Im September hatte ich von einem „Sommer der Unsicherheit“ gesprochen. Diese Einschätzung hat sich leider bewahrheitet. Das Einzige, was sich verändert hat, ist, dass der Herbst jetzt da ist. Ich nenne es auch den „Herbst der Unsicherheit“. Die wirtschaftliche Großwetterlage bleibt angespannt, der erhoffte Aufschwung ist noch nicht in Sicht. Zwar gibt es einzelne Lichtblicke – etwa an den Kapitalmärkten oder im Konsumverhalten – doch die deutsche Wirtschaft steckt weiterhin in einem Zustand zwischen Rezession und Stagnation.

Makroökonomischer Überblick: Deutschland in der Rezessionsfalle

Nach zwei Jahren Schrumpfung befindet sich die deutsche Wirtschaft weiter im rezessiven Umfeld. Laut Statista lag das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2024 um –0,5 % unter dem Vorjahr, nachdem es 2023 bereits –0,9 % zurückgegangen war. Auch 2025 wird kein nennenswertes Wachstum erwartet – die meisten Institute rechnen nur mit +0,1 bis +0,2 % Zuwachs.

Quelle: Statista


„Die deutsche Wirtschaft stagniert – ein Aufschwung ist frühestens 2026 realistisch.“ (Statista, September 2025)

Ursachen:

  • Exportprobleme durch die anhaltend aggressive US-Zollpolitik unter Präsident Trump

  • Schwache Binnennachfrage und geringe Investitionsbereitschaft

  • Demografischer Wandel mit schrumpfendem Arbeitskräfteangebot

  • Umstellung auf CO₂-neutrale Produktion, die viele Unternehmen finanziell und organisatorisch überfordert

Trotz dieser Herausforderungen ist ein weiterer Rückgang der Wirtschaftsleistung – also ein drittes Rezessionsjahr in Folge – unwahrscheinlich, da sich einige Indikatoren zuletzt stabilisiert haben.

Die Bandbreite der BIP-Prognosen für 2025 liegt zwischen –0,2 % und +0,4 %, für 2026 zwischen +0,7 % und +1,7 %.

Institut

Prognose 2025

Prognose 2026

Bundesregierung

0,0 %

1,0 %

EU-Kommission

0,0 %

1,1 %

IWF

+0,1 %

0,9 %

OECD

+0,4 %

1,2 %

ifo-Institut

+0,2 %

1,3 %

DIW Berlin

+0,2 %

1,7 %

IWH Halle

+0,2 %

0,8 %

RWI Essen

+0,4 %

1,2 %

Quelle: Eigenrecherche mit ChaptGPT – hoffentlich ohne Halluzination

Wichtige Backgroundinfo: Eine neue ifo-Studie (Lehmann & Zarges 2025) zeigt, dass sich das Trendwachstum der deutschen Wirtschaft seit den 1970er-Jahren von 3 % auf 1,5 % halbiert hat – und weiter sinken dürfte.

Gründe:

  • Produktivitätsrückgang in Schlüsselbranchen wie Automobil, Maschinenbau, Bau

  • Demografischer Wandel – ab 2026 beginnt der massive Renteneintritt der Babyboomer

  • Strukturwandel hin zu Dienstleistungen, die oft geringere Multiplikatoreffekte aufweisen

  • Hohe Verflechtung der Branchen – Schwächen in Kernindustrien übertragen sich auf die Gesamtwirtschaft

„Das langfristige Wachstum der deutschen Wirtschaft dürfte sich weiter abschwächen – bis nahe null Prozent.“ (ifo Institut, Schnelldienst 6/2025)

Was bedeutet das für die Staffingbranche:

Diese strukturelle Schwäche wirkt sich direkt auf die Staffingbranche aus, da weniger industrielle Großprojekte initiiert und weniger Fachkräfte nachgefragt werden.

Quelle: SIA

In der Tabelle von SIA wird klar, dass das Marktwachstum der deutschen Staffingbranche sehr stark (um ein Mehrfaches) auf das Wirtschaftswachstum reagiert. Der Wendepunkt im Wirtschaftswachstum müsste sich also auch in der Staffingbranche zeigen. Nach meiner Erfahrung werden wir das als erstes in der flexiblen externen Personalbeschaffung (Freelance und Temp) sehen. Das ist der Geschäftsbereich der als erstes anzieht und das sollten wir genau beobachten.

Interpretation: Die Prognosen signalisieren eine Bodenbildung – der Rückgang ist gestoppt, der Aufschwung ist noch nicht da, aber zum Greifen nah. 2025 wird zum „Jahr der Seitwärtsbewegung“, 2026 zum möglichen Wendepunkt. Die Branche wird aber der langfristigen Entwicklung der deutschen Wirtschaft folgen, wir brauchen also Mut, Flexibilität und Zuversicht. 

Wirtschaftspolitik & Finanzrahmen (Deutsche Bank Research I & II)

Nach der Verabschiedung des Bundeshaushalts 2025 tritt der im Frühjahr beschlossene finanzpolitische Richtungswechsel nun in Kraft. Geplant sind:

  • ein Infrastruktur- und Klimaschutz-Sondervermögen,

  • ein Verteidigungshaushalt von 3,5 % des BIP,

  • und neue Sonderabschreibungsregeln zur Belebung von Investitionen.

Allerdings zweifeln Finanzmärkte und Wirtschaft daran, dass die ehrgeizigen Ausgabenziele erreicht werden.

„Die ambitionierten Ziele des Bundeshaushalts 2025 sind schwer umsetzbar; der Mittelabfluss hinkt hinterher.“ (DB Research, Oktober 2025)

Wichtige Indikatoren sind:

  • Kurzarbeit bleibt mit rund 200.000 Betroffenen hoch.

  • Die Zahl der Arbeitslosen sank im September 2025 unter 3 Mio. (2,955 Mio.), die Quote auf 6,3 % (–0,1 Punkte).

  • Offene Stellen: 630.000 (–66.000 Jahr zu Jahr).

  • IAB-Prognose: Demografischer Wandel und Konjunkturflaute bremsen Beschäftigung – 2026 wird die Arbeitslosigkeit wohl seitwärts verlaufen.

  • Einkaufsmanagerindex (PMI) für September überraschte mit 52,4 Punkten leicht positiv, getragen vom Dienstleistungssektor.

  • Verlagerung von Industrie zu Dienstleistungen hält an – 140.000 Industriejobs gingen binnen Jahresfrist verloren.

Die Hoffnung liegt auf den geplanten Investitions- und Konjunkturprogrammen, die insbesondere Dienstleister und Bauwirtschaft stützen könnten.

Auch die Beveridge-Kurve zeigt eine leichte Bodenbildung.

Quelle: Beveridge-Kurve. Ergänzende Ausarbeitungen basierend auf Daten des Statistischen Bundesamts, Deutsche Bank Research

Diese Kurve zeigt uns auf, ob wir uns in einer Vollbeschäftigung, zyklischer Krise oder strukturellen Krise befinden. Eine niedrige Arbeitslosigkeit mit hoher Vakanzrate ist eine Vollbeschäftigung (Post-Corona 2022). Eine hohe Arbeitslosigkeit gepaart mit einer niedrigen Vakanzrate (d.h. wenige ausgeschriebene Stellen) ist eine strukturelle Krise. Als ich zum Beispiel mein Uni-Studium im Jahr 2006 beendet hatte, war die Wirtschaft in einer Standortkrise, die von der Agenda 2010 gelöst wurde. Gefolgt von einer zyklischen Krise (Eurokrise von 2012 bis 2016), dann Vollbeschäftigung und eine kurze Corona-Krise. Die Bewegung auf der Kurve ist ein Indikator für die Arbeitsmarkteffizienz und damit auch dem Zustand der Wirtschaft. Die Abbildung basiert auf Daten der Deutschen Bank und meinen persönlichen Ergänzungen wichtiger Daten aus 09-2025 (Vakanzrate 1,37 % / Arbeitslosenquote 6,3 %). Die Anzahl der Erwerbstätigen ist auf 45,85 Mio. leicht gestiegen, die Anzahl der offenen Stellen (629.800) ist leicht zurückgegangen.

Interpretation: Charttechnisch gesehen haben wir uns lange auf der gleichen Stelle aufgehalten und bewegen uns jetzt leicht weg von einer zyklischen Krise. Einige Indikatoren stiften Hoffnung auf Erholung.

Geschäftsklimaindex & Markt

Der Geschäftsklimaindex ist im September leicht zurückgegangen.

„Die Stimmung unter den Unternehmen in Deutschland hat sich verschlechtert. Der ifo Geschäftsklimaindex sank im September auf 87,7 Punkte, nach 88,9 Punkten im August. Die Unternehmen waren weniger zufrieden mit den laufenden Geschäften. Zudem trübten sich die Erwartungen merklich ein. Die Hoffnung auf wirtschaftliche Erholung erleidet einen Dämpfer.

Im verarbeitenden Gewerbe ist der Index gesunken. Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Lage etwas schlechter. Auch die Erwartungen fielen skeptischer aus. Die Zahl der Neuaufträge nahm abermals ab. Der Hoffnungsschimmer, der sich im Vormonat bei den Investitionsgüterherstellern zeigte, ist verblasst.

Im Dienstleistungssektor hat sich das Klima merklich verschlechtert. Die Erwartungen wurden deutlich pessimistischer. Der Indikator fiel auf den niedrigsten Stand seit Februar. Die Unternehmen korrigierten ihre Urteile zur aktuellen Lage ebenfalls nach unten. Insbesondere im Bereich Transport und Logistik verschlechterte sich die Stimmung.

Im Handel hat das Geschäftsklima nachgegeben. Dies war auf pessimistischere Erwartungen zurückzuführen. Die aktuelle Lage wurde hingegen etwas besser beurteilt. Im Einzelhandel stieg der Geschäftsklimaindex, während er im Großhandel sank.

Im Bauhauptgewerbe ist der Index nach dem Rückgang im Vormonat wieder gestiegen. Die Unternehmen zeigten sich etwas zufriedener mit den laufenden Geschäften. Auch die Erwartungen für die kommenden Monate hellten sich weiter auf.“

Der private Konsum bleibt gedämpft:

  • Inflation September: 2,4 %, Kernrate 2,7 %, Dienstleistungen 3,1 %.

  • Reale Einzelhandelsumsätze: –0,2 % (August, Destatis)

  • Onlinehandel: –2 % ggü. Juli

Dennoch zeigen sich erste positive Signale: Laut DIW-Konjunkturbarometer ist der Index im September um 4,3 Punkte auf 96,3 gestiegen – ein Hinweis auf eine mögliche Stabilisierung. An den Börsen zeigt sich ein anderes Bild: Der DAX hat Anfang Oktober 2025 22,6 % seit Jahresbeginn zugelegt und liegt mit 24.415 Punkten nur noch knapp unter seinem Allzeithoch.

„Zinssenkungen befeuern die Hoffnung auf eine Jahresendrallye.“ (Börsen-Zeitung, 02. 10. 2025)

Interpretation: Die Märkte rechnen sehr wahrscheinlich mit einer weiteren Fed-Zinssenkung im Oktober. Auch die EZB signalisiert Lockerung. Niedrigere Zinsen könnten Investitionen anregen und mittelfristig der Konjunktur – und damit auch der Staffingbranche– Auftrieb geben.

Langfristiger Ausblick: Zwischen Erschöpfung, Anpassung & Hoffnung

Deutschland befindet sich 2025 weiter in einer Phase der wirtschaftlichen Reibung:

  • Keine tiefe Rezession mehr, aber auch kein Wachstumsschub

  • Starker Strukturwandel von Industrie zu Dienstleistung

  • Demografie und Politik als Bremsfaktoren

  • Kapitalmärkte optimistisch, Realwirtschaft vorsichtig

Für die Wirtschaft bedeutet das:

„Die Talsohle ist erreicht – aber die Erholung wird länger dauern als erhofft.“

Erst 2026 dürfte die Branche wieder echte Wachstumsimpulse sehen, insbesondere durch Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung und Fachkräftezuwanderung. Kurzfristig bleibt das Geschäftsumfeld schwierig, Insolvenzen und Konsolidierungen werden weiter zunehmen.

Die mittelfristigen Wachstumsprognosen bleiben verhalten optimistisch. Entscheidend wird sein, wie schnell die Investitionsprogramme wirken und ob die Transformation in Schlüsselbranchen gelingt.
Das ifo-Institut sieht vor allem die Dienstleistungs- und Wissensökonomie als zukünftige Wachstumsquelle – vorausgesetzt, der Fachkräftemangel wird aktiv angegangen.

Langfristig allerdings gilt: Wo Transformation ist, da kommt die Staffingbranche ins Spiel. Schauen wir mal, was das für uns bedeutet:

Die Lage in der Staffingbranche

In den Konjunkturindices der Staffing-Branche sehen wir die wirtschaftliche Lage und Erwartung abgebildet.

Quelle: ifo Konjunkturumfragen. Die Zeitreihen beziehen sich auf den Bereich „Personaldienstleistung“ der monatlichen ifo Konjunkturumfrage.

Die Umfragewerte Geschäftsklima und Geschäftslage sind zurückgegangen. Geschäfts- bzw. Beschäftigungs- und Umsatzerwartungen drehen ins Positive. Das heißt: Die aktuelle Lage ist noch nicht gut, wir erwarten aber einen Aufschwung.

Temp & Perm in der Schweiz:

Einmal pro Quartal schaue ich mir unseren Nachbarmarkt, die Schweiz, an. Dieses Quartal erscheint es mir von besonderem Interesse, weil ich einen kleinen Trend sehe, der wichtig für uns ist.

Sowohl der Temporärmarkt als auch das Festanstellungsgeschäft befinden sich in der Schweiz in einer langjährigen Abwärtsbewegung. Die Schweizer Staffingbranche schließt das erste Halbjahr erstmals drei Jahre nacheinander mit negativen Ergebnissen ab.

Die Kombination aus schwacher Konjunktur, Fachkräftemangel und Strukturwandel belastet die Branche erheblich. Vor allem in der Festanstellungsvermittlung ist die Unsicherheit stark zu erkennen.

Unternehmen halten sich bei Neueinstellungen und Projekten zunehmend zurück, insbesondere in exportabhängigen Sektoren. Der Ausblick bleibt verhalten: Der Trend der Abkühlung dürfte sich fortsetzen, auch wenn in einzelnen Branchen (z. B. Bau) Nachfrageimpulse möglich sind.

Quelle: Swiss Staffing

Interpretation: Jetzt kommt das Aber. Wie alle Branchenerfahrenen wissen, belebt sich das Geschäft der flexiblen Personalbeschaffung als erstes, der Festanstellungsvermittlungsmarkt folgt einige Monate später. Und im Bereich Temporärarbeit ist der Rückgang abnehmend. In Q1 war es noch -9, im Q2 -7 und in Q3 vsl. -4. Siehst Du hier auch eine potentielle Trendwende?

Freiberuflichkeit in Deutschland

Die folgenden Daten stützen sich auf die Datenlage von freelance.de, die meiner Meinung nach richtungsweisenden Charakter besitzt (Stand: 01.10.2025).

•4.700 neue Projekte −11 % ggü. Sep 2024 (5.300)/−23 % ggü. Sep 2023 (6.100).

•Jan–Sep 2025 (YTD): 43.000 −16 % ggü. 2024 (51.400)/−31 % ggü. 2023 (62.100).

 

Quartalsvergleich 2025

•Q1: 15.200 · Q2: 13.400 · Q3: 14.400 (+7,5 % vs. Q2).

•Ggü. Vorjahren bleibt Q3 niedriger (−15 % vs. Q3/2024 = 16.900; −27 % vs. Q3/2023 = 19.800).

 

Kategorien (September 2025):

  • IT: 1.500 · −35 % ggü. 2024 (2.300) · −44 % ggü. 2023 (2.700)

  • Ingenieurwesen: 600 · −45 % ggü. 2024 (1.100) · −50 % ggü. 2023 (1.200)

  • Verwaltung: 400 · −50 % ggü. 2024 (800) · −56 % ggü. 2023 (900)

  • Versicherungen & Finanzen: 300 · ±0 % ggü. 2024 (300) · −25 % ggü. 2023 (400)

  • Sonstiges: 1.900 · +138 % ggü. 2024 (800) · +111 % ggü. 2023 (900) · ≈40 % Anteil am Monat

Der September bestätigt die strukturelle Verschiebung: „Sonstiges“ vereint inzwischen rund 40 % des Monatsvolumens (u. a. Marketing, Kommunikation, Recht, HR). In IT, Ingenieurwesen und Verwaltung setzen sich die Rückgänge fort; Finanzen bleibt stabil auf Vorjahresniveau. Die Q2-Analyse beschreibt deutliche Rückgänge in den klassischen Kategorien (u. a. IT −36 %, Ingenieurwesen −30 %, Verwaltung −56 %, Finanzen −25 % – jeweils Juni ggü. Vorjahr) und einen Zuwachs in „Sonstiges“. Q3 setzt diese Struktur fort: hoher „Sonstiges“-Anteil bei weiter schwachen Kernbereichen.

Interpretation: Der Markt bleibt gedämpft, jedoch breiter aufgestellt. Während klassische Tech- und Operations-Rollen zurückgehen, gewinnen vielfältige Profile im Bereich „Sonstiges“ an Gewicht. Wichtig ist der Wert: Von Q2 auf Q3 sind die Projektanfragen um 7,5 % gestiegen. Ein ähnliches Bild wie in der Schweiz. Ist das ein Trend, welcher ein erstes Aufbruchsignal am Markt ist? Schauen wir mal im Bereich Arbeitnehmerüberlassung, ob wir einen ähnlichen Trend dort sehen.

Arbeitnehmerüberlassung:

Unser Schwesterverband GVP hat über die Zahlen in der Zeitarbeit berichtet.

Das dritte Quartal 2025 endete für die Arbeitnehmerüberlassung in einem weiterhin herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld. Die Stimmung bleibt verhalten, zeigt jedoch erste Stabilisierungstendenzen.

Quelle: GVP

Beschäftigung in der Zeitarbeit: Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Zeitarbeit: 561.300 im Juli 2025 (Juni: 559.900) → +0,3 % ggü. Vormonat. Gegenüber Juli 2024 beträgt der Rückgang –8,5 %. Damit hat sich die negative Entwicklung leicht abgeschwächt (Dezember 2024: –12,2 %). Saisonbereinigt sank die Beschäftigung im Juli um 0,4 %, nach einem leichten Plus im Juni.

Arbeitslosenabgänge & Beschäftigungsaufnahmen: 19.630 Personen beendeten im Juli 2025 ihre Arbeitslosigkeit durch eine Beschäftigung in der Zeitarbeit → +3,5 % ggü. Vorjahr. Der Anteil der Zeitarbeit an allen Arbeitslosenabgängen blieb im 12-Monatsdurchschnitt bei 11,7 % stabil. Im übrigen Arbeitsmarkt nahmen die Beschäftigungsaufnahmen aus Arbeitslosigkeit um –1,5 % ab; stärkster Rückgang im Bereich Erziehung & Unterricht (–5,7 %).

Arbeitslosenzugänge: Im September 2025 meldeten sich 16.712 Personen nach einer Tätigkeit in der Zeitarbeit arbeitslos → +5,9 % ggü. September 2024. Anteil der Zeitarbeit an allen Arbeitslosenzugängen: 9,5 % (12-Monatsdurchschnitt). Im übrigen Arbeitsmarkt stiegen die Zugänge noch stärker (+7,9 %), besonders in Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (+14,5 %).

Stellenmeldungen: Neu gemeldete Stellen aus der Zeitarbeitsbranche bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) im September 2025: 24.248 (kalender- und saisonbereinigt) → +5,8 % ggü. August. Anteil der Zeitarbeit an allen Stellenmeldungen: 20,1 % (erstmals seit August 2024 wieder über der 20-%-Marke).

Quelle: GVP

Im Gesamtarbeitsmarkt sanken die neuen Stellenmeldungen leicht (–1,9 %).

Besonders dynamisch: Helfertätigkeiten Metallbearbeitung (+39,1 % ggü. Vormonat).

Interpretation: Die Arbeitnehmerüberlassung befindet sich weiterhin in einer Phase der Bodenbildung. Zwar bleibt das wirtschaftliche Umfeld angespannt, doch mehrere Indikatoren – insbesondere steigende Stellenmeldungen und stabilere Erwartungen – deuten auf eine Abschwächung des Negativtrends hin. Der Beschäftigungsrückgang fällt inzwischen weniger stark aus als im Vorjahr, was darauf hinweist, dass viele Unternehmen die Talsohle erreicht haben. Besonders bemerkenswert ist, dass der Anteil der Zeitarbeit an allen Stellenmeldungen wieder über die Marke von 20 % gestiegen ist – ein erstes Signal für vorsichtige Personalaufstockungen in konjunktursensiblen Branchen. Insofern das nicht ein Einmaleffekt ist.

Festanstellung in Deutschland

Der deutsche Stellenmarkt zeigte im September 2025 erstmals in diesem Jahr ein leichtes Wachstum. Laut Indeed legte die Zahl der ausgeschriebenen Stellen saisonbereinigt um +1,5 % zu. Dennoch liegt das Gesamtvolumen weiterhin −13,9 % unter dem Jahresbeginn und −12 % unter Vorjahr – ein Hinweis auf eine fragile Stabilisierung ohne echte Trendwende.

Diese Entwicklung im Festanstellungsbereich, die ich von der Anzahl der offenen Stellen laut Indeed-Index ableite, wird an folgender Grafik ersichtlich.

Indeed-Ökonomin Dr. Virginia Sondergeld betont:

„Das aktuelle Plus ist kurzfristig erfreulich, aber noch lange kein Beleg für eine Trendwende. Eine nachhaltige Erholung ist frühestens 2026 zu erwarten.“

Die Erholung ist stark branchenabhängig. Besonders Einzelhandel (+9,7 %), Medizintechnik (+3,9 %), Büro & Verwaltung (+3,7 %), Lagerhaltung (+3,4 %) und Buchhaltung (+3,0 %) verzeichnen deutliche Zuwächse.

Dagegen sanken die Ausschreibungen in Bank- und Finanzwesen (−6,4 %), Marketing (−5,7 %), Elektrotechnik (−4,7 %), Softwareentwicklung (−3,5 %) und Projektmanagement (−3,3 %). Die Personalentwicklung, die für uns ein wichtiger Frühindikator ist (zeigt, ob unsere Kunden einstellen möchten), ist leider weiterhin rückläufig.

Regionaler Überblick: Regional zeigt sich ein heterogenes Bild: Positive Dynamik in Nordrhein-Westfalen (+2,0 %), Baden-Württemberg (+1,6 %), Bayern (+0,6 %) und Saarland (+9,2 %), Rückgänge in Berlin (−1,9 %) und Hamburg (−0,4 %). Damit liegen die großen Wirtschaftszentren leicht im Plus, während die Stadtstaaten noch unterdurchschnittlich abschneiden.

White-Collar-Segment & Jobmobilität: Im sogenannten White-Collar-Bereich – also klassische Angestelltenfunktionen – zeigt sich eine hohe berufliche Mobilität, insbesondere in HR, Kundenservice und analytischen Tätigkeiten. Laut Indeed Hiring Lab wechseln monatlich rund 2 % aller Beschäftigten in Deutschland den Job. Die höchsten Jobwechselraten finden sich in:

Personalwesen (2,8 %),

Kundenservice (2,6 %),

Daten & Analytics (2,6 %).

Diese Sektoren gelten als durchlässig und agil, was Flexibilität im Arbeitsmarkt fördert. Deutlich geringer ist die Wechselquote in Medizin, Pflege oder Chemieingenieurwesen (1,0 – 1,2 %), wo regulierte Ausbildungspfade und Fachkräftemangel die Mobilität bremsen.

Eine auffällige Entwicklung zeigt sich in der Softwareentwicklung: Trotz rückläufiger Stellenausschreibungen (−3,5 %) bleiben Fachkräfte dort überdurchschnittlich stabil beschäftigt – nur 31 % wechseln die Berufsgruppe. Der zunehmende KI-Einsatz verschiebt Aufgabenprofile und reduziert Einstiegspositionen, was zu geringerer Mobilität und einem intensiveren Wettbewerb um erfahrene Fachkräfte führt.

Der Schwesterverband BDU erhebt für das Executive Search einen Geschäftsklimaindex (GKI), der in Q3 insgesamt auf 83,9 Punkte kommt (Q2: 85,8 / Q1: 77,2). Der Geschäftsdynamikindex (GDI) liegt bei 96,9 Punkten – ein Hinweis auf zurückhaltende Auftragslage und geringere Projektaktivität.

Quelle: Börsen-Zeitung

Vor allem Boutiquen mit geringerem Umsatz (< 2,5 Mio. €) leiden unter niedrigem Auftragsvolumen und weniger Neumandaten (−51 % ggü. Vorquartal). Mittelgroße Beratungen (Umsatz 5–20 Mio. €) zeigen sich dagegen stabiler, während große Häuser dank breiter Branchenabdeckung robust bleiben.

Interpretation: Der Festanstellungsmarkt zeigt im September 2025 erste positive Signale, bleibt aber weit von einer nachhaltigen Erholung entfernt. Während der Einzelhandel und administrative Tätigkeiten zulegen, herrscht in IT, Finanzen, Marketing und HR weiterhin Zurückhaltung. Der White-Collar-Arbeitsmarkt bleibt hochmobil, gleichzeitig nimmt der Wettbewerb um erfahrene Fachkräfte zu. Insgesamt bleibt der Markt 2025 zweigeteilt: erste Stabilisierung in Teilsegmenten – aber noch kein struktureller Aufschwung.

Weitergehende Beobachtungen im Staffingmarkt

Neben der klassischen Branchenentwicklung schaue ich ja auch gerne auf spezifische Trends oder Entwicklungen bei Staffingfirmen.

Geschäftszahlen im Vergleich – Künftig an anderer Stelle

In Q2 hatte ich den Vergleich von SThree mit Hays geliefert, gefolgt vom Vergleich von SThree und Michael Page im letzten Monat. Der nächste STAFFING-CHECK ist schon in Arbeit. Wichtig ist diese Analyse der großen Staffingfirmen, weil es klar wird, dass die Reserven größtenteils weg geschrumpft sind. Das bedeutet die Handlungsalternativen werden geringer – Marktbereinigung unausweichlich. „Survival of the fittest“ ist angesagt.

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Konsolidierung im Markt

Die zuvor beschriebene Marktbereinigung führt zu weiteren Konsolidierungen in der Branche. Laut der Börsen-Zeitung („Personaldienstleistung sortiert sich neu“ vom 18.09.2025) steigt der M&A-Druck insbesondere bei kleinen Beratungsboutiquen, die unter Umsatzrückgängen und Liquiditätsengpässen leiden.

Große Anbieter wie Tempton Group oder YER Deutschland agieren hingegen aktiv als Käufer: Tempton hat seit Anfang 2024 über 30 Firmen übernommen, YER plant bis zu drei Zukäufe pro Jahr.

Private-Equity-Investoren halten sich derzeit zurück, weil die Fremdfinanzierung aufgrund der hohen Zinskosten im Moment noch unattraktiv erscheinen.

Fallende Zinsen werden zu einer verstärkten Neuordnung und Konsolidierung führen, weil aufgrund der fallenden Gewinnmargen das Thema Skaleneffekte und finanzielle Stabilität zunehmend Entscheidungsfaktoren werden.

Zusammenfassung & Fazit: Der Temp-Markt signalisiert vielleicht den Anfang vom Aufschwung, im Moment herrscht aber erstmal weiter ein „Survival of the Fittest“.

2025 ist das Jahr der Seitwärtsbewegung und damit gilt „Survival of the Fittest“. Denn die Staffingbranche 2025 bleibt ein schwieriges Gelände zwischen Stagnation und Rezession. Die Gewinnmargen der Unternehmen sind nach 2 Jahren Abschwung auf ein Minimum. Ein weiteres Jahr in der Rezession würde zu beispiellosen Einsparungen führen müssen. Nur wer Prozesse optimiert, Technologie integriert und mutig restrukturiert, wird den Sprung in die nächste Wachstumswelle schaffen.

Wir alle wollen gute Nachrichten, aber Hoffnungsvertrieb bringt uns nicht weiter. Die gute Nachricht ist: Es gibt Bewegung.

Die ersten positiven Signale kommen klar aus dem Bereich der flexiblen Personalbeschaffung. Zeitarbeit und Freelance zeigen erste Erholungsanzeichen – steigende Stellenmeldungen, leicht wachsende Projektzahlen und eine spürbare Stabilisierung bei den Erwartungen. Das ist kein Zufall: In jeder Marktphase sind es die agilen Modelle, die zuerst wieder anziehen. Unternehmen holen sich Flexibilität zurück, bevor sie langfristige Verpflichtungen eingehen.

Im Festanstellungsmarkt dagegen sehen wir eine fragile Bodenbildung. Nach monatelanger Flaute stiegen die Stellenausschreibungen im September erstmals wieder leicht an. Das zeigt, dass die Wirtschaft wieder vorsichtiger nach vorne denkt, auch wenn der große Aufschwung noch auf sich warten lässt. Besonders dynamisch sind die White-Collar-Berufe – HR, Kundenservice und analytische Funktionen bleiben die Schaltstellen des Wandels. Hier bewegt sich der Markt, hier wird umgeschichtet, hier entstehen die neuen Jobpfade.

Das alles ist noch kein Aufschwung, aber ein Anfang. Ich wage zu behaupten „Die Talsohle ist durchschritten“, und das habe ich mich nicht getraut in den letzten 12 Monaten zu behaupten. 2026 wird kein Aufschwung für alle – sondern für die Richtigen. Die Personalberatungsbranche selbst steht vor einer doppelten Herausforderung: Konsolidierung und Transformation. Kleine Boutiquen geraten unter Druck, während große und mittelgroße Häuser durch Stabilität, Marke und Prozesse punkten. Der M&A-Druck steigt, die Spreu trennt sich vom Weizen. Doch auch das ist Teil der Marktbereinigung – Stärke durch Struktur wird zur neuen Maxime.

In Summe gilt: 2025 ist kein Jahr des Wachstums, sondern des Überlebens mit Strategie. Die Branche zeigt erste Lebenszeichen, aber sie muss sie richtig deuten. Jetzt entscheidet sich, wer nur durchhält – und wer vorbereitet in die nächste Welle startet. Vielleicht wird 2026 kein „Jahr des Wunders“ – aber definitiv eins der Erholung.

Ich helfe Dir gerne mit meiner Marktanalyse die richtigen Trends zu erkennen und Dich zukunftsfähig aufzustellen. Komm einfach auf mich zu. Ich unterstütze dich dabei, Potenziale zu erkennen und strukturiert anzugehen.

Dein

Thomas André Sola

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