 Beschäftigte weniger in Metall, Elektro und Stahl in einem Jahr. Auf der anderen werden in IT, Marketing und Unternehmensführung viele qualifizierte Menschen frei, die Arbeitslosigkeit in den IT-Berufen hat sich mehr als verdoppelt.
3. Schlussfolgerung
Im September habe ich drei Prüfpunkte genannt, an denen Du erkennst, ob aus dem Szenario ein Trend wird. Hier ist der Stand:
Ein dritter positiver Monat in der Zeitarbeit: erfüllt. Die Beschäftigung sinkt saisonbereinigt seit Mai nicht mehr, die Stellen liegen über dem Vorjahr.
Perm-Stellen zwei Monate seitwärts oder aufwärts: erfüllt. August seitwärts, September aufwärts.
IAB-Beschäftigungskomponente zurück über 100: nicht erfüllt. Sie liegt bei 99,3.
Zwei von drei. Der Arbeitsmarkt dreht vor der Staffingbranche - so wie es das Transmissionsmodell beschreibt. Die Rally hat begonnen. Am Ende der Strecke steht aber eine Mauer: 0,4 Prozent Wachstum im Jahr 2028. Ob sie hart ist, hängt davon ab, wie Du heute aufbaust.
Was folgt daraus? Vier Konsequenzen.
Erstens: Das Fenster hat ein Ablaufdatum. 2026 und 2027 tragen, 2028 flacht es ab. Das sind rund 18 Monate. Wer im vierten Quartal aufbaut, ist im Frühjahr 2027 lieferfähig und hat dann ein gutes Jahr vor sich. Wer bis zum Frühjahr wartet, erntet nur noch ein halbes. Bau deshalb jetzt auf, aber so, dass Du 2028 beweglich bleibst: variable Vergütung, keine langen Mietverträge, keine Kostenblöcke, die ein Wachstum von 0,4 Prozent nicht tragen.
Zweitens: Wohin, wird noch genauer. Bau ist nicht gleich Bau: Tiefbau und Infrastruktur laufen, Wohnungsbau fällt. Gesundheit ist nicht gleich Gesundheit: Therapie und Zahnmedizin halten, Pflege gibt nach. Technik ist nicht gleich Technik: Maschinenbau und Elektro steigen, Softwareentwicklung fällt unter die Hälfte des Niveaus vor Corona. In Deutschland liegt genau die Hälfte der Berufe über dem Niveau vor der Pandemie. Deine Aufgabe ist, in der richtigen Hälfte zu stehen.
Drittens: Auswahl ist das Produkt. Unternehmen haben ihre Recruiter abgebaut und ertrinken in Bewerbungen. Sie brauchen keinen Lieferanten für Lebensläufe. Sie brauchen jemanden, der aus 1.000 Bewerbungen die drei richtigen Menschen macht und für deren Echtheit geradesteht. Wer das als Leistung beschreibt und bepreist, verkauft im Aufschwung nicht über den Preis.
Viertens: Plane 2028 als Jahr der Knappheit, nicht der Krise. Die Institute begründen das schwache Wachstum mit fehlenden Arbeitskräften. Die Arbeitslosigkeit soll bis dahin unter 6 Prozent fallen. Das ist kein Markt für Volumen, aber ein Kandidatengetriebener Markt, also ein sehr guter Markt für Vermittlung, für internationale Rekrutierung und für alle, die Zugang zu Kandidaten haben.
Woran Du erkennst, wie es weitergeht:
Ende Oktober meldet das Statistische Bundesamt das BIP für das dritte Quartal. Eine kleine Enttäuschung wäre laut KfW keine Überraschung und kein Grund, die Richtung in Frage zu stellen.
Die IAB-Beschäftigungskomponente steigt über 100.
Die Zeitarbeit baut saisonbereinigt Beschäftigung auf, nicht nur Stellen.
Der Ölpreis fällt wieder unter 100 Dollar. Bleibt er darüber, wackeln die Prognosen für 2027.
2026 bleibt das Verteilungsjahr: nicht wann, sondern wohin. 2027 wird das Wachstumsjahr werden. Und wer 2028 schon heute mitdenkt, gewinnt beide.
Dein Staffingpreneur
Thomas André Sola
P.S.: Ich teile täglich Einblicke aus der Staffing-Welt auf LinkedIn!
4. Quellensammlung
Makro & Konjunktur
Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose — Herbst 2026: „Aufschwung mit Strukturproblemen – Finanzpolitik auf Abwegen“ (24.09.2026), https://gemeinschaftsdiagnose.de/2026/09/24/gemeinschaftsdiagnose-herbst-2026-aufschwung-mit-strukturproblemen-finanzpolitik-auf-abwegen/
ifo Institut — Konjunkturprognose Herbst 2026 (03.09.2026), https://www.ifo.de/en/facts/2026-09-03/ifo-economic-forecast-autumn-2026-recovery-forces-gain-upper-hand
ifo Institut — ifo Geschäftsklima Deutschland, September 2026 (24.09.2026)
DIW Berlin — Herbstprognose (02.09.2026); RWI — Konjunkturbericht (03.09.2026)
OECD — Interim Economic Outlook (23.09.2026)
Deutsche Bank Research — Konjunktur kurzgefasst (28.09.2026)
KfW Research — KfW-Konjunkturkompass August 2026 (25.08.2026)
KfW Research — Chartbook Investitionsmonitor Deutschland, Herbst 2026 (17.09.2026)
KfW Research — Kommentar zum ifo-Geschäftsklima September 2026 (Dr. Philipp Scheuermeyer, 24.09.2026)
KfW Research — Kommentar zur Inflationsentwicklung September 2026 (Dr. Dirk Schumacher, 30.09.2026)
ZEW — Konjunkturerwartungen September 2026
S&P Global / HCOB — Flash-PMI Deutschland, September 2026
Bundesregierung / BMWE — Frühjahrsprojektion 2026 (22.04.2026)
Recruitonomics — „Germany's Economy Is Reviving as the AfD Surges“, Julius Probst (10.09.2026), https://www.recruitonomics.com/p/germanys-economy-is-reviving-as-the (Grafiken mit Genehmigung)
ifo Institut — „Deutsche Industrie im Wandel: Mehr Dienstleistung, weniger Fertigung“ (Pressemitteilung, 21.03.2025)
IAB — Kurzbericht 9/2026: „Branchenvielfalt erhöht die strukturelle Widerstandsfähigkeit“, https://doku.iab.de/kurzber/2026/kb2026-09.pdf
Haufe — „EU-Richtlinie für mehr Lohngleichheit: Umsetzung verschoben“ (01.06.2026), https://www.haufe.de/personal/arbeitsrecht/eu-richtlinie-fuer-mehr-lohngleichheit_76_538404.html
Stuttgarter Zeitung — Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt (29.09.2026)
Arbeitsmarkt
Bundesagentur für Arbeit — Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt, September 2026 (30.09.2026)
Bundesagentur für Arbeit — Arbeitsmarkt kompakt: Die Lage am Arbeits- und Ausbildungsmarkt in Deutschland, September 2026 (30.09.2026)
Bundesagentur für Arbeit — Analyse Arbeitsmarkt: Frühindikatoren für den Arbeitsmarkt, September 2026 (30.09.2026)
IAB — Arbeitsmarktbarometer September 2026
IAB — IAB-Monitor Arbeitskräftebedarf 2/2026, https://iab-forum.de/iab-monitor-arbeitskraeftebedarf-2-2026/
Indeed Hiring Lab — Job Postings Index Deutschland, Gesamtindex und Sektoren (Datenstand 25.09.2026), https://github.com/hiring-lab/job_postings_tracker
Indeed Hiring Lab — Europäisches Arbeitsmarkt-Chartbook September 2026
Staffingbranche
Bundesagentur für Arbeit — Blickpunkt Arbeitsmarkt: Entwicklungen in der Zeitarbeit (Januar 2026, Entgeltdaten aktualisiert Juli 2026)
GVP — Mitgliederinfo Marktanalysen: Entwicklung der Personaldienstleistungsbranche im September 2026 (01.10.2026)
ifo Institut — ifo Konjunkturperspektiven 9/2026, Personaldienstleistungen, https://www.ifo.de/DocDL/KT-ifoKP_2026_09.pdf
STAFFINGPRENEUR — Branchen- und Berufsgruppenkompass (Datenstichtag 30.06.2026), Arbeitsmarktkompass 2026
STAFFINGPRENEUR — Grundlagenartikel „Das STPR-Staffing-Transmissionsmodell“, https://www.staffingpreneur.de/p/grundlagenartikel-das-stpr-staffing-transmissionsmodell
KI & Recruiting
Fortune — „Indeed CEO says the job market is stuck in a ‘vicious cycle’“ (21.09.2026), https://fortune.com/2026/09/21/indeed-ceo-hisayuki-idekoba-broken-hiring-process-ai-fake-applicants-recruiter-struggles-cant-find-right-talent/
Greenhouse — Recruiting Benchmarks, https://www.greenhouse.com/recruiting-benchmarks
Michael Truch, hforce — Grafik „Diese Rechnung kann nicht aufgehen“
Freiberuflichkeit
freelance.de — Anzahl Freelancer-Projekte auf freelance.de, https://app.23degrees.io/view/L4GfykrS7QwRS9mf-bar-vertical-anzahl-freelancer-projekte-auf
freelance.de — Projekte nach Kategorien 2025–2026, https://app.23degrees.io/view/BcSqNZsZ1A9U2ptb-ttc-linechart-projekt-nach-kategorien-im-jahr


