Die harten Reformer (z.B. Page) sind schneller als die Zögerlichen in der neuen Realität angelangt.  

Q4-Zahlen sind selten spektakulär.  Aber manchmal sind sie ehrlicher als jedes Jahresergebnis. Wenn ich mir Q4 2025 und FY 2025 der großen börsennotierten Staffing-Player anschaue – PageGroup, SThree, HAYS und ManpowerGroup – dann ist die Botschaft klarer als in jedem CEO-Statement: 

👉 Der freie Fall ist vorbei. 
👉 Der Aufschwung ist noch nicht da. 
👉 Stabilisierung auf niedrigem Niveau. Die Staffingfirmen (manche besser, manche schlechter) haben sich an die neue Realität angepasst.  

Die Überblicksdaten: 

Überblicksdaten Staffingfirmen Geschäftsjahr 2025

Ein Primus ist die ManpowerGroup: Der wichtige Frühindikator im Markt 

Beginnen wir mit ManpowerGroup – weil es hier gute Nachrichten gibt, und sie am breitesten im Markt aufgestellt sind. 

Q4 2025 bringt im Vergleich zum Vorjahr (Q4 2024): 

  • $4.7 Mrd. Umsatz (zu $4.7 in Q4 2024) 

  • +7% reported / +2% organisch (OCC) 

Dass vierte Quartal hilft dem Konzern auf der Jahresperspektive in eine positive Umsatzentwicklung zu drehen: 

  • $18.0 Mrd. Umsatz (plus 1% geg. Vorjahr) 

Aber es ist das erste echte organische Wachstum eines globalen Generalisten seit vielen Quartalen. Dass Niveau ist, immer noch im niedrigen Bereich. Aber entscheidend ist nicht die Höhe – sondern die Richtung. 

Manpower spricht explizit von: „Improving stabilization in market trends“ 

Übersetzt: Der Markt wird nicht besser – aber er wird nicht mehr schlechter. 

Für mich ist das der klarste Frühindikator für 2026. Der Vollständigkeitshalber muss ich erwähnen, dass Global ein negatives Ergebnis von –$13.3 Mio. Ausgewiesen wird. Im Managementreport sind aber klar die Sondereffekte aufgeführt, welche durch Restrukturierung, Währungsanpassungen und weiteren Bereinigungen stark beeinflusst wurden.  Ohne diese Sondereffekte wäre, dass Jahresergebnis positiv gewesen. 

Ein Gewinner ist auch die PageGroup: Q4 besser als das Jahr – ein klassisches Bodenmuster 

Bei PageGroup sieht man das typische Bild einer Bodenbildung: 

  • FY 2025: –7.8% Gross Profit (cc) (von 842.6m GBP auf 768.2m GBP) 

  • Q4 2025: nur noch –4.6% (cc) bzw. - 3% (196.9m GPB auf 190.7m GBP) 

Mit gleichzeitiger Wirksamkeit der harten Reformtätigkeiten des Managements. 

  • Produktivität: PLUS 3% zu Q4.2024 

  • Weil Headcount z.B. in EMEA der Fee Earners in 2025 auf 2309 reduziert wurde (von 2628 in 2024), damit –12.1 % in 2025, aber nur –3% von Q3.2025 zu Q4.2025 

Für mich ist das ein deutliches Zeichen, dass sehr aktiv an den Personalkosten gearbeitet wurde (z.B. non-billing Mgt., Low-Performing-Sales-Staff, Backoffice). Dieser Prozess aber zu Q4 sein Ende gefunden hat und jetzt die Effizienz pro Mitarbeiter und der Profit wieder steigt. Um die Führungsriege stark zu reduzieren, wurden die unterschiedlichen Brands eingedampft und es wird in der Zukunft nur noch Page Executive und Michael Page geben. 

Page ist also in der neuen Realität angekommen, und hat es geschafft organisch sich damit auseinanderzusetzen (was sicherlich ein anstrengendes Unterfangen für Management und Angestellte war), jetzt aber wieder Bewegungsfreiheit für Gestaltung bekommt.  

Und dass obwohl Europa & UK weiterhin schwach bleiben und nur Americas und APAC bei Page wachsen.  

SThree: Restrukturierung vor Erholung 

SThree hat 2025 trotz massiven Marktdruck und stark Rückläufigen NFI als auch Profit ein klar positives Ergebnis erzielt: 

SThree Kennzahlen

Das Effizienzprogramm mit Einsparungen £ 7 Mio. war kein kosmetisches Sparprogramm, sondern eine nötige Anpassung an eine neue Marktgröße. Also ähnlich wie Page, wenn auch in der zeitlichen Umsetzung etwas später und weniger radikal. Das Management spricht von: „modest sequential improvement“ 

Diese Anpassungen sind aber unbedingt nötig, denn bei Contract Firmen ist der Fixkosten-Hebel besonders stark. Also wenn der Umsatz fällt, fällt der Gewinn überproportional.  

Ich bin mir nicht sicher, ob diese Anpassungen schon vollumfänglich abgeschlossen sind. V.a. ist die DACH Region mit –16% in den Niederlanden mit –21% sicherlich in Q4 noch keine Bodenbildung erreicht wurde. 

Spannend finde ich hier nach wie vor. Dass Technologie-Programm mit einem Gesamtinvestment von £32 Mio., welches bereits zu einer positiven Produktivität, einer reduzierten time-to-placement und damit zu einer besseren Skalierbarkeit beitragen soll. Ich bin gespannt ob das Programm einen Margen-Hebel für den nächsten Aufschwung liefert. 

HAYS: Ehemaliger Primus sucht das Ende der Krise 

Es schmerzt mich, meinen “Ausbildungsbetrieb” und ehemaligen Marktprimus so unter Druck zu sehen.  

Hays Q4 FY25 zeigt eine leichte Verlangsamung des Abschwungs, aber keine echte Erholung. Das Contracting-Geschäft stabilisiert, während Permanent Recruitment der klare Belastungsfaktor bleibt. Kostendisziplin verhindert eine Verschärfung, ersetzt aber keinen Nachfrage-Impuls und scheint im Vergleich zu den zuvor genannten noch nicht abgeschlossen zu sein.  

Wir erinnern uns an den Geschäftsbericht zum Geschäftsjahresende von HAYS (welche am 30.06.2025 endete). Ich hatte von einem herausfordernden Marktumfeld berichtet in dem HAYS ca. 13% zurückgegangen war. Und zwar auf £972.4m (von FY24: £1,113.6m). In Q4 hat sich dieser Rückgang auf –9% YoY verringert, bleibt aber klar negativ. Hier sehe ich noch keinen Turn-Around. 

Dass neue Geschäftsjahr von HAYS startete ja unter Druck. Da der “operational Profit” damals stark zurückgegangen (-56%) auf £45.6m von (FY24: £105.1m) sind. Und Sondereffekte von ca £30 Mio (für Restrukturierung und Transformation) reduzierten den “Profit before tax” auf £1.5 Mio. HAYS hat also kein so ein profitables “Profit-Kissen" und die “Closing-Net-Cash" Position von £37 Mio. in 2025 (Vergleich £410.6 Mio. In 2021) deuten nur noch auf wenige Handlungsoptionen hin.  

In Q4.2025 kam nicht die erhoffte Erholung, PERM blieb mit –14% YoY weiterhin das Sorgenkind. Während Temp/Contract mit –5% YoY den Abschwung abfedert und ähnlich wie bei den Marktbegleitern schon eher eine Stabilisierung sieht.  

Hays hat ihren FY25 in einem herausfordernden Umfeld mit rückläufigen Net Fees und stark gesunkenen Operating Profits abgeschlossen, zeigt aber durch Kostendisziplin und Contracting-Geschäft Stabilität, während Perm-Hiring der Hauptdruckfaktor bleibt. Q4 zeigt weiterhin Zurückhaltung und weiterhin Bedarf an schmerzvollen Einschnitten. 

Die eigentliche Verschiebung: von Volumen zu Effizienz 

Der Versuch, SThree oder HAYS mit Page zu vergleichen hinkt immer bischen. Weil Page stark PERM-fokussiert ist und somit schneller Fee-Earner reduzieren kann. Während dass in einem Contract-lastigen Staffingfirma, aufgrund der höheren Arbeitsteilung langsamer geht. Ausserdem sind die Berichtszyklen nicht einheitlich. 

Trotzdem gibt es Gemeinsamkeiten:  

  • Sequenziell verbesserte Entwicklung. Q4 war besser als Q3 besser als Q2 etc. 

  • Sinkende Headcounts führen in Q4 zu mehr Produktivität 

  • USA und Asien sind Wachstumsmärkte 

  • Das Contract Order Book ist (insofern vorhanden) extrem wichtig. 

  • Wachstumstreiber sind die 5-6 performanten Branchen 

➡️ Best news: Output pro Kopf steigt wieder. 

Das ist der eigentliche Hebel für die nächsten 12–24 Monate. Nicht Expansion. Nicht neue Standorte. Sondern Fokus, Spezialisierung, Effizienz. Daher sage ich es klar: 

2026 wird kein klassisches Erholungsjahr. Es wird ein Verteilungsjahr – der Kampf um das Kuchenbuffett 

  • Volumen wächst kaum, und wenn nur stark in den 6 Bereichen 

  • Preise bleiben unter Druck 

  • Margen kommen nur über Produktivität zurück 

Der Kampf um das Kuchenbuffet

Wer darauf wartet, dass „der Markt zurückkommt“, wird enttäuscht. Es gibt am Kuchenbuffet 5-6 Torten (gut laufende Branchen – siehe dazu den Staffing-Check aus Januar: https://www.staffingpreneur.de/p/staffing-check-januar-2026) - wer dorthin pivoten kann, der wird sowohl in PERM, TEMP und CONTRACT wachsen können.  

Meine Empfehlung für 2026: 

  1. Q4-Run-Rate als Planungsbasis 
    FY-Durchschnitte sind zu pessimistisch – Q4 zeigt die Realität. 

  2. Perm nicht als Wachstumstreiber einplanen 
    Contract & Temp bleiben stabiler. 

  3. Produktivität zur Kernkennzahl machen 
    Gross Profit / Net Fees pro Fee Earner. 

  4. Regionale Wahrheit akzeptieren 
    DACH plant defensiv. Internationalisierung – trau Dich. 

  5. Generalismus abbauen 
    2026 ist kein Jahr für „alles für alle“. 

Fazit 

Q4 2025 war kein gutes Quartal. Aber es war das Ehrlichste seit Langem. Der Markt hat aufgehört zu fallen. Mehr nicht – aber auch nicht weniger. Wir werden dieses Quartal sicherlich als Referenzpunkt in der Zukunft öfters benutzen. Und genau darin liegt die Chance für 2026: 
 

Nicht für die Größten. Sondern für die Fokussiertesten. 

Dein 
Thomas André Sola 


Keep Reading